Steifer Hals

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

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Wenn Menschen ihren Kopf nur eingeschränkt bewegen beziehungsweise drehen können, wird dies als steifer Hals beschrieben. Betroffene sind nicht mehr dazu in der Lage, den Kopf zu drehen, sondern müssen den ganzen Körper in die gewünschte Richtung wenden. Bei einigen ist die Bewegung einfach nur eingeschränkt, bei anderen treten auch Schmerzen auf. Die Symptomatik kann akut oder chronisch sein.


Steifer Hals – die wichtigsten Fakten

Ein steifer Hals ist für die Betroffenen äußerst unangenehm und kann schlimmstenfalls auf schwerwiegende Ursachen zurückgehen, weshalb bei bestimmten Begleitsymptomen oder anhaltenden Beschwerden zeitnah eine ärztliche Untersuchung erfolgen sollte. Der folgende Artikel befasst sich jedoch ausschließlich mit den Beschwerden funktioneller Natur, die keinen medizinschen Notfall darstellen. Zunächst die wichtigsten Fakten vorab:

  • Ursachen: funktionelle Störungen der Muskeln, Bänder und Halswirbel durch Fehlbelastungen und/oder Fehlhaltungen, Sonnenstich, Hirnhautentzündung (Meningitis).
  • Arztbesuch umgehend erforderlich, wenn begleitend Symptome wie Kopfschmerzen, Fieber, Hautveränderungen, Benommenheit, Verwirrtheit, Krampfanfälle, Übelkeit und Erbrechen auftreten (Gefahr einer Meningitis) und/oder der steife Hals nach längerem Aufenthalt in der Sonne auftritt (Sonnenstich).
Frau mit Nackenschmerzen
Ein steifer Nacken geht meist auf muskuläre Beschwerden zurück. (Bild: DoraZett/fotolia.com)

Symptome und Beschwerden bei einem steifen Hals

Bei einem akuten steifen Hals stehen die Betroffenen zum Beispiel morgens auf und klagen über Bewegungseinschränkungen und Schmerzen. Die Schmerzen können dabei vom Kopf zu den Schultern oder zwischen die Schulterblätter ziehen oder es zeigt sich ein schmerzhafter Punkt im Übergang zwischen Nacken und Schulter beziehungsweise manchmal auch seitlich am zweiten Halswirbel, der beim Drehen des Kopfes verstärkte Beschwerden verursacht.

Ursachen für einen steifen Hals

Angenommen wird in den meisten manuellen Ansätzen, dass durch eine Überlastung eventuell eine Einklemmung eines Meniskus der Halswirbelsäulengelenke vorliegt. Diese sind sehr empfindlich und könnten auch punktuelle Schmerzen an der Halswirbelsäule erklären. Die ziehenden Schmerzen werden indes mit einem Hartspann des Trapezmuskels erklärt. Auch Überlastungen durch langes Halten und Vorbeugen der Halswirbelsäule, eventuell durch Computer-, Labor- oder Schreibtischarbeit, können zu der Problematik führen. Besonders auffällig ist hier das Phänomen des sogenannten “Handynackens”, welches auf die intensive Smartphone-Nutzung mit entsprechender Fehlhaltung zurückzuführen ist. Auch die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e.V. (DGOOC) hat bereits auf das vermehrte Auftreten entsprechender Beschwerden hingewiesen.

Beim Blick auf das Handy wird der Kopf meist um über 45 Grad nach vorne geneigt, so dass Kräfte von mehr als 20 Kilogramm wirken, berichtet die DGOOC. Werde diese Haltung oft und lange eingenommen, führe dies zu einer extremen Belastung von Muskeln, Sehnen und Bandscheiben und die Halswirbelsäule werde überlastet. Dies könne zu dauerhaften Muskelverhärtungen und einer Schonhaltung führen. Solche Muskelverhärtungen gelten ihrerseits als mögliche Ursachen für einen steifen Hals.

Nach dem Fasziendistorsionsmodell (FDM), das sich stark an der Körpersprache orientiert, wird der Schmerz zwischen Nacken und Schulter von einem Stück Gewebe hervorgerufen, das durch das umhüllende Gewebe, die Faszie, getreten ist. Bei dem chronischen steifen Hals werden die von den Betroffenen empfundenen ziehenden Schmerzen oder Blockierungen mit chronischen Verdrehungen der Faszien beziehungsweise Verklebungen (Adhäsionen) erklärt.

Möglicherweise spielen jedoch auch Stoffwechselprozesse bei einem steifen Hals eine nicht zu unterschätzende Rolle. Denn eine japanische Studie aus dem Jahr 2018 kam zu dem Ergebnis, dass ein Zusammenhang zwischen Nackensymptomen und den LDL-Cholesterin-Werten besteht. Auch Zusammenhänge mit dem metabolischen Syndrom und Fettleibigkeit wurden in früheren Studien bereits nachgewiesen.

Behandlung bei einem steifen Hals

In den meisten Fällen gehen die Beschwerden auch ohne Behandlung mit der Zeit wieder zurück. Durch verschiedene begleitende Maßnahmen kann der Heilungsprozess jedoch unterstützt und eine schnelle Linderung der Beschwerden erreicht werden. An erster Stelle sind hierbei die manuellen Therapien wie das Rolfing, die Osteopathie oder klassische Massagen zu nennen.

Viele Betroffene massieren den schmerzhaften Punkt selbst und spüren danach etwas Erleichterung. Auch die Kopfdrehung wird hierdurch gegebenenfalls wieder etwas erleichtert. Dies macht sich das FDM zunutze und es wird versucht, den Punkt durch starken Daumendruck zu reponieren. Die ziehenden Schmerzen zwischen Schulter und Kopf werden auch mit dem Daumen entlang der schmerzhaften Bahn behandelt.

Methoden wie das Rolfing oder die Osteopathie gehen über die schmerzhafte Stelle am Hals hinaus und betrachten den gesamten Körper mitsamt seiner Spannungsverteilung und Statik. Eine ökonomische Körperhaltung und -spannung soll dem Organismus helfen, wieder sebst ins Gleichgewicht zu kommen.

In der Chiropraktik wird der Schmerz am Wirbel als Blockade aufgefasst und soll durch einen Impuls mit hoher Geschwindigkeit (Manipulation) wieder gelöst und bewegungsfrei gemacht werden. In einer Massage sollen die verhärtetetn Muskeln gelockert und besser durchblutet werden. Dadurch soll wieder die normale Bewegung möglich sein.

Bei einer Neuraltherapie werden speziell einzelne Schmerzpunkte mit Lokalanästhetika angespritzt, wodurch der Schmerzreiz verringert und eine physiologische Bewegung wieder gwährleistet werden soll. (tf, fp)

Autor:
Dipl. Geogr. Fabian Peters
Quellen:
  • Gentaro Kumagai, et al.:Associations between neck symptoms and LDL cholesterol in a cross-sectional population-based study; in Journal of Orthopaedic Science, Volume 23, Issue 2, März 2018, Seite 277-281, sciencedirect.com
  • Steven P. Cohen: Epidemiology, Diagnosis, and Treatment of Neck Pain; in Mayo Clinic Proceedings Februar 2015, Volume 90, Issue 2, Seite 284–299, Mayo Clinic
  • Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e.V. (DGOOC): Rückengesundheit: Orthopäden und Unfallchirurgen geben Tipps gegen den Handynacken (veröffentlicht 10. März 2016), dgooc.de

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.