Brennnesseltee – Anwendung und Wirkung

Susanne Waschke
Wer einmal mit nackten Füßen durch Brennnesseln gelaufen ist, kann den Namen dieser Pflanze nicht mehr vergessen. Denn es brennt heftig – noch dazu ist die Haut mit Pusteln übersät. Dies passiert durch die Brennhaare, dies sich wie Injektionsnadeln in die Haut bohren und dort ihr Sekret entleeren. Urtica, der Gattungsnahme, abgleitet aus dem Lateinischen „urere“ bedeutet „brennen“. Der Brennnesseltee wird aber auch gegen „brennenden“ Schmerzen angewandt, wie sie bei einer Blasenentzündung auftreten, verordnet.

Die große Brennnessel

Die große Brennnessel, auch Urtica dioica genannt, kommt einem nicht auszurottenden Unkraut gleich. Bereits römische Ärzte haben diese Pflanze angewandt. Sie empfahlen das Auspeitschen mit Brennnesseln, um die Durchblutung anzuregen. Auch Sebastian Kneipp schrieb dieser „brennenden“ Pflanze große Heilkräfte zu. Heute wird sie als Brennnesseltee, als Extrakt oder auch in Form von Haarwasser benutzt. Im Garten wird sie gerne als Jauche zur Düngung und als Schädlingsbekämpfungsmittel verwendet. Bei der großen, zweihäusigen Brennnessel stehen die männlichen Blütenstände ab, die weiblichen hängen und bilden damit vor allem die Seitentriebe.

Brennnesseltee hat eine äußerst positive Wirkung auf den Stoffwechsel, die zu verschiedenen medizinischen Zwecken genutzt werden kann. (Bild: rcfotostock/fotolia.com)

Die kleine Brennnessel

Die kleine Brennnessel, Urtica urens genannt, wird zwischen 15 und 45 Zentimeter hoch. Sie ist, im Gegensatz zu ihrer großen Schwester, einhäusig, was bedeutet, dass jede Pflanze sowohl männliche als auch weibliche Blüten besitzt. Wie die Urtica dioica enthalten die Blätter Vitamine, Mineralstoffe, Carotinoide, Histamin, Chlorophyll und Ameisensäure. Letztere ist verantwortlich für das Brennen auf der Haut, das nach Kontakt eintritt. Das Histamin löst die Quaddelwirkung aus. Der Brennnesseltee wirkt harntreibend und lindert dazu noch Prostatabeschwerden.

Die Brennnesselsamen wurden früher als Liebestonikum verwendet. Heute sind sie in der Naturheilpraxis zur Kinderwunschbehandlung für den Mann wieder wichtig geworden.

Mythologie

Die Brennnessel wurde früher gerne als Unheil abwehrendes Mittel eingesetzt. In der Sonnwendnacht wurden Brennnesseln unter das Vieh gelegt, um böse Geister zu vertreiben. In der Walpurgisnacht bewahrten die Brennnesseln, aufgesteckt auf den Misthaufen und mit einem Stock darauf geschlagen, vor dem Angriff der Hexen. Auch war die Brennnessel im Brauchtum bekannt. Zum Beispiel sollte ein, in die Milch gesteckter Brennnesselzweig das Sauerwerden verhindern. Um sich vor einem Blitzschlag zu schützen, wurden Brennnesseln ins Feuer gelegt oder unter dem Dach aufgehängt.

Im Altertum

Bereits im Altertum war die Brennnessel bekannt und wurde zum Beispiel verwendet bei Wunden, Harnwegserkrankungen, Nasenbluten, Verrenkungen und Erkrankungen der Atemwege. Auch Hippokrates, Hildegard von Bingen und Paracelsus wandten diese Pflanze an.

Heileigenschaften

Der Brennnesseltee wirkt entwässernd, blutreinigend, antientzündlich, antiallergisch, er enthält Eisen, fördert die Ausscheidung von Harnsäure, wirkt anregend auf Galle und Bauchspeicheldrüse, hilft bei Rheuma, beseitigt Frühjahrsmüdigkeit und unterstützt die Ausscheidung von Blasengrieß. In der Frauenheilkunde wird der Brennnesseltee vor allem bei Eisenmangel angewandt.

Das Wesen der Brennnessel

Jede Pflanze hat auch ein Wesen – was bedeutet, dass die Pflanze nicht nur körperlich wirkt, sondern auch bei seelische Beschwerden zum Einsatz kommen kann. So häufen sich im Körper Schlacken an, die mitunter die Bewegung beeinträchtigen können. Hier kann der Brennnesseltee helfen. Er soll das Aufbrechend der erstarrten Strukturen unterstützen, um die unbrauchbaren Stoffe ausscheiden zu können. Aber der Tee wirkt eben nicht nur gegen die Schlacken im Körper, sondern kann auch gegen Verhärtungen und „Vergiftungen“ im seelischen Bereich angewandt werden. So wird durch die Brennnessel das Blut gereinigt und die Seele ein bisschen mit. Deshalb ist diese Pflanze auch besonders gut für Frühjahrs- und Entschlackungskuren geeignet.

In der Schwangerschaft sollte Brennnesseltee nicht angewandt werden. (Bild: nuzza11/fotolia.com)

Nebenwirkungen/Kontraindikationen

Der Genuss von Brennnesseltee kann in seltenen Fällen zu allergischen Reaktionen oder zu leichten Magenbeschwerden führen. Liegen Ödeme aufgrund von eingeschränkter Herz– oder Nierentätigkeit vor, darf der Tee nicht getrunken werden. Auch für Schwangere ist der Tee nicht geeignet.

Zubereitung

Der Brennnesseltee und auch die Teemischungen sollten niemals über einen längeren Zeitpunkt als sechs bis acht Wochen ununterbrochen getrunken werden. Für die Zubereitung des Tees wird ein gehäufter Teelöffel voll getrockneter Blätter mit einem viertel Liter kochendem Wasser überbrüht. Nach einer Ziehzeit von circa acht bis zehn Minuten ist der Tee fertig. Die beste Trinkzeit für den Brennnesseltee ist zwischen 15.00 Uhr und 19.00 Uhr – nach der chinesischen Medizin die Hauptzeit der Nieren- und Blasenaktivität. Somit können diese beiden Organe in diesem Zeitraum am besten unterstützt und auch entgiftet werden.

Brennnesseltee wirkt entschlackend und der Stoffwechsel wird angeregt, was wiederum etwas zur Gewichtsabnahme betragen kann.

Brennnesseln pflücken

Brennnesseln wachsen wie Unkraut – also nahezu überall. Jedoch sollten die Pflanzen nur an Stellen gepflückt werden, die nicht an verkehrsreichen Straßen liegen oder gar von Hunden „gegossen“ werden. Die beste Erntezeit ist der Frühling, jedoch ist das Ernten auch von Mai bis September möglich. Vorsicht: Bitte dabei dicke Handschuhe anziehen. Die Brennnesseltriebe werden dann zum Trockenen an einen luftigen, aber trockenen Ort gehängt. Und zwar solange, bis die Blätter völlig verdorrt sind. Diese werden anschließend abgezupft und in Dosen gepackt. Wer dies nicht machen möchte besorgt sich den Brennnesseltee im Kräuterladen oder der Apotheke.

Hausmittel mit Brennnessel

Brennnesselblätter können die verschiedensten Teemischungen positiv ergänzen. Im Anschluss ein paar Beispiele fpür den Einsatz als Hausmittel aufgeführt.

Nierenstärkung

Zur Nierenstärkung und bei kalten Füßen ist folgende Mischung zu empfehlen: Getrocknete Brennnesselblätter, (20 g) Goldrute (20 g) und Liebstöckelwurzel (10 g). Von der Mischung wird ein gehäufter Teelöffel mit circa 200 ml kochendem Wasser übergossen. Das Ganze zieht dann sieben bis zehn Minuten. Danach wird der Tee in kleinen Schlucken getrunken – zwei- bis dreimal am Tag.

Milchbildung

Zur Milchbildung während der Stillzeit wird folgender Tee empfohlen: Brennnesselblätter, Fenchelfrüchte, Frauenmantelkraut und Kümmelfrüchte – je zu gleichen Mengen. Fenchel und Kümmel müssen etwas mit dem Mörser angestoßen werden, damit sich die Wirkstoffe entfalten. Von der Mischung wird ein Teelöffel voll mit 200 ml kochendem Wasser überbrüht und nach circa sieben bis acht Minuten abgeseiht und dann getrunken. Die Frau trinkt über den Tag verteilt immer wieder mal einen Schluck davon, so dass sie insgesamt auf rund zwei Tassen am Tag kommt.

In Kombination mit Fenchel, Frauenmantelkraut und Kümmel kann Brennnesseltee die Milchbildung in der Stillzeit anregen. (Bild: nuzza11/fotolia.com)

Entgiften/Entschlacken

Um das Entgiften und Entschlacken anzuregen, hilft dieser Tee: Brennnessel, Goldrute, Mariendistel und Löwenzahn – zu gleichen Teilen. Die Zubereitung ist wie bei den oben beschriebenen Teemischungen.

Frühjahrsmüdigkeit

Gerade im Frühjahr ist der Brennnesseltee die richtige Wahl. Er enthält Vitamine, Mineralstoffe und hat dazu noch eine entschlackende Wirkung. Mit dem täglichen Konsum von zwei bis drei Tassen über einen Zeitraum von vier Wochen kann der Frühjahrsmüdigkeit etwas entgegengesteuert werden. (sw)