Hohe Leberwerte – Ursachen und Gegenmaßnahmen

Schlechte Leberwerte werden in der Medizin meist als Anzeichen einer bestehenden Lebererkrankung oder zumindest einer leberschädlichen Lebensweise gewertet. Bei letzterer steckt nicht selten eine falsche Ernährung oder gar eine ausgeprägte Alkoholsucht hinter den schlechten Werten. Ein Umstand, der ein nicht minder hohes Krankheitsrisiko für die Leber bedeutet, wenn die ungesunden Lebensgewohnheiten nicht zeitnah behoben werden. Welche Maßnahmen bei schlechten Leberwerten zu ergreifen sind, und wie die Werterhöhung im Einzelfall zustande kommen kann, darüber informieren wir Sie im nachstehenden Beitrag.


Unsere Leber

Für die körpereigenen Stoffwechselprozesse, die unser Organismus tagtäglich zu bewältigen hat, ist die Leber (Hepar) unabdingbar. Als größtes Drüsenorgan unseres Körpers kommt ihr, neben der Speicherung und dem Transport von Nährstoffen, auch bei der Verdauung selbst eine wichtige Rolle zu, da die Leber maßgeblich an der Fettverdauung beteiligt ist. Zu diesem Zweck produziert sie die Gallenflüssigkeit (Bilis), welche im Anschluss über die Gallenblase in den Zwölffingerdarm transportiert wird und dort zur Aufspaltung von Nahrungsfetten dient. Die Gallenflüssigkeit besteht neben Wasser (ca. 82 %) hauptsächlich aus

  • Gallensalzen (12 %),
  • Phospholipiden (4 %),
  • und Cholesterin (0,7 %).
Die Leber ist das größte Drüsenorgan unseres Körpers. Sie speichert und transportiert Nährstoffe und spielt eine wichtige Rolle bei der Verdauung, da sie großen Anteil an der Fettverdauung hat. (Bild: natali_mis/fotolia.com)

Damit ähnelt sie in ihrer Zusammensetzung dem Blutplasma. Außerdem enthält die Galle Abbauprodukte des Blutfarbstoffs Hämoglobin, welche besser als die Gallenfarbstoffe Bilirubin und Biliverdin bekannt sind. Sie verleihen der Gallenflüssigkeit ihre typisch gelbgrüne Farbe und zeigen darüber hinaus auf, dass die Leber neben der Fettverdauung auch noch an anderen Stoffwechselprozessen beteiligt ist – in diesem Fall an der Blutreinigung. Ebenso ist das Organ entscheidend an der Synthese von

  • Blutcholesterin,
  • Bluteiweiß,
  • Blutgerinnungsstoffen,
  • und Blutzucker beteiligt.

Bei ungeborenen Säuglingen übernimmt die Leber bis zum siebten Schwangerschaftsmonat (sog. Hepatolienale Periode) sogar die Blutbildung. Ein gesundes Stoffwechselgeschehen ist ohne einen störungsfreien Funktionsablauf der Leber also nicht möglich.

Gesteuert werden all diese überlebenswichtigen Leberfunktionen auch durch eine Reihe von Leberenzymen, welche in den Leberzellen (Hepatozyten) gebildet werden. Sie dienen der Aufrechterhaltung der Stoffwechselleistung der Leber. Sofern Funktionsstörungen der Leber vorliegen, sind die Leberenzymwerte im Blut meist deutlich erhöht. Das liegt daran, dass der Körper bei Lebererkrankungen eine erhöhte Produktion der Leberenzyme veranlasst, um Funktionseinbußen zu kompensieren. Zusätzlich zu den Leberenzymen spielen bestimmte Hormone eine wichtige Rolle für die Leberfunktion. Dazu gehören insbesondere die Stoffwechselhormone Insulin und Glucagon, welche der Regulierung des Blutzuckerspiegels dienen. Insbesondere die Beteiligung von Insulin gibt hierbei bereits einen wichtigen Hinweis darauf, dass schlechte Leberwerte vor allem bei Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oftmals anzutreffen sind.

Ursachen für schlechte Leberwerte

Unsere Leber ist von Natur aus ziemlich robust und besitzt eine enorme Regenerationsfähigkeit. Der berühmten griechischen Prometheus-Sage nach war dies bereits den Menschen der Antike bekannt. Der Titan Prometheus wird hier von den Göttern zur Strafe dafür, dass er den Menschen das Feuer brachte, an einen Felsen gekettet, wo ihm ein Adler täglich einen Teil seiner Leber aushackt, diese aber bis zum nächsten Tag wieder nachwächst.

Ganz so schnell regeneriert sich das Lebergewebe in der Realität zwar nicht, doch ein Großteil an Verletzungen und Gewebeschäden kann von der Leber tatsächlich eigenständig behoben und durch nachwachsendes Neugewebe ersetzt werden. Selbst, wenn fast 50 Prozent der Leber geschädigt sind, zeigen diese beeindruckenden Regenerationsfähigkeiten noch ihre Wirkung und können die Leber wieder vollständig genesen lassen. Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass die zugrundeliegende Krankheitsursache bzw. die Ursache für die Leberschäden zuvor behoben wurde.

Es ist nicht unschwer zu erkennen, dass lebensgefährlichen Erkrankungen und Schäden der Leber meist ein beachtlicher Regenerationskampf des Organs vorausgeht. Dementsprechend werden Gesundheitsbeschwerden der Leber von Patienten oftmals auch über einen langen Zeitraum gar nicht wahrgenommen. Erst wenn die Regenerationsfähigkeit der Leber restlos ausgeschöpft ist, machen sich die Beschwerden durch deutliche Funktionseinbußen bemerkbar. Aus diesem Grund reizen an Alkoholismus leidende Personen ihren bedenklichen Zustand häufig bis zum bitteren Ende aus und betreiben ein regelrechtes Glückspiel mit der Gesundheit ihrer Leber. Allerdings treten schlechte Leberwerte auch bei zahlreichen anderen Gesundheitsproblemen in Erscheinung. Anschließend ein kleiner Überblick.

Falsche Ernährung und Stoffwechselstörungen

Eine zu fettreiche Ernährung ist einer der häufigsten Gründe für schlechte Leberwerte, da die Leber hier vermehrt Leberenzyme produzieren muss, welche die Produktion von Gallenflüssigkeit erhöhen. Ohne diese Gallenflüssigkeit kann die Fülle an Nahrungsfetten nämlich nicht verdaut werden.

Nun ist fettiges Essen bei zeitlicher Begrenzung aber noch kein Grund zur Sorge. Es kann immer wieder vorkommen, dass einzelne Gerichte einen überdurchschnittlich hohen Fettanteil haben, mit dem die Leber zurechtkommt, sofern der Verzehr sich in Grenzen hält. Anders sieht es allerdings bei einer konstant fettreichen Ernährung aus. Neben chronisch erhöhten Leberwerten drohen hier Übergewicht und eine sogenannte Fettleber, bei der es zur vermehrten Einlagerung von Fett in den Leberzellen kommt. Die Folge sind massive Störungen im Leberstoffwechsel, die mit einem Leberversagen (Leberinsuffizienz) enden können. In diesem Zusammenhang muss auch eine sehr zuckerreiche Ernährung als besondere Gefahr für die Leberfunktion genannt werden. Sie kann zu der Stoffwechselkrankheit Diabetes mellitus führen, die für sich genommen bereits erhöhte Leberwerte provoziert, weil sie auf einer mangelhaften Insulinproduktion beruht, welche für die Leberfunktionalität unerlässlich ist. Im späteren Verlauf der Diabetes-Erkrankung sind darüber hinaus auch Folgeerkrankungen wie die Fettleber oder eine Entzündung der Leber denkbar.

Einer der häufigsten Gründe für schlechte Leberwerte ist eine zu fetthaltige Ernährung. Denn nach Aufnahme fettreicher Nahrungsmittel muss die Leber mehr Leberenzyme produzieren, um die Verdauung der Nahrungsfette zu ermöglichen. (Bild: st-fotograf/fotolia.com)

Infektionen der Leber

Neben Alkoholsucht können auch Krankheiten wie eine Leberentzündung (Hepatitis) zu einer Leberzirrhose führen, wenn sie nicht rechtzeitig kuriert werden. Die Leberwerte sind dabei aber bereits vor dem Endstadium erhöht. Oftmals kommt die Hepatitis durch eine bakterielle Infektion der Leber zustande. Doch auch andere Krankheitserreger wie Viren, Pilze oder Parasiten können die Ursache für eine Leberentzündung sein. Oftmals handelt es sich um Erreger spezifischer Vorinfektionen. Früher oder später wandern sie über den Blutweg auch in die Leber ein, wenn eine zeitnahe Behandlung der Infektion ausbleibt. Dementsprechend tritt Hepatitis nicht selten als Folgeinfektion auf. Die wichtigsten Krankheitserreger sind diesbezüglich:

  • Borrelien (Erreger der Borreliose),
  • Candida-Pilze (Erreger der Candidose),
  • Echinokokken (Erreger des Bandwurmbefalls),
  • Epstein-Barr-Viren (Erreger des Pfeiffer’schen Drüsenfiebers),
  • Gelbfieber-Viren (Erreger des Gelbfiebers),
  • Herpes-Simplex-Viren (Erreger des Herpes),
  • Mumpsviren (Erreger von Mumps),
  • Plasmodien und Kryptosporidien (Erreger von Malaria),
  • Rubellaviren (Erreger der Röteln),
  • Salmonellen (Erreger der Salmonellose),
  • Treponema palladium (Erreger der Syphilis),
  • Tuberkelbazillus / Mycobacterium tuberculosis (Erreger der Tuberkulose),
  • Varizella-Zoster-Viren (Erreger von Windpocken und Gürtelrose).

Substanzeinflüsse und Vergiftungen

Nun können auch bestimmte chemische Substanzen zu einer Leberentzündung, wenn nicht sogar zu einer Lebervergiftung, führen. Dies gilt insbesondere für Schmerzmedikamente und Antibiotika wie Diclofenac, Isoniazid oder Paracetamol. Entzündungen und Vergiftungserscheinungen treten oftmals bei Medikamentenmissbrauch auf. Inbesondere Schmerzmittel bergen ein erhöhtes Abhängigkeitsrisiko. Auch Antirheumatika, Antiepileptika und Chemotherapeutika setzen der Leber durch schwer abzubauende Inhaltsstoffe stark zu. Ebenso können Lebensmittelvergiftungen mitunter eine Lebervergiftung verursachen. Hinzu kommen toxische Leberentzündungen durch

  • giftige Reinigungsmittel,
  • Drogenmissbrauch,
  • Pflanzen- oder Pilzgifte
  • und nicht zuletzt auch Alkoholmissbrauch.

Langjähriger und exzessiver Alkoholkonsum kann dabei, ebenso wie schwerwiegende Vergiftungen, langfristig ernste Schäden am Lebergewebe hervorrufen, welche in einer Leberzirrhose enden können. Dabei handelt es sich um irreversible Leberschäden, welche für gewöhnlich im Endstadium zahlreicher Lebererkrankungen, wie der Fettleber oder Hepatitis, auftreten. Unnatürliche Reizungen durch chemische Substanzen haben jedoch einen ähnlich schädlichen Effekt auf die Leber. Das Organ befindet sich hier in einem absoluten Ausnahmezustand und versucht durch eine erhöhte Ausschüttung von Leberenzymen vergeblich zu retten, was noch zu retten ist. Folglich verursacht eine Leberzirrhose für gewöhnlich auch den höchsten Anstieg der Leberwerte.

Chemische Substanzen wie Schmerzmedikamente und diversen Antibiotika können bei übermäßiger Aufnahme zu Leberentzündungen bzw. zu Lebervergiftungen führen. Obendrein bergen sie ein erhöhtes Risiko für eine Abhängigkeit. (Bild: john9595/fotolia.com)

Anomalien und Verletzungen im Bereich der Leber

Mit Blick auf krankhafte Veränderungen am Lebergewebe dürfen Leberkrebs und Leberabszesse nicht als mögliche Ursachen erhöhter Leberwerte außer Acht gelassen werden. Beide Krankheiten haben gravierende Umbauprozesse im Lebergewebe zur Folge, welche logischerweise auch die Enzymproduktion des Organs beeinflussen. Autoimmunerkrankungen wie die Autoimmunhepatitis (AIH) sollen ebenfalls erwähnt sein. Dabei sorgen Fehlfunktionen des Immunsystems dafür, dass sich Autoantikörper bilden, welche fälschlicherweise das Lebergewebe angreifen und zu chronisch-entzündlichen Prozessen führen.

Eine weitere mögliche Ursache für schlechte Leberwerte sind Leberverletzungen. Diese sorgen nicht nur für einen Anstieg der Leberenzyme, vielmehr können sie tödlich enden. Denkbar sind zum Beispiel:

  • Prellungen im Bereich der Leber,
  • Stichverletzungen der Leber,
  • Leberrisse,
  • Leberrupturen.

Die Verletzungen kommen meist im Rahmen eines Unfallgeschehens oder einer tätlichen Auseinandersetzung mit großer Gewalteinwirkung auf die Leber zustande. Darüber hinaus neigt das Lebergewebe auch bei langwierigen Krankheitsverläufen zu erhöhtem Verletzungsrisiko, was meist in einer Leberruptur endet.

Erkrankungen der Galle

Als unmittelbares Nachbarorgan könnte auch die Galle als Auslöser erhöhter Leberwerte in Betracht kommen. Immerhin stehen Leber und Galle in stetigem Kontakt und Sekretaustausch untereinander. Ist eines der beiden Organe krankheitsbedingt in seiner Funktion gestört, hat dies logischerweise Auswirkungen auf das zunächst gesunde Organ. Als Ursache der Leberwerterhöhung denkbar sind beispielsweise:

  • Gallenblasenentzündung (Cholezystitis),
  • Gallenstau (Cholestase),
  • Gallensteinleiden (Cholelithiasis,)
  • Gallenblasenkrebs (Gallenblasenkarzinom).

Eine Entzündung der Gallenblase kann auch auf die Leber übergreifen und eine Hepatitis als Folgeentzündung verursachen. Bei dem Gallensteinleiden oder einem Gallenblasenkarzinom kommt es dagegen oftmals zu einem Rückstauung von Gallenflüssigkeit durch Blockaden oder Verengungen des Gallengangs, was die Leberwerte ebenfalls verändert.

Begleitsymptome

Die bei erhöhten Leberwerten auftretenden Begleitsymptome richten sich häufig nach den zugrundeliegenden Gesundheitsbeschwerden. Patienten mit Alkoholsucht klagen nicht selten über zeitgleichen Durchfall, Nasenbluten oder gelbe Augen, welche der sogenannten Gelbsucht (Ikterus) geschuldet sind. Sie rührt von einer erhöhten Konzentration des Gallenfarbstoffs Bilirubin im Blut her und ist Ausdruck eines gestörten Leberstoffwechsels.

Ikterus kann auch bei Lebererkrankungen wie Hepatitis oder Erkrankungen der Gallenwege auftreten. Neben einer Gelbfärbung der Augen ist zudem eine gelbliche Verfärbung der Haut und Schleimhäute denkbar. Ist die Gelbsucht sehr weit vorangeschritten, sind zudem dunkler Urin oder lehmfarbener Stuhl denkbar. Die Ursachen für erhöhte Leberwerte können auch Auswirkungen auf die Verdauung haben, da bei Leberfunktionsstörungen häufig Probleme mit der Fett-, Zucker- und Eiweißverdauung auftreten. Die Nährstoffe machen einen hohen Anteil der Lebensmittelbestandteile aus, weshalb Symptome wie

Weitere mögliche Begleitbeschwerden umfassen:

  • Abgeschlagenheit,
  • Blutergüsse,
  • Drückgefühle im rechten Oberbauch<,/li>
  • Gewichtsveränderungen,
  • Juckreiz,
  • Konzentrationsstörungen,
  • Nasenbluten,
  • Müdigkeit,
  • Muskel- und Gelenkschmerzen.

Sie zeigen auf, dass Leberbeschwerden gemeinhin körperweite Probleme mit sich bringen können, die insbesondere auf einen gestörten Stoffwechsel zurückzuführen sind.

Achtung: Sollte die Entgiftungsfunktion der Leber sehr stark beeinträchtigt sein, kann es zu einer sogenannten Leber-Hirn-Störung (hepatische Enzephalopathie) kommen! Die Störung verursacht eine zunehmende Verschlechterung der kognitiven und motorischen Fähigkeiten durch nicht abbaubare Stoffwechselprodukte. Dies kann von Konzentrations-, Denk- und Fortbewegungsstörungen bis hin zum Leberkoma führen! Des Weiteren gilt die hepatische Enzephalopathie als Anzeichen eines drohenden Leberversagens. Entsprechende Begleitbeschwerden erhöhter Leberwerte sind sehr ernst zu nehmen.

Diagnose

Die Leberwerte werden überprüft, wenn während der ärztlichen Anamnese, auf Basis der Aussagen des Patienten zu bestehenden Symptomen und möglichen Vorerkrankungen, ein konkreter Verdacht besteht. Während einer körperlichen Untersuchung können Anzeichen wie Gelbsucht die Messung nahelegen. Entsprechende Werte werden im Rahmen einer Blutanalyse im Labor genommen. Als medizinische Maßeinheit für Leberwerte gilt hierbei Units (Einheiten) pro Liter (U/l). Einige Leberwerte sind dabei von besonderer Bedeutung, nämlich die Leberenzymwerte AP, GGT, GOT und GPT. Wenngleich die Enzyme in den Leberzellen gebildet werden, sind sie auch im Blut nachweisbar, was behandelnden Ärzten eine Diagnosestellung deutlich erleichtert, denn so müssen nur in seltensten Fällen aufwändige Leberbiopsien erfolgen. In Abhängigkeit von dem jeweiligen Leberenzym liefern die Werte dabei wichtige Informationen zu verschiedenen Gesundheitsbeschwerden.

Alkalische Phosphatasen (AP)

Diese Enzymgruppe der Leber ist dafür verantwortlich, Phosphorsäuremonoester zu spalten. Völlig geklärt sind die Funktionen von AP im Körper allerdings noch nicht, denn sie kommen, neben der Leber, auch im Dünndarm, den Nieren und Knochen vor. Es liegt deshalb die Vermutung nahe, dass sie auch außerhalb der Leber an bestimmten Stoffwechselprozessen beteiligt sind. In jedem Fall weisen erhöhte AP-Werte jedoch entweder auf eine entzündliche Leber- bzw. Gallenerkrankung hin, oder stehen mit Krebserkrankungen der Leber in Verbindung. Fernab der Leber können sie auch auf Knochenkrebs oder einen tiefgreifenden Knochenumbau hindeuten, wie er beispielsweise für schwere Knochenbrüche oder die Knochenkrankheit Morbus Paget charakteristisch ist. Die Normwerte für AP bei gesunden Menschen gestalten sich dabei wie folgt:

  • 35 bis 105 U/l bei Frauen
  • 40 bis 130 U/l bei Männern
  • 40 bis 390 U/l bei Kindern

Gamma-Glutamyl-Transferase (GGT)

Dieses Leberenzym ist für den Transfer von Aminosäuren in die Leberzellen verantwortlich. Bei Leberschäden, Lebererkrankungen und bei bestimmten Gesundheitsbeschwerden der Galle oder der Bauchspeicheldrüse sind die GGT-Werte deutlich erhöht. Denkbar sind zum Beispiel Krankheiten wie

Aber auch Vergiftungserscheinungen der Leber durch Alkohol oder Medikamente können die Werte erhöhen. Als Normwerte gelten:

  • 38 bis 40 U/l bei Frauen,
  • 55 bis 60 U/l bei Männern.

Glutamat-Oxalacetat-Transaminase (GOT)

GOT kommt nicht nur in der Leber, sondern auch in der Skelettmuskulatur und im Herzmuskel vor, weshalb eine Wert-Erhöhung in diesem Fall nicht immer leicht zu beurteilen ist, sofern einschlägige Symptome fehlen. Beispielsweise kommt es bereits bei starker körperlicher Anstrengung oder Verletzungen der Muskulatur zu erhöhten GOT-Werten, welche hier deutlich harmloser sind als im Falle ernster Erkrankungen. Ebenso gehen Muskelschwund, Herzinsuffizienz und ein drohender Herzinfarkt mit einer Erhöhung des GOT-Wertes einher. Grundsätzlich können erhöhte GOT-Werte aber auf eine Lebervergiftung durch Alkohol, eine Leberzirrhose, Leberkrebs, Lebervergiftungen oder Entzündungsvorgänge im Bereich der Leber- und Gallengänge hindeuten. Die Normwerte für GOT lauten:

  • 35 U/l bei Frauen,
  • 50 U/l bei Männern und Kindern.

Glutamat- Pyruvat-Transaminase (GPT)

Dieses Leberenzym gibt einen ziemlich zuverlässigen Hinweis auf eine ungesunde Ernährung, da es insbesondere beim Verzehr stark fetthaltiger Nahrungsmittel freigesetzt wird. Darüber hinaus kann GPT auch ein Indikator für eine Fettleber, Leberentzündungen oder eine Venenverschlusskrankheit innerhalb der Galle sein. Des Weiteren lassen sich Pilzinfektionen und Tumorerkrankungen an einem erhöhten GPT-Wert ablesen. Normwerte für GPT sind:

  • 35 U/l bei Frauen,
  • 50 U/l bei Männern,
  • 44 U/l bei Kindern.

Ergänzend zur Messung der Leberwerte erfolgen spezifische Untersuchungsmaßnahmen, die davon abhängen, welche Ursachen die erhöhten Leberenzym-Werte nahelegen. Denkbar ist beispielsweise eine genauere Betrachtung der Leber und Galle mittels bildgebender Verfahren wie Ultraschall, MRT oder CT. Auch Leberbiopsien können bei bestimmten Vorerkrankungen erfolgen.

Therapie

Sofern sich erhöhte Leberwerte anhand von Blutuntersuchungen feststellen lassen und die entsprechende Ursachen dafür in weiterführenden Untersuchungen gefunden werden, beinhaltet eine Therapie zumeist maßgeblich die Behandlung der Grunderkrankung bzw. Verletzung der Leber. Entzündungshemmende Medikamente und Antibiotika können beispielsweise im Falle von Leberentzündungen hilfreich sein. Bei Verletzungen ist eine wundversorgende Operation, die einen chirurgische Eingriff erfordert, ebenso üblich wie bei Gallensteinleiden und Krebserkrankungen. Alkoholmissbrauch und andere Substanzeinflüsse machen hingegen eine intensive Entgiftung bzw. Entwöhnung des Patienten notwendig. Zusätzlich können Patienten selbst zur Senkung erhöhter Leberwerte beitragen. Anschließend finden Sie hierzu einige Empfehlungen.

Substituieren Sie Butter oder Schmalz beim Anbraten durch Pflanzenöle. Diese bestehen meist aus gesunden und ungesättigten Fettsäuren, welche den Stoffwechsel – bei wohldosiertem Konsum – unterstützen können. (Bild: Heike Rau/fotolia.com)

Ernährungsmaßnahmen

Alkohol ist bei erhöhten Leberwerten selbstverständlich vollständig zu meiden. Bei Ursachen, welche auf eine zu fettreiche Ernährung schließen lassen (z.B. Fettleber), sollte auf die Zufuhr ungesunder Nahrungsmittelfette verzichtet werden. Das betrifft in erster Linie tierische Fette. Pflanzliche Fette bestehen dagegen meist aus gesunden und ungesättigten Fettsäuren, die dem Stoffwechsel, und somit auch der Leber, in wohldosierter Menge sogar unterstützend unter die Arme greifen können. Als Ersatz für Butter oder Schmalz zum Anbraten sollten Sie also auf Pflanzenöle wie

  • Distelöl,
  • Kürbiskernöl,
  • Leinöl,
  • natives Olivenöl,
  • Sonnenblumenöl
  • oder Walnussöl

zurückgreifen und dieses nur sehr sparsam verwenden. Im Bereich der tierischen Lebensmittel sind magere Fleisch- und Fischsorten wie zum Beispiel mageres Huhn, magerer Schinken, Rotbarsch, Scholle oder Schellfisch zu wählen. Fisch liefert hierbei ebenfalls wichtige ungesättigte Fettsäuren wie Omega-6-Fettsäuren oder Omega-3-Fettsäuren. Zur Optimierung der Leberwerte sind leichtverdauliche Proteine wichtig, da sie das Blutbild verbessern und in Mitleidenschaft gezogene Leberfunktionen stärken. Hierfür empfehlen sich fettarme Milchprodukte wie Joghurt oder Magerquark. Insgesamt empfiehlt sich für eine leberschonende Diät eine obst- und gemüsereiche Kost. Vor allem Bittergemüse wie

liefern dabei verdauungsfördernde sowie leberreinigende Bitterstoffe, welche die Gallenproduktion anregen und die Leber entgiften. Außerdem besitzt Gemüse einen hohen Anteil an Ballaststoffen, die durch ihre verdauungsanregende Wirkung etwaige Verdauungsdefizite kompensieren können. Obendrein können Ballaststoffe vom Körper nicht verwertet werden, weshalb sie der Leber auch nicht zur Last fallen und unverdaut ausgeschieden werden. Gurken und Möhren sind ebenfalls leberfreundliche Gemüsesorten. Sie sind reich an Vitaminen und Mineralien wie Vitamin A, B, C und E, Kalium und Phosphor, welche die Leber in besonderem Maße stärken. Zudem finden sich in beiden Gemüsevarianten Antioxidantien wie Quercetin, die in der Leber freie Radikale einfangen und ihr so bei der Entgiftung helfen.

In Hinblick auf Obst sind insbesondere Beeren-, Süd- und Zitrusfrüchte eine große Hilfe für die Leber. Zitronensäure neutralisiert beispielsweise schädliche Lebersäuren, während Ananas und Melonen einen hohen Wasseranteil haben. Trauben und Beerenfrüchte sind wiederum reich an Antioxidantien, die wie erwähnt eine reinigende Wirkung auf die Leber haben.

Tipp: Eine US-Amerikanische Studie kam zu dem Ergebnis, dass Menschen, die regelmäßig Kaffee trinken, deutlich seltener an erhöhten Leberwerten leiden. Somit empfiehlt sich der Kaffeekonsum ebenfalls, wenn es um die Senkung der Leberwerte geht.

Kräuterkunde

Mit Blick auf die tägliche Trinkmenge ist es, insbesondere bei erhöhten Leberwerten, wichtig die tägliche Mindestmenge von zwei Litern umzusetzen und so zur Entgiftung der Leber beizutragen. Hier empfehlen sich Kräutertees, die zusätzlich mit leberwirksamen Heilpflanzen bestückt werden können. Hierzu zählen:

Einige dieser Kräuter besitzen, ähnlich wie Bittergemüse, einen hohen Bitterstoffanteil, der die Leberfunktion stärkt und das Organ schonend reinigt. Heilkräuter wie Pfefferminze oder Salbei haben darüber hinaus auch einen entzündungshemmenden Effekt, welcher bei Hepatitis oder Gallenblasenentzündung hilfreich ist. Pflanzen wie die Mariendistel enthalten sogar heilsame Inhaltsstoffe wie Silymarin, welches die Regeneration von Leberzellen fördert und so leichten Leberschäden entgegenzuwirken vermag.(ma)