Holunder – Anwendung, Wirkung und Rezepte

Marten Bischoff
Die Heilkräfte des Holunders inspirierten unsere Vorfahren, in ihm den Sitz guter Geister zu sehen. Diesen Glauben an die „Holunderfrau“ zitiert im Märchen noch heute Frau Holle, die den Schnee aus ihren Bettlaken schüttelt und ruft: „Holla, die Waldfee.“ Der Schwarze Holunder, eine von drei Arten Europas – neben dem Roten Holunder und dem Zwerg-Holunder – schmeckt nicht nur ausgezeichnet, er ist auch eine Heilpflanze besonderer Güte. Hier das Wichtigste kurz zusammengefasst:

  • Holunder enthält Vitamine, Mineralien, Gerb- wie Schleimstoffe, ätherisches Öl und Kaffeesäurederivate.
  • Er beugt Erkältungen vor, hemmt Entzündungen, hilft gegen Eisenmangel und Vitaminmangel, regt die Nieren an und reduziert Stress.
  • Äußerlich angewendet lindert er Hautinfektionen, Geschwüre und Insektenstiche.
  • Rohe Beeren setzen Blausäure frei, deswegen nehmen wir Holunder nur erhitzt zu uns.
  • Vor allem Blüten und Beeren werden genutzt, aber auch Blätter und Rinde finden in Umschlägen und Tees Verwendung.

Inhaltsstoffe

Seine Heilpotenz steckt in den Blüten und Beeren. Die Blüten enthalten ätherisches Öl und Flavonoide, Rutin und organische Säuren. Indessen umfasst das biochemische Spektrum der Pflanze auch Blausäure. Wir sollten die Beeren deshalb nie roh genießen, denn das führt zumindest zu Problemen der Verdauung. Erst wenn Holunder über 80 Grad Celsius erhitzt wird, lässt sich das Gift neutralisieren.

Holunder enthält Eiweiße, die gegen Entzündungen wirken. Das fand die Universität Jerusalem heraus. In den Beeren sind Kzudem alzium, Kalium, Magnesium, Zink und Eisen vorhanden. Holundersaft wirkt deshalb zuverlässig gegen Muskelschmerzen und Beschwerden der Knochen, zum Beispiel gegen Wadenkrämpfe. Für Kinder hat er den Vorteil, dass er nicht nach Medizin schmeckt, sondern wie ein süßer Saft.

Holunderbeersaft hilft außerdem Menschen mit Blutarmut und daraus folgendem Eisenmangel. Das enthaltene Zink fördert unter anderem die männliche Potenz und in den Beeren stecken zudem Vitamin C, E, K, Provitamin A und die B-Vitamine.

Holunder enthält unter anderem viele Vitamine und Mineralien und kann z. B. Erkältungen vorbeugen. (Bild: romankrykh/fotolia.com)

Wirkung

Holunderblüten- und beeren setzt die Volksmedizin gegen Fieber und Erkältung ein. Holunder löst Schleim, der sich in Nase und Bronchien befindet, so die Annahme. Wissenschaftlich bewiesen ist das nicht. Es könnte sich auch um einen Effekt von heißem Wasser handeln.

Um Erkältungen mit Vitamin C vorzubeugen, sollten Sie den Holundersaft auf über 80 Grad Celsius, nicht aber länger über 100 Grad Celsius erhitzen. Dann zerstören Sie die Blausäure, kochen aber die Vitamine nicht aus. Holunderbeeren veranlassen die Nieren, vermehrt Wasser auszuscheiden. Das hilft gegen Beschwerden der Harnwege, da die Flüssigkeit Erreger hinausspült. Holunder wirkt außerdem antioxidativ durch die Flavonoide und Phenole. Diese Stoffe sitzen besonders in den Beeren.

Des Weiteren gilt Holunderrinde in vielen Verbreitungsregionen als Mittel gegen Insektenstiche, Schwellungen und akute Entzündungen. Die entzündungshemmende Wirkung ist wissenschaftlich bestätigt, unklar ist bisher jedoch, welche Wirkstoffe hier wie zusammen wirken.

Bestandteile

Die Volksmedizin setzt Blätter, Blüten, Rinde und Beeren des Holunders ein: Holunderblütensirup und -tee ebenso wie Holunderbeersaft, Tees aus der Rinde, Umschläge und Bäder aus den Wurzeln. Die Blüten sollen den Schweißfluss fördern, die Beeren die Nieren anregen, die Wurzeln und Rinde abführend wirken.

Die Blüten des Holunders sollen den Schweißfluss fördern. (Bild: matka_Wariatka/fotolia.com)

Holunder – Biologie

Holunder sind eine Gattung aus der Familie der Moschuskräuter. Diese Gattung enthält knapp ein Dutzend Arten, von denen drei wild wachsen in Mitteleuropa. Der „Holunder“ oder „Fliederbusch“ meint meist den Schwarzen Holunder, einen Allrounder, der sich hierzulande fast überall ausbreitet. Dann gibt es noch den kleinen Zwerg-Holunder und den Roten Holunder. Letzterer unterscheidet sich vom Schwarzen Holunder vor allem durch die rote, nicht schwarze Farbe der Beeren. Die drei Holunder wachsen von gemäßigten Breiten bis in die Subtropen.

Holunder sind Halbsträucher, die je nach Art eine Höhe von 1 bis 15 m erreichen. Sie sind im Sommer grün und verlieren die Blätter im Winter. Die Steinfrüchte sehen aus wie Beeren, sind schwarz, blau oder rot und enthalten bis zu 5 Samen. Äste und Zweige enthalten Mark, in dem sich Calciumoxalat-Kristalle befinden. Schwarzer Holunder mag nährstoffreichen Boden und findet sich in Mitteleuropa an Weg- und Waldrändern, in Gärten und auf Feldern.

Mythos und Geschichte

Der Schwarze Holunder spielt eine wichtige Rolle in Mythen und Märchen. Die Germanen hielten ihn für den Sitz der guten Göttin Holda. Diese hielt böse Geister ebenso ab wie Blitz und Feuer. Holunderbüsche vor dem Haus boten also einen magischen Schutz. Ein schwacher Abglanz dieser Göttin findet sich im Märchen von Frau Holle der Brüder Grimm. Holda oder Holla war die Göttin der Quellen und Brunnen, und die Germanen beteten zu ihr für die Fruchtbarkeit der Felder. Blühte der Holunder üppig, dann wurde die Ernte gut, so der Glaube der Alten.

Vermutlich half der Glaube dem Holunder bei der Verbreitung. Denn wer einen Holunder fällt, muss demnach damit rechnen, dass ihn Holda mit einer Krankheit strafte, und noch im 18. Jahrhundert baten Menschen auf dem Land um Verzeihung, wenn sie einen Holunder absägten.

Die dem Holunder zugeschriebene Macht sollte auch negative Folgen haben. So galt ein verdorrender Holunder im Garten als Zeichen, dass ein Mitglied der Familie bald sterben würde. Hexen sollten sich in einen Holunderzweig verwandeln, und deshalb durfte Holunderholz nicht in Möbeln verarbeitet werden.
Auch Griechen und Römer sahen im Holunder den Sitz guter Geister. Die Antike kannte bereits den Holunder als Heilpflanze. Hippokrates empfahl Holunder zu Recht als Wasser treibendes Mittel. Dioskurides (1. Jh n.u.Z) setzte Holunderwurzeln gegen Wassersucht ein und legte die frischen Blätter auf Geschwüre.

Adamus Lonicerus (1528-1586) betonte ebenfalls seine entwässernde Wirkung, nutzte ihn zudem dazu, das Blut zu reinigen und sah in ihm ein Mittel gegen Augenerkrankungen und zittrige Hände. Christoph Wilhelm Hufeland (1762-1836) verabreichte seinen Patienten Dampfbäder und Gurgelwasser mit Holunder gegen Erkrankungen der Atemwege.

Neben solchen frühzeitigen Anwendungen, die auf realen Heilkräften der Pflanze beruhten, schrieben unsere Vorfahren dem Holunder auch zahlreiche Wirkungen zu, die dem Aberglauben entsprangen. So hängten die Menschen Eiter, Nägel und Zähne Erkrankter an Holunderbüsche, da der ungehemmte Wuchs der Pflanze das „Böse aufsaugen“ sollte. Kinderlose Frauen umarmten Holundersträucher, um zu empfangen, von Zahnschmerzen geplagte bissen auf einen Holunderzweig und glaubten, so die Schmerzen auf diesen zu übertragen. Holundertees sollten nur wirken, wenn man die Blüten vor Sonnenaufgang pflückte.
Arroganz aus heutiger Sicht ist fehl am Platz. Holunder war wesentlich in der „Apotheke des Einödbauern“ und ein aus der Erfahrung gewonnenes wirksames Heilmittel für Menschen, für die ein studierter Arzt jenseits des Horizontes lag.

Holunder – Heilkraft in der Küche

Reife Holunderbeeren pflücken Sie im Herbst und bereiten Sie in einem Entsafter zu. Dazu kochen Sie die Beeren in wenig Wasser für zwei Minuten auf, bis sie weich sind. Dann geben Sie die Flüssigkeit in ein Sieb und pressen die Beeren aus. Den Saft füllen Sie in dunkle Flaschen und stellen ihn in den Kühlschrank. Verbrauchen Sie ihn innerhalb von drei Tagen. Wenn Sie den Saft einfrieren und nach Bedarf auftauen, hält er sich bis zu sechs Monate. Um einer Erkältung vorzubeugen, erwärmen Sie den Saft ein wenig.

Holunderbeersaft kann auch eingefroren werden und hält sich dann bis zu sechs Monate. (Bild: elfgradost/fotolia.com)

Holunderblütentee gewinnen Sie aus den Blüten des Schwarzen Holunders. Sie können diese Blüten auch mit Zucker zu einem Sirup aufkochen und diesen bei Bedarf mit Wasser verdünnen. Der Sirup hält sich in einem luftdichten Gefäß bis zu mehreren Monaten. Holunderblütentee treibt Schweiß und senkt das Fieber, löst den Schleim bei Husten und Schnupfen. Dafür bereiten Sie ihn frisch zu, denn die Wirkstoffe verflüchtigen sich. Er ist auch für Schwangere ohne Probleme geeignet.

Für einen Holunderblütentee übergießen Sie zwei Teelöffel getrocknete Blüten mit heißem Wasser, lassen den Sud zehn Minuten ziehen und seihen ihn dann ab. Um Erkältungen vorzubeugen, empfehlen sich in der kritischen Zeit ein bis zwei Tassen pro Tag. Um akuten Schnupfen zu lindern, trinken Sie ruhig vier Tassen täglich.

Holunder-Herbstdrink

Dieser Drink ist die gesunde Alternative zu Glühwein, wenn Sie ein kalter Regenguss erwischt hat.
Sie wärmen dazu einen viertel Liter Holunderbeersaft mit einem viertel Liter Wasser auf, geben Zimt, Kardamom und zwei Gewürznelken hinzu, lassen alles drei Minuten ziehen, süßen mit Honig und trinken dann eine Vitaminbombe, die sie vor Erkältung schützt.

Holundersuppe

Für eine Holundersuppe pürieren Sie 300 g Holunderbeeren und geben einen halben Liter Wasser, 50 g Honig und den Saft einer Zitrone hinzu. Das Gemisch kochen Sie auf, streichen es durch ein Sieb, fügen steife Schlagsahne hinzu und essen es warm. (Dr. Utz Anhalt)