Zusatzstoff in Lebensmitteln verstärkt Grippe und erschwert Behandlung

Stärkere Grippesymptome durch unsere Ernährung?

Ein Zusatzstoff in vielen Produkten, wie beispielsweise gefrorenem Fleisch und Fisch, unterdrückt die Immunreaktion, welche der Körper bei der Bekämpfung der Grippe ausübt. Die Exposition gegenüber dieses Zusatzstoffes kann beispielsweise die Wirksamkeit eines Grippeimpfstoffs verringern.


Bei einer aktuellen Untersuchung der Michigan State University konnte festgestellt werden, dass der Zusatzstoff tert-Butylhydrochinon den Körper bei der Bekämpfung von Grippe behindert. Die Forschungsergebnisse werden auf der Jahrestagung der American Society for Pharmacology and Experimental Therapeutics während des 2019 Experimental Biology Meetings am 6. bis 9. April in Orlando vorgestellt.

Wenn Menschen unter der Grippe leiden, werden auftretende Symptome durch spezielle Zusätze in unseren Lebensmitteln noch weiter verstärkt. (Bild: Sonja Birkelbach/fotolia.com)

tBHQ verstärkt Grippesymptome

Aktuelle Untersuchungen an Mäusen legen nahe, dass der Zusatzstoff mit der Bezeichnung tert-Butylhydrochinon (tBHQ), der in vielen gängigen Produkten enthalten ist, sich negativ auf die Bekämpfung von Grippe auswirkt. Er führt dazu, dass sich die Schwere der Grippesymptome erhöht. Auch die Wirksamkeit des Grippeimpfstoffs wird durch Wirkung der tBHQ-Exposition auf die T-Zellen, einen lebenswichtigen Bestandteil des Immunsystems, verringert.

Atembeschwerden durch Grippe töten weltweit jährlich bis zu 650.000 Menschen

Dieser Zusammenhang könnte erklären, warum die saisonale Influenza nach wie vor weltweit ein großes Gesundheitsrisiko darstellt. Schätzungsweise 290.000 bis 650.000 Menschen sterben jedes Jahr weltweit an Grippe bedingten Atembeschwerden. Die Studien haben gezeigt, dass Mäuse mit einer Ernährung mit tBHQ eine geschwächte Immunantwort auf eine Influenza-Infektion aufweisen.

In dem untersuchten Modellversuch an Mäusen unterdrückte tBHQ die Funktion von zwei Arten von T-Zellen, sogenannten Helfer- und Killer-T-Zellen. Dies führte letztendlich zu schwerwiegenderen Symptomen während einer nachfolgenden Influenza-Infektion, erläutern die Forschenden. Wenn eine Person mit einem Influenzavirus infiziert ist, leiten Helfer-T-Zellen andere Teile des Immunsystems an und helfen dabei eine geeignete Reaktion zu koordinieren, während Killer-T-Zellen infizierte Zellen suchen und sie aus dem Körper entfernen.

Abwehr gegen Grippe wurde stark verlangsamt

Bei ihren Experimenten stellten die Forschenden fest, dass Mäuse, die eine mit tBHQ angereicherte Ernährung zu sich nahmen, langsamer T-Helferzellen und Killer-T-Zellen aktivieren. Dies führt zu einer verzögerten Bekämpfung des Virus. Im Moment ist eine führende Hypothese, dass tBHQ diese Effekte verursacht, indem einige Proteine verstärkt werden, von denen bekannt ist, dass sie das Immunsystem unterdrücken. Die Expression dieser Proteine, CTLA-4 und IL-10, wurde in zwei verschiedenen Modellen im Labor verstärkt. Es ist jedoch weitere Forschung erforderlich, um zu bestimmen, ob die Hochregulierung dieser Proteine tatsächlich für die Wirkungen von tBHQ während der Influenza ursächlich ist.

Erneute Infektionen wurden schlechter bekämpft

Als die Mäuse später erneut mit einem anderen, aber verwandten Grippestamm infiziert wurden, waren die Tiere mit einer Ernährung mit viel tBHQ länger krank und nahmen an Gewicht ab. Dies deutet darauf hin, dass tBHQ die sogenannte Erinnerungsreaktion beeinträchtigt, die das Immunsystem normalerweise dazu anregt, eine zweite Infektion zu bekämpfen. Da diese Reaktion von zentraler Bedeutung für die Funktion von Impfstoffen ist, kann eine Beeinträchtigung dieser Funktion möglicherweise die Wirksamkeit des Grippeimpfstoffs herabsetzen. T-Zellen sind an der Immunantwort auf eine Vielzahl von Krankheiten beteiligt, so dass tBHQ auch bei anderen Arten von Infektionskrankheiten eine Rolle spielen könnte, erläutern die Forschenden.

Nehmen wir alle tBHQ zu uns?

tBHQ ist ein Zusatzstoff zur Verbesserung der Haltbarkeit von Nahrungsmitteln – mit einer maximal zulässigen Konzentration von 200 ppm in Lebensmittelprodukten. Es ist unklar, wie viel tBHQ Menschen normalerweise ausgesetzt sind, obwohl Schätzungen nahelegen, dass beispielsweise einige Menschen in den USA fast doppelt so viel tBHQ zu sich nehmen, wie die vom gemeinsamen FAO/WHO-Expertenkomitee für Lebensmittelzusatzstoffe empfohlene Höchstmenge beträgt. Es ist schwer zu wissen, ob und wie viel tBHQ Sie konsumieren, da es nicht immer auf den Inhaltsstoffetiketten aufgeführt ist, erläutern die Autoren der Studie. Beispielsweise könne es in Öl zum Braten enthalten sein, welches zur Herstellung von Chips verwendet wird. Der beste Weg, die tBHQ-Exposition zu begrenzen, bestehe darin, bewusster auf die Auswahl der zu sich genommenen Lebensmittel zu achten. Da tBHQ weitgehend zur Stabilisierung von Fetten verwendet wird, könne eine fettarme Ernährung und die Reduzierung des Konsums von verarbeiteten Snacks dazu beitragen, den tBHQ-Verbrauch zu reduzieren, so die Forschenden. Weitere Untersuchungen an menschlichen Blutproben seien jetzt erforderlich, um so zu herauszufinden, wie genau tBHQ die T-Zellaktivität beeinflusst. (as)