Bärlauch in der Naturheilkunde

Fabian Peters
Bärlauch ist bekannt als Hexenzwiebel oder wilder Lauch und wächst vor allem an feuchten, schattigen Standorten mit humusreicher Erde. Die Pflanze, ein Liliengewächs, besitzt lanzettförmige, längliche, weiche Blätter, die denen des Maiglöckchens und anderer giftiger Pflanzen ähnlich sind. Der große Unterschied jedoch, der eine Verwechslung zum Glück erschwert, ist der knoblauchartige Geruch, der vor allem durch Zerreiben der Blätter entsteht. Bärlauchblätter werden von April bis Mai/Juni geerntet. Knoblauch ist dem Bärlauch sehr ähnlich, jedoch wird vermutet, dass Letzterer eine größere Heilwirkung besitze und zudem geringere Ausdünstungen hervorrufe.

Für Haustiere nicht geeignet

Auch wenn uns Menschen Bärlauch gut schmeckt und wohl bekommt, so ist dieser jedoch nichts für Haustiere. Bärlauch, wie alle Allium Arten, ist nicht geeignet für Hunde, Katzen, Hasen, Meerschweinchen usw., denn die darin enthaltene Schwefelverbindung kann im Blut eine sogenannte Hämolyse verursachen, bei der die Erythrozyten (rote Blutkörperchen) zerstört werden.

Bärlauch kann vielerorts in der freien Natur geerntet werden. (Bild: ferkelraggae/fotolia.com)
Bärlauch kann vielerorts in der freien Natur geerntet werden. (Bild: ferkelraggae/fotolia.com)

Inhaltsstoffe

Der Bärlauch besitzt einen hohen Gehalt an ätherischem, schwefelhaltigem Öl, auf dem die anregende, reinigende und entgiftende Wirkung beruht. Weitere Inhaltsstoffe sind Senfölglykoside, Flavonoide, Vitamin C, Eisen, Mangan und Vitamin B6.

Achtung: Verwechslungsgefahr!

Vorsicht ist geboten beim Sammeln der Bärlauchblätter. Diese ähneln nicht nur den Blättern des Maiglöckchens und der Herbstzeitlosen, sondern auch denen des Aronstabes und der Weißwurz. Wie bereits erwähnt, verströmt der Bärlauch einen knoblauchartigen Geruch. Wenn schone einige Bärlauchbätter gesammelt wurden und die Finger bereits nach Knoblauch riechen, ist das Unterscheiden dennoch nicht mehr so einfach.

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Unterschiede zu Maiglöckchen, Herbstzeitlosen, Aronstab und Weißwurz

Bärlauch-Blätter sprießen aus dem Boden. Dazwischen können sich jedoch leider Blätter anderer Pflanzen befinden, die sich stark ähneln, aber nicht für den Verzehr bestimmt sind. Hier ist große Vorsicht geboten. Um keine „falschen“ Bärlauch-Blätter zu pflücken, ist ein Wissen um die wichtigen Unterschiede nötig.

Maiglöckchen (Convallaria majalis)

Der Hauptunterschied zwischen Bärlauch und Maiglöckchen ist, dass die Blätter des Bärlauchs einzeln, bei dem Maiglöckchen paarweise, am gleichen Stil wachsen. Die Maiglöckchen sprießen etwas später als der Bärlauch, jedoch ist die Hauptwuchszeit nahezu identisch. Maiglöckchen bevorzugen die selben Standorte. Convallaria majalis zählt zu den giftigen Pflanzen. Vergiftungserscheinungen sind Herzrhythmusstörungen, Blutdruckanstieg, Haut- und Augenreizungen, rasender Puls bis hin zu Hypotonie (niedriger Blutdruck), Durchfall, Erbrechen, Schwindel, Kollaps und Herzstillstand. Das Maiglöckchen gehört zu den Heilpflanzen in der Behandlung von Herzerkrankungen. Convallaria ist verschreibungspflichtig oder wird als homöopathisch potenziertes Mittel vom Heilpraktiker angewandt.

Herbstzeitlose (Colchicum autumnale)

Auch die Herbstzeitlose wächst an denselben Orten wie der Bärlauch. Die Blattformen ähneln sich. Der wichtigste Unterschied jedoch ist, dass die Blätter der Herbstzeitlose zu mehreren an einem Stiel wachsen und diesen umfassen. Diese Pflanze ist hoch giftig. Eine Menge von 0,8mg/kg Körpergewicht kann bereits bei einem Erwachsenen zum Tode führen. Zu den Vergiftungserscheinungen gehören Herzrhythmusstörungen und Übelkeit. Die Herbstzeitlose ist, richtig angewandt, eine Heilpflanze, die bei Gicht zum Einsatz kommt. Sie wird in kleinsten Mengen von Arzt verordnet oder aber homöopathisch ab der Potenz D4 in der Naturheilpraxis verabreicht.

Aronstab (Arum makulatum)

Der Aronstab, eine alte Hexen- und Zauberpflanze, wurde in der Volksheilkunde früher gerne verwendet, jedoch aufgrund seiner Giftigkeit nur stark verdünnt. Junge Blätter des Aronstabes ähneln denen des Bärlauchs. Jedoch unterscheiden sich die Blattnerven voneinander. Die des Aronstabes sind unregelmäßig, die des Bärlauchs sind parallel angeordnet. Später dann ist das Unterscheiden einfach, die Blätter bekommen die typische, pfeilartige Form und sind dunkler und fester, als die des Bärlauchs.

Wird diese giftige Pflanze gegessen, so wird dies sofort bemerkt: die Blätter verätzen die Mundschleimhaut. Die Natur bietet eigentlich nichts Schärferes als den Aronstab. Bereits ein Blatt davon kann schon den Geschmack einer ganzen Schüssel Bärlauch verderben.

Vielblütiger Weißwurz (Polygonatum multiflorum)

Beim Sammeln von Bärlauch-Blättern kann auch Weißwurz aus Versehen mit gepflückt werden. Die Blätter ähneln sich etwas, jedoch besteht auch hier der gravierende Unterschied, dass diese paarweise am Stiel wachsen und nicht einzeln wie beim Bärlauch. Der Weißwurz, auch als Salomonsiegel bekannt, wurde früher in der Volksheilkunde bei Diabetes, Rheuma, Gicht und Herzschwäche angewandt. Heutzutage wird die ungiftige Wurzel des Salmonsiegel in der Naturheilpraxis für die Behandlung von Hypertonie, Husten, Bronchitis, zur Herzstärkung und als Tonikum im Alter verwendet. Dessen Blätter sind schwach giftig.

Wirkungsspektrum

Bärlauch war in frühen Jahren schon „modern“. So ordnete Kaiser Karl im achten Jahrhundert an, in allen Gärten Bärlauch anzupflanzen. Auch im alten Rom war das Lauchgewächs schon bekannt und wurde damals bei Magenbeschwerden und zur Blutreinigung eingesetzt. Bärlauch, mit dem lateinischen Namen Alllium ursinum, ist heute wieder zu einen sehr modernen Heilmittel geworden. Er hilft bei chronischen Hautausschlägen und Flechten durch seine Blut reinigende Wirkung. Aufgrund des hohen Gehalts an Senfölglykosiden regt er die Verdauungssäfte an. Bärlauch wirkt bakterizid auf die Darmflora, wobei die „guten und nützlichen“ Darmbakterien unbeschadet bleiben. Deshalb ist dies eine wunderbare Pflanze, um eine aus dem Gleichgewicht geratene Darmflora wieder aufzubauen. Bei Reisen in ferne Länder kann mit Bärlauch die Abwehr im Darm gestärkt werden. Nach einer Antibiotika Therapie unterstützt er die Darmsanierung. Ebenso wie Knoblauch wirkt Bärlauch einer Arterienverkalkung entgegen und hilft bei zu hohem Blutdruck. Er bindet Gifte und reinigt somit das Blut. Daher gehört Bärlauch in jede Frühjahrskur. Am besten wird vier bis sechs Wochen lang täglich eine Hand voll frischer Bärlauch-Blätter in Salat, Quark oder als Gewürz zu sich genommen.

Verarbeitung in der Küche

Gerade im Frühjahr gehört Bärlauch unbedingt in jede Küche. Nicht nur, weil dieses Lauchgewächs so gesund, sondern auch weil es sehr lecker ist. Vom Bärlauch kann im Prinzip Alles gegessen werden. Die Knolle entspricht der Frühlingszwiebel, die Knospen und Blüten dienen als Salatdekoration und die Stiele können fein gehackt, gedünstet oder angebraten werden. Am häufigsten werden jedoch die Bärlauch-Blätter verwendet. Ihr mild würziges Aroma ist für die verschiedensten Gerichte geeignet.  Die Blätter sind recht empfindlich und welken schnell, deshalb ist die Verarbeitung am selben Tag zu empfehlen. Ist dies nicht möglich, hält er, die Stiele mit einem feuchten Tuch umwickelt und dann in eine Gefriertüte gepackt, bis zu zwei Tage im Kühlschrank.

Bärlauch wird zuerst mit nicht zu heißem Wasser abgespült, um ihn von Verunreinigungen zu befreien. Eine Verarbeitung bei hohen Temperaturen mag er nicht so gerne. Da sich die Inhaltsstoffe an der Luft recht schnell verändern, sollte der Bärlauch erst kurz vor der Verarbeitung geschnitten werden. Bärlauch ist mittlerweile häufig in Pestozubereitungen anzutreffen. Auch Saucen, Dips, Quark und Brotaufstriche werden damit verfeinert. Lecker ist ebenfalls das Würzen von Suppen, wie zum Beispiel Kartoffel- oder Gemüsesuppen, mit dem gesunden Lauchgewächs. Bärlauch Liebhaber bevorzugen den Bärlauch-Salat. Dafür werden die Blätter gewaschen, eventuell zerkleinert und mit einer beliebigen Salatsauce angerichtet. Zudem können die Blätter einem gemischten Salat eine ganz besondere Note verleihen.

Bärlauch – nicht nur im Frühling

Um Bärlauch nicht nur im Frühling, sondern das ganze Jahr über genießen zu können, ist das Einfrieren eine gute Möglichkeit. Dabei reduziert sich etwas das Aroma, aber besser, als bis zum nächsten Frühjahr warten zu müssen. Bärlauch wird zuerst gründlich auf „falsche“ Bestandteile, wie die erwähnten Pflanzen, die ihm so ähnlich sind, kontrolliert, gewaschen und mit einem Küchentuch trocken getupft. Danach werden die Blätter auf ein Brett oder ein flaches Blech gelegt und so in den Gefrierschrank gestellt. Ist der Gefriervorgang abgeschlossen, wird das Ganze in Beutel umgefüllt .

Bärlauch eignet sich hervorragend als Zutat in Pesto. (Bild: Dušan Zidar/fotolia.com)
Bärlauch eignet sich hervorragend als Zutat in Pesto. (Bild: Dušan Zidar/fotolia.com)

Rezept für ein Bärlauchpesto

Eine weitere Verarbeitungsmöglichkeit, um Bärlauch länger genießen zu können, ist das Herstellen von Pesto. Für ein leckeres Bärlauchpesto werden 250 g Bärlauch, 40g Parmesan, 40g Pinienkerne oder Cashewnüsse, 1/8 l Olivenöl, Salz und Pfeffer benötigt. Der Bärlauch wird gewaschen, mit einem Küchentuch abgetupft und dann in der Küchenmaschine zusammen mit den anderen Zutaten ganz fein zerrieben. Wer einen Mörser besitzt, kann diesen ebenso verwenden. Das Pesto wird dann in frisch gewaschene, heiß ausgespülte Schraubdeckelgläser abgefüllt. Wichtig dabei ist, dass etwas Öl die Oberfläche des Pestos bedeckt. Die Gläser können im Kühlschrank ein paar Monate aufbewahrt werden.

Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass beim Sammeln von Bärlauch Vorsicht geboten ist. Die Blätter müssen vor Genuss unbedingt genau betrachtet werden, um eine Verwechslung mit oben genannten Pflanzen auszuschließen. Wer sich nicht sicher ist, kauft den Bärlauch am besten frisch auf dem Wochenmarkt, als Pesto oder fertige Gewürzpaste. Zur naturheilkundlichen Therapie ist Bärlauch in Form von Kapseln, als Urtinktur, Tinktur und auch homöopathisch erhältlich. (sw)