Hitzepickel – Formen, Ursachen und Behandlung

Hitzepickel (auch Hitzefrieseln oder Schweißfrieseln) sind hirsekornartige Papeln oder Pusteln auf der Haut. Sie entstehen, wenn die Schweißdrüsen in der Haut verengt oder blockiert sind. Der Schweiß kann nicht mehr durch die verschiedenen Hautschichten nach außen gelangen, um dort zu verdunsten. Er sammelt sich stattdessen in der Haut und reizt diese. In der Folge entstehen kleinherdige Hautveränderungen, die von einer oberflächlichen Blasenbildung bis hin zu tieferliegenden rötlichen Knoten reichen können.

Der Hautausschlag ist nicht ansteckend. Einige der hitzebedingten Pickel sind rein optisch lästig, andere gehen mit Entzündungen und Juckreiz einher. Viele denken bei Hitzepickeln zuallererst an Neugeborene, Säuglinge und Kleinkinder. Aber auch bei Erwachsenen können sie sich manifestieren, insbesondere bei feucht-warmen Wetterbedingungen. Fachärzte bezeichnen diese dann als Miliaria. Der Begriff geht auf das lateinische Wort „milium“ für „Hirsekorn“ zurück.


Unterschiedliche Formen von Hitzepickeln

Mediziner differenzieren zwischen verschiedenen Arten. Die Miliaria-Formen unterscheiden sich sowohl hinsichtlich ihrer klinischen Erscheinung als auch ihrer feingeweblichen (histologischen) Zusammensetzung. Das heißt, sie können in Bezug auf Symptome und Anzeichen stark variieren. Sie werden aber vorrangig danach klassifiziert, in welcher Hautschicht die Schweißgänge verengt oder verstopft sind. Generell sprechen Ärzte hier von vier verschiedenen Grundformen: Miliaria cristallina, Miliaria rubra, Miliaria pustulosa oder Miliaria profunda.

Hitzepickel entstehen, wenn Schweißdrüsen verengt oder blockiert sind. Sie können in Form und Aussehen je nach Art stark variieren. (Bild: poravute/fotolia.com)

Kleine wasserklare Bläschen bei Kristallinfrieseln (Miliaria cristallina)

Kristallinfriesel (Miliaria cristallina) gelten als mildeste Form von Hitzepickeln. Betroffen sind hier die obersten Abschnitte der Schweißdrüsenausführungsgänge. Diese befinden sich in der äußersten Hautschicht beziehungsweise der obersten Schicht der Epidermis (Oberhaut) – dem sogenannten Stratum corneum. Aufgrund der Blockade in der Oberhaut ergießt sich der Schweiß unmittelbar unter die äußerste Hautschicht und verursacht dort kleine, aber deutlich sichtbare Bläschen und Flecken.

Die Bläschen lassen sich durch Berührung leicht öffnen. Beim Eröffnen der Bläschen tritt eine wasserklare Flüssigkeit aus. Sind die Bläschen mit einer milchigen Flüssigkeit gefüllt, wird auch von einer Miliaria alba gesprochen. Miliaria cristallina geht in aller Regel nicht mit Juckreiz oder Stechen einher. Diese Form der Hitzepickel betrifft am häufigsten Neugeborene und Säuglinge. Sie kann aber auch bei erwachsenen Personen auftreten. Dies geschieht zumeist dann, wenn diese aus einer gemäßigten Klimazone in eine Gegend mit tropischem Klima umgezogen sind.

Viele kleine Papeln am Rücken bei Miliaria rubra

Beim roten Friesel (Miliaria rubra), der von manchen auch als „roter Hund“ bezeichnet wird, befindet sich die Blockade der Schweißgänge in einer tieferen Epidermisschicht – dem sogenannten Stratum granulosum. Diese befindet sich zwar noch in den äußeren Hautschichten, aber bereits etwas tiefer als bei Miliaria cristallina. Die vom Ausschlag betroffenen Hautbereiche schwitzen in aller Regel nicht oder nur sehr wenig. Hier werden zumeist viele kleine knötchenartige und gerötete Papeln im Bereich des Rückens ausgebildet. Die betroffenen Hautareale jucken oder brennen und fühlen sich rau an.

Luftundurchlässige Kleidung führt zu einer Verstärkung des Juckreizes oder des Brennens – insbesondere bei höheren Umgebungstemperaturen. Bei roten Frieseln besteht eine erhöhte Gefahr für einen Hitzschlag. In den meisten Fällen zeigt sich der charakteristische Ausschlag bei erwachsenen Personen, nachdem die Umgebungstemperaturen sehr heiß geworden sind. Miliaria rubra kann sich aber auch unmittelbar nach Anstieg der Temperaturen entwickeln. Bei Neugeborenen und Säuglingen treten rote Frieseln vorrangig zwischen der ersten und dritten Lebenswoche auf.

Bei Miliaria rubra kommt es meist zu kleinen, rötlichen Pusteln am Rücken, begleitet von Jucken und Brennen. (Bild: angkhan/fotolia.com)

Pustelbildung bei Miliaria pustulosa

Miliaria pustulosa ist eine Sonderform von Miliaria rubra. Hier sind die Hitzepickel bakteriell infiziert. Sie sind daher entzündet und bilden eitrige Pusteln. Miliaria pustulosa kann aber auch auf dem Boden anderer Hauterkrankungen entstehen, wenn diese die Schweißgänge verletzen oder blockieren.

Feste, hautfarbene Knoten bei Miliaria profunda

Bei einer Miliaria profunda sind die Schweißgänge bis in die unter der Oberhaut liegende Lederhaut (Dermis) – dem sogenannten Stratum papillare – blockiert oder verengt. Der Schweiß kann nicht bis in die oberen Hautschichten abfließen und versickert daher tiefer in der Haut. Entsprechend bilden sich die Hitzepickel hier in den tieferliegenden Hautschichten.

Die Miliaria-Form ist selten und manifestiert sich anhand fester und fleischfarbener Knoten bzw. Verdickungen. Diese ähneln auf der Hautoberfläche mitunter einer Gänsehaut. Eine Miliaria profunda fühlt sich meistens nicht unangenehm an, reduziert allerdings erheblich die Schweißproduktion. Sie betrifft insbesondere erwachsene Personen, die bereits im Vorfeld wiederholt an einer Miliaria rubra gelitten haben. Sie zeigt sich zudem vor allem nach sportlichen und anderen schweißtreibenden Aktivitäten.

Ursachen

In den Hautschichten liegen zwei verschiedene Arten von Schweißdrüsen vor: die sogenannten ekkrinen und apokrinen Schweißdrüsen. Ekkrine Schweißdrüsen (Glandulae sudoriferae eccrinae) sind überall im Körper vorzufinden. Die Öffnung ihres Ausführungsgangs befindet sich direkt an der Hautoberfläche. Apokrine Schweißdrüsen (Glandulae sudoriferae apocrinae) münden dagegen in das sogenannte Infundibulum der Haarfollikel (= trichterförmiger Austritt des Haares an der Hautoberfläche). Sie kommen entsprechend in stark behaarten Arealen des Körpers wie der Kopfhaut, den Achselhöhlen oder der Leistengegend vor.

Miliaria beziehungsweise Hitzepickel betreffen die ekkrinen Schweißdrüsen. Mit Anstieg der Umgebungstemperatur stimuliert das vegetative Nervensystem diese Art der Schweißdrüsen. Diese sondern Schweiß ab, der über die Schweißkanäle an die Oberfläche der Haut gelangt. Dort verdunstet der Schweiß und kühlt durch die abgeführte Verdunstungswärme den Organismus herunter. Mit Miliaria assoziierte Ausschläge treten immer dann auf, wenn die ekkrinen Schweißdrüsen und -kanäle auf ihrem Weg zur Hautoberfläche verengt oder anderweitig blockiert sind. Der Schweiß verdunstet nicht auf der Haut, sondern verbleibt in den jeweils betroffenen Hautschichten und führt dort schließlich zu Hautveränderungen, Entzündungen und Ausschlägen.

Das Problem wird verstärkt, sobald die Außentemperaturen stark ansteigen und der Körper zu warm wird. Entzündungen, Rötungen und Juckreiz entstehen zumeist auf dem Boden einer zusätzlichen Besiedelung des Ausführungsgangs mit bakteriellen Erregern. Was letztendlich genau der Verengung oder Verstopfung des Ausführungsgangs zugrunde liegt, ist nicht in jedem Fall eindeutig geklärt.

Hitzepickel bei Neugeborenen

Neugeborene haben häufig Hitzepickel. Dies liegt unter anderem daran, dass Neugeborene erst nach der ersten Lebenswoche fähig sind, zu schwitzen. Zudem sind zwar die Schweißdrüsen bereits mit der Geburt angelegt, die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen sind dagegen noch nicht voll ausgebildet. Bei vermehrtem Schwitzen reißen die noch sehr empfindlichen Ausführungsgänge leicht ein und werden durch den Schweiß verstopft. Daher können Hitzepickel hier ein Indiz dafür sein, dass das neugeborene Kind zu warm gekleidet ist. Dies gilt insbesondere für Neugeborene, die ihre ersten Lebenstage im Brutkasten verbringen müssen.

Hitzepickel treten auch oft bei Neugeborenen auf, da die Schweißdrüsen beziehungsweise deren Ausgänge noch nicht voll ausgebildet sind. (Bild: triocean/fotolia.com)

Hitzepickel können darüber hinaus auf eine fieberhafte Erkrankung hinweisen. Bei Neugeborenen und Säuglingen treten die Hitzepickel vermehrt am Kopf, Nacken, Rücken, Brust sowie an den Schultern auf. Auch eine Manifestation in den Achselhöhlen oder in der Leistengegend ist nicht ungewöhnlich.

Hitzepickel bei Erwachsenen

Bei erwachsenen Betroffenen bilden sich Hitzepickel vor allem bei „schweißtreibenden“ Tätigkeiten wie Ausdauersport oder körperlich anstrengender Arbeit. Dies gilt insbesondere, wenn zugleich feucht-warme und tropenartige Wetterbedingungen herrschen. Daneben begünstigen auch bei erwachsenen Personen fieberhafte Infektionen die Entwicklung von Miliaria. Weiterhin erhöht zu warme Kleidung oder Bettzeug sowie auch eine länger einzuhaltende Bettruhe das Risiko für Hitzepickel. Generell können sich Hitzepickel überall am Körper manifestieren. Sie zeigen sich allerdings häufig in Hautfalten oder Hautbereichen, in welchen die Kleidung die Haut durch Reibung irritiert. Daher gilt auch Übergewicht als möglicher Risikofaktor für Hitzepickel.

Erkrankungen und Behandlungen mit erhöhtem Risiko

Daneben können bestimmte Erkrankungen und Arzneimittel zu einer Entwicklung führen. So kann beispielsweise die Einnahme von Isotretinoin (Retinoid beziehungsweise Vitamin-A-Derivat) oder Doxorubicin (Zytostatikum) mit Miliaria einhergehen. Isotretinoin ist ein Arzneimittel zur Behandlung von schwerer Akne. Es setzt die Aktivität der Talgdrüsen und damit die Sebumproduktion stark herab. Doxorubicin gehört zur Gruppe der Zytostatika und kommt verbreitet in der Krebsbehandlung zur Anwendung. Aber auch eine radiologische Bestrahlung wird mit Miliaria assoziiert.

Daneben wird davon ausgegangen, dass bestimmte Erkrankungen zu einem erhöhten Risiko führen. Zu diesen gehören unter anderem genetisch bedingte Erkrankungen wie das Morvan-Syndrom (Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems) oder Pseudohypoaldosteronismus vom Typ I. Auch ein Stevens-Johnson-Syndrom kann mit Miliaria einhergehen. Als Stevens-Johnson-Syndrom wird eine schwere Hauterkrankung bezeichnet, die durch einen Infekt oder eine Arzneimittelallergie hervorgerufen wird.

Schließlich führen einige hormonell bedingte Erkrankungen zu einer erhöhten Schweißproduktion und somit zu einem erhöhten Risiko. Zu diesen gehören beispielsweise auch Schilddrüsenfehlfunktionen. Aber auch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, Rheuma oder neurologisch bedingte Krankheiten wie Morbus Parkinson gehen nicht selten mit einer vermehrten Schweißbildung einher.

Milaria tritt auch in Zusammenhang mit Krankheiten wie zum Beispiel Parkinson oder anderen genetisch oder stoffwechselbedingten Erkrankungen auf. (Bild: Astrid Gast/fotolia.com)

Die möglichen Behandlungsmethoden

In den meisten Fällen bilden sich die Hitzepickel von allein zurück, sobald für eine ausreichende Abkühlung der Haut gesorgt wird. Dies gilt insbesondere für leichte Ausprägungen wie Miliaria cristallina, die sich in aller Regel nach wenigen Tagen zurückbildet. Der Ausschlag tritt allerdings häufig erneut auf, sobald das Wetter wieder warm und feucht wird. Bei schwereren Miliaria-Formen kann unterstützend eine lokale, äußerliche Behandlung mit austrocknenden Pudern oder Schüttelmixturen (unter anderem Trockenpinselungen mit Lotio Zinci, Talkum, Zinkoxyd-Talkum) hilfreich sein. Diese beruhigen die Haut und reduzieren den Juckreiz.

Bei Vorliegen eines starken Juckreizes kann gegebenenfalls ein oral einzunehmendes Antihistaminikum (= Antiallergikum) die Beschwerden lindern. Bei sehr ausgeprägten Symptomen mit starken Entzündungen kann auch eine Salbe mit Glukokortikoiden (unter anderem Dermatokortikoide wie Hydrokortison) angezeigt sein. Diese verfügen über entzündungshemmende, antiallergische und juckreizlindernde Eigenschaften. Bakterielle Infektionen können zusätzlich mit antibakteriell wirkenden Antiseptika wie Clioquinol behandelt werden. Kann die Infektion durch diese Wirkstoffe nicht unter Kontrolle gebracht werden, kann der Arzt auch ein Antibiotikum empfehlen.

Hausmittel zur Unterstützung der Behandlung und Reduktion der Schweißbildung

Zusätzlich können kalte Kompressen oder kühl-feuchte Waschlappen für Abkühlung sorgen. Als wirksames Hausmittel zur Reduktion der Schweißproduktion gilt unter anderem Salbeitee. Dieser führt zu einem Kontrahieren (Zusammenziehen) der Schweißdrüsen, die in der Folge weniger Schweiß produzieren. Die Schweißproduktion wird zudem durch synthetische Kleidung und Schuhe mit Gummisohlen gefördert. Atmungsaktive Naturfasern, offene Schuhe wie Sandalen oder auch Lederschuhe unterstützen dagegen die körpereigene Wärmeregulation. Daneben können einige Verhaltensregeln die Abheilung von Hitzepickeln unterstützen und darüber hinaus der Entstehung eines hitzebedingten Ausschlags vorbeugen:

  • Ablegen überflüssiger Kleidung,
  • Tragen von lockerer und leichter Kleidung aus Naturfasern bei schwül-warmem und heißem Wetter,
  • Aufenthalte im Schatten bei Vermeidung direkter Sonneneinstrahlung,
  • Aufenthalte in klimatisierten Räumen,
  • Verwendung von leichtem Bettzeug,
  • Baden und Duschen mit kühlem Wasser und anschließender Lufttrocknung der Haut,
  • Verzicht auf parfümierte Hautpflegeprodukte, Duschgels und Seifen,
  • Verzicht auf Pflegeprodukte auf Mineralölbasis, da diese zur Verstopfung der Hautporen führen können,
  • Verzicht auf schweißtreibend wirkenden Alkohol, Kaffee sowie scharfe Speisen
  • und ausreichende Zufuhr von Flüssigkeiten

Um eine zusätzliche Entzündung zu vermeiden, sollten Hitzepickel nicht aufgekratzt werden. Sollte dennoch Juckreiz und dadurch ein „Kratzimpuls“ bestehen, wird empfohlen, mit einem Finger leicht auf das betroffene Hautareal zu klopfen. (fp)


Quellen:

  • https://www.enzyklopaedie-dermatologie.de/dermatologie/miliaria-ubersicht-2487
  • https://www.medicinenet.com/heat_rash/article.htm#should_i_take_salt_tablets_during_hot_weather
  • https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/heat-rash/symptoms-causes/syc-20373276
  • Zilles, K./Tillmann, B. N.: Anatomie, Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2010, S. 593f
  • https://www.uptodate.com/contents/miliaria
  • https://deximed.de/home/b/haut/patienteninformationen/roter-ausschlag/hitzepickel-miliaria