Rachitis (Englische Krankheit) – Symptome, Ursachen, Therapien

Susanne Waschke

Rachitis und Osteomalazie

Bei der Rachitis, auch Englische Krankheit genannt, ist die Mineralisation des kindlichen Knochenskeletts, aufgrund eines Vitamin D-Mangels, gestört. Tritt dieser Mangel im Erwachsenenalter auf, wird ein solcher als Osteomalazie bezeichnet. Obwohl bei beiden Erkrankungen dieselbe Ursache zu Grunde liegt, unterscheiden sich deren Symptome und Folgen voneinander. Dieser Artikel erläutert in erster Linie die Symptome, Ursachen, Therapien und die Naturheilkunde bei einer Rachitis. Hier eine kurze Zusammenfassung:

  • Begrifflichkeit: Tritt die Erkrankung im Kindesalter auf, spricht man von einer Rachitis. Bei Erwachsenen wird das Krankheitsbild Osteomalazie genannt.
  • Definition: Eine Rachitis ist eine Erkrankung, bei der eine mangelnde Verfügbarkeit von Vitamin-D den Knochenaufbau und die Knochenfestigkeit beeinträchtigt. Als Folge findet eine Demineralisation statt und die Knochen werden weich.
  • Symptome: Veränderungen in den Knochen wie der rachitische Rosenkranz, Glockenthorax, Skoliose oder O-Beine können auf eine Rachitis hindeuten. Allgemeine Leiden wie beispielsweise Unruhe, Schreckhaftigkeit, Krämpfe und Schlafstörungen sind ebenfalls mögliche Anzeichen.
  • Ursachen: Rachitis kann die Folge eines längeren Vitamin-D-Mangels sein. Diese Mangelerscheinung ist aber selten eine Folge falscher Ernährung. Oft sind Erkrankungen oder Entzündungen des Darms, der Leber oder der Nieren die Auslöser. Auch Zöliakie (Glutenallergie), Mukoviszidose oder bestimmte Medikamente können eine Rachitis auslösen.
  • Therapie: Vitamin-D-Präparate, eine ursächliche Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung, orthopädische Behandlungen und regelmäßiger Aufenthalt im Freien werden als Behandlungsmöglichkeiten eingesetzt.

Symptome der Rachitis

Der Mangel an Vitamin-D-macht sich durch Rachitis bei den Kindern meist in den ersten beiden Lebensjahren bemerkbar. Das Wachstum des Skeletts ist gestört. Ein dafür spezifisches Symptom ist der rachitische Rosenkranz. Dies ist eine deutlich sichtbare Auftreibung der Knochen-Knorpel-Grenze im Bereich des Brustkorbes, die einem Rosenkranz ähnelt. Sie entsteht durch den Mangel an Vitamin D, wobei die nicht verkalkte Überproduktion an Knochensubstanz sichtbar wird.

Eine Rachitis kann eine Verformung der Knochen zur Folge haben. (Bild: Artemida-psy/fotolia.com)

Glockenthorax, Skoliose, O-Beine

Ein weiteres Symptom ist der sogenannte Glockenthorax. Dies ist ein im unteren Bereich weit gestellter Brustkorb, welcher in Verbindung mit mangelnder Bauchmuskulatur auftritt, was bei Kindern mit Rachitis Froschbauch genannt wird. Verformungen an der Wirbelsäule (wie Skoliose) und an den unteren Gliedmaßen, in Form von O-Beinen, gehören ebenfalls zum Krankheitsbild der Rachitis.

Weitere Symptome

Zu den Allgemeinsymptomen der Rachitis zählen:

Ursachen einer Rachitis

Rachitis ist die Folge der mangelnden Verfügbarkeit von Vitamin-D. Im Gegensatz zu früher sind heute Ursachen wie Lichtmangel oder ungenügende Ernährung nur noch sehr selten für eine Rachitis verantwortlich, vor allem durch die flächendeckende Vitamin D-Prophylaxe bei Säuglingen im ersten Lebensjahr. Werden jedoch Kleinkinder zu sehr von der Sonne ferngehalten oder kommen Erkrankungen hinzu, bei denen die Aufnahme des Vitamins aus dem Darm gestört ist, kann ebenso eine Rachitis entstehen.

Krankheiten, die eine Rachitis auslösen können

Beispiele dafür sind Colitis ulcerosa (entzündliche Darmerkrankung), Zöliakie (gluteninduzierte Enteropathie bei Kindern) und chronische Entzündungen des Dickdarms. Auch Nieren- und Lebererkrankungen können dafür verantwortlich sein. Kinder, die bestimmte Antiepileptika einnehmen müssen, sind ebenso gefährdet, da diese Medikamente die Vitamin D-Synthese in der Leber beeinträchtigen können.

Wie bekommt der Körper Vitamin-D?

Die sogenannten Calciferole, eine Gruppe der Vitamin-D-Substanzen, gehören eigentlich nicht zu den Vitaminen, sondern zu den Hormonen. Das Vitamin D muss dem Körper nicht zugeführt, sondern kann aus Vorstufen selbst hergestellt werden. Diese befinden sich in der Haut und leiten sich vom Cholesterin ab. Zur Herstellung des Vitamin-D-Hormons ist eine gewisse Menge an Sonnenlicht erforderlich, obwohl es auch über den Verdauungstrakt durch den Verzehr von Leber, Eigelb, Fisch und Milch aufgenommen werden kann. Die so aufnehmbaren Mengen sind für den Bedarf nicht ausreichend.

Sonnenbaden: Die wohl beliebteste Art, Vitamin D zu tanken. (Bild: reichdernatur/fotolia.com)

Ohne Vitamin-D leidet die Knochenfestigkeit

Die Calciumaufnahme über den Darm wird durch Vitamin D gefördert, reguliert den Calcium- und Phosphathaushalt und sorgt dafür, dass Calcium und Phosphat in den Knochen eingelagert werden. Fehlt dies, entsteht eine Demineralisation und die Knochen werden weich, wie dies bei der Rachitis der Fall ist. Die Folge ist auch bei Erwachsenen eine Knochenerweichung, die nicht Rachitis sondern Osteomalazie genanntn wird.

Vtiamin D2 und D3

Die wichtigsten Vitamin D-Verbindungen sind das Vitamin D2 (Ergocalciferol), das in Pflanzen vorkommt, und das Vitamin D3 (Cholecalciferol), das tierischen Ursprungs ist. Ein gesunder Körper ist nicht auf die Zufuhr dieser Stoffe über die Nahrung angewiesen. Durch tägliches Sonnenlicht auf Gesicht und Hände werden achtzig bis neunzig Prozent des Vitamin D für den Organismus bereitgestellt.

Täglich zehn Minuten Sonne reichen

Dabei reichen täglich zehn Minuten intensive Sonne aus. Personen, die selten oder gar nicht ins Freie kommen, benötigen jedoch gegebenenfalls eine Zufuhr von Vitamin D.

Vitamin-D in Nahrungsmitteln

Die Aufnahme von Vitamin-D über Nahrungsmittel reicht bei weitem nicht aus. Ohne UVB-Strahlen kann der Körper nicht genügend Vitamin-D herstellen. Gesunde Menschen sollten kein Vitamin-D über Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, denn viele Vitamin-D-Pillen bergen gesundheitliche Gefahren. Vitamin-D ist natürlicher Bestandteil folgender Nahrungsmittel:

  • Fette Fischsorten wie Makrele oder Aal,
  • Lebertran,
  • Eigelb,
  • Milchprodukte,
  • Löwenzahn,
  • Brunnenkresse,
  • Brennnesseln.
Vitamin D ist beispielsweise enthalten in fetten Fischen (Lachs, Hering, Makrele, Aal, etc.), Eiern, Butter und Käse. (Bild: bit24/fotolia.com)

Diagnostik

Um Rachitis zu diagnostizieren wird zuerst das Blut untersucht. Das Vitamin D3 liegt hier unter der Norm und die Alkalische Phosphatase, ein am Knochenstoffwechsel beteiligtes Enzym, ist bei der Rachitis erhöht. Calcium und Phosphat im Blut sind pathologisch verändert. Auf dem Röntgenbild kann diese Erkrankung recht früh durch unscharfe Knochenstrukturen und verbreiterte Enden der Unterarmknochen festgestellt werden.

Behandlung der Rachitis

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Meist steht hier die Substitution mit Vitamin D an erster Stelle, damit sich die Mineralisation der Knochen normalisieren kann. Liegen dem Vitamin D-Mangel Erkrankungen in Darm, in der Leber oder Niere zugrunde, werden diese ursächlich behandelt. Regelmäßiger Aufenthalt in der Sonne wird empfohlen.

Vitamin D Prophylaxe

Säuglinge erhalten normalerweise ab der zweiten Lebenswoche für mindestens ein Jahr lang eine geeignete Vitamin D Prophylaxe. Im Kleinkindalter ist die Versorgung mit Vitamin D durch einen zweistündigen Aufenthalt pro Woche im Freien, bei dem Gesicht, Arme und Hände der Sonne ausgesetzt sind, gewährleistet. Aber auch die richtige Ernährung ist wichtig, damit der Körper ausreichend versorgt wird. Sind bereits Knochenverkrümmungen durch die Rachitis entstanden, werden orthopädische Behandlungen nötig.

Homöopathie bei Rachitis

Neben der Substitution mit Vitamin D, gesunder Ernährung und eventueller Behandlung der Grunderkrankung kann begleitend die klassische Homöopathie den Heilungsprozess unterstützen. Erfahrene Therapeuten bieten bei der Auswahl der geeigneten Mittel die erforderliche Unterstützung. Hierbei kommen häufig folgende Mittel zum Einsatz:

  • Calcium carbonicum: Ein Mittel, das hellhäutigen, meist übergewichtigen Kindern gegeben wird.
  • Calcium phosphoricum: Wird dunkelhaarigen, schlanken, schnell gewachsenen Kindern gegeben.
  • Phosphor: Wird bei schlanken, großen und sehr schreckhaften Personen eingesetzt.
  • Silicea: Kommt bei Kindern zum Einsatz, die zart, empfindlich, schüchtern, nachgiebig, unentschlossen oder sehr kälteempfindlich sind.
Ohne Sonne kann das wichtige Vitamin-D nicht im Körper gebildet werden. (Bild: fotoliaxrender/fotolia.com)

Sonne als Medizin

Jahrelang wurde geradezu massiv gegen den Aufenthalt in der Sonne argumentiert. Vielen Menschen ist deshalb der Nutzen des Sonnenlichts nicht bekannt. Jeder weiß, dass übertriebenes Sonnenbaden gesundheitsschädlich ist und zu Hautkrebs führen kann. Jedoch ist das völlige Meiden der Sonne ebenfalls nicht gesundheitsfördernd. So braucht nicht nur die Seele das wohltuende Licht der Sonne, sondern vor allem benötigt der Körper die UVB Strahlen, damit das lebensnotwendige Vitamin D hergestellt werden kann. Die Sonne ist das einzige kostenfreie Mittel, um der Rachitis und auch anderen Vitamin D-Mangel-Krankheiten vorzubeugen.

Über Vitamin D

Der Begriff Vitamin ist in diesem Zusammenhang nicht ganz richtig, da der Körper diesen Stoff weitgehend selbst herstellen kann und nicht auf Zufuhr durch die Nahrung angewiesen ist. Das Vitamin D, obwohl dies stets so bezeichnet wird, entspricht im Körper eher einem Hormon und besteht in Wirklichkeit aus mehreren Verbindungen. Als solches hat dieser Stoff erst eine Wirkung, wenn er in seine biologisch aktive Form umgewandelt wird. Dieser Prozess findet in mehreren Schritten in Haut, Leber und Nieren statt.

Sonnenlicht als Aktivator

Wichtig für die Bildung des Vitamin D sind die UVB Strahlen, die auf die Haut treffen. Aus einem in der Leber aus Cholesterol gebildeten Provitamin wird durch das Sonnenlicht das Prävitamin D3 hergestellt. In den Leberzellen entwickelt sich daraus das Colecalciferol D3. Die Niere stellt im Anschluss daran die biologisch aktive Form Calcitriol her, die ins Blut abgegeben wird.

Knochenfestigkeit

Der beschriebene Prozess stimuliert vor allem die Calciumaufnahme aus dem Dickdarm und reguliert den Calciumstoffwechsel der Knochen, was für die Knochenfestigkeit von Nöten ist. Forschungen haben ergeben, dass das Vitamin D auch in anderen Organen und Geweben des Körpers hergestellt werden kann, jedoch dort ausschließlich an verschiedenen lokalen Zellfunktionen beteiligt ist. Durch dieses relativ neue Wissen ist klar, dass sich der Vitamin-D-Mangel weit mehr als nur auf den Knochenstoffwechsel auswirken kann.

Der größte Teil an Vitamin D wird vom Körper selbst produziert. Lediglich zehn bis zwanzig Prozent werden über die Nahrung aufgenommen. (Bild: Zerbor/fotolia.com)

Vitamin D wird größtenteils vom Körper produziert

Der Großteil des nötigen Vitamin D wird vom Körper selbst durch die Sonnenbestrahlung hergestellt, der Rest, circa zehn bis zwanzig Prozent, muss über die Nahrung zugeführt werden. Früher kannte man nur fette Fischsorten und vor allem Lebertran als Vitamin D Spender, um damit der Rachitis zu begegnen. Auch andere Lebensmittel sind jedoch durchaus geeignet.

Geschichtlicher Rückblick der Rachitis

Rachitis war vor allem im 19. Jahrhundert weit verbreitet. Das Zeitalter der Industrialisierung führte dazu, dass Kinder nicht mehr auf Wiesen und an der frischen Luft spielten, sondern sich eher auf der Straße, in engen, dunklen Gassen aufhielten, wo kaum ein Sonnenstrahl durchdringen konnte und die Luft durch Abgase verpestet war. Dieser Smog deckte die Städte regelrecht zu. Auch litten damals die meisten Kinder unter einer Mangelernährung. Die Kombination aus beidem führte zu dem Entstehen von Rachitis und deren großflächiger Verbreitung. (sw, aktualisiert am 17.April 2018 vb)