15 Minuten Bewegung verlängert das Leben

Astrid Goldmayer

Wer sich täglich mindestens 15 Minuten aktiv bewegt, kann sein Leben verlängern

28.12.2011

„Beweg dich!“, sollte der gute Vorsatz für das neue Jahr lauten. Eine aktuelle Untersuchung aus Taiwan belegt, dass 15 Minuten Bewegung am Tag die Lebenserwartung um drei Jahre verlängern kann. Zusätzlich wurde bei Studienteilnehmern, die sich täglich eine Viertelstunden bewegten, eine verminderte Sterblich von 14 Prozent gegenüber trägen Studienteilnehmer nachgewiesen.

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Bewegung für ein gesundes Leben
Laut einer Studie mit mehr als 400.000 Teilnehmern verlängert sich die Lebenserwartung durch 15 Minuten Bewegung am Tag um drei Jahre. Die Wissenschaftler untersuchten in den Jahren 1996 bis 2008 Frauen und Männer in Taiwan während der jährlich stattfindenden Reihenuntersuchung. Die Teilnehmer wurden außerdem zu ihrer körperlichen Aktivität befragt. Anhand der Angaben zu Intensität und Dauer der Aktivität wurden die Studienteilnehmer in fünf Gruppen aufgeteilt, zu denen inaktive Menschen ohne Bewegung in ihrer Freizeit und Menschen mit geringer, mittlerer, hoher und sehr hoher Aktivität gehörten. Während des Untersuchungszeitraumes wurde der Gesundheitszustand der Teilnehmer beobachtet und anschließend verglichen, wie viele Menschen in den jeweiligen Gruppen gestorben waren.

Durch 15 Minuten Bewegung am Tag wurde Sterblichkeit um 14 Prozent gesenkt
Bereits bei der Gruppe mit geringer Bewegung – etwa 15 Minuten am Tag oder 92 Minuten pro Woche – konnten die Wissenschaftler um Chi Pang Wen von den Nationalen Gesundheitsforschungsinstituten in Zhunan nachweisen, dass die Sterblichkeit dieser Teilnehmer gegenüber den trägen Teilnehmern – ohne Bewegung – um 14 Prozent geringer war. Außerdem fanden die Ärzte heraus, dass ihre Lebenserwartung durchschnittlich um etwa drei Jahre höher war.

Im weiteren Verlauf untersuchte das Forscherteam die Todesursache der verstorbenen Studienteilnehmer. Das Ergebnis zeigt, dass bereits ein Mindestmaß an Bewegung von etwa 15 Minuten täglich das Risiko für viele schwere Erkrankungen deutlich verringert: Die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken wird um zehn Prozent reduziert, bei Gefäßerkrankungen um 19 Prozent, bei Herzleiden um 25 Prozent, bei Schlaganfällen um 12 Prozent und bei Diabetes um elf Prozent.

Professor Hans-Christoph Diener, Direktor der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Essen, für die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), erläutert: „Nachdem frühere Untersuchungen bereits einen erheblichen Nutzen für die Gesundheit durch 2,5 Stunden körperliche Aktivität pro Woche belegt haben, sind diese neueren Daten auch für weniger willensstarke Menschen eine gute Nachricht.“ Der Neurologe berichtet weiter: „Wer sich aufrafft, wird belohnt – und senkt damit sein Risiko sowohl für einen Schlaganfall, als auch für Herzkrankheiten, Krebs und Diabetes.“

Das Krankheitsrisiko sinkt, je mehr man sich bewegt
Weitere Ergebnisse der Wissenschaftler aus der statistischen Erhebung belegen frühere Erkenntnisse: das Risiko einer Erkrankung sinkt, je mehr man sich bewegt. Die Forscher aus Taiwan konnten wissenschaftlich nachweisen, dass die Gesamtsterblichkeit mit jeder weiteren Viertelstunde an täglicher Bewegung um vier Prozent abnahm. Die Krebssterblichkeit nahm um ein Prozent ab. Professor Diener erklärt: „ Bemerkenswert ist auch, dass dieser Nutzen sich über alle untersuchten Gruppen erstreckte. Männer profitierten von 15 Minuten Bewegung täglich ebenso wie Frauen, Jüngere wie Ältere, und Gesunde ebenso wie Kranke, Übergewichtige, Raucher, Trinker oder Menschen mit einem erhöhten Risiko für Gefäßleiden.“

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Mindestmaß an Bewegung empfiehlt, dass fast doppelt so hoch ist wie das, welches aus der Studie in Taiwan als gesundheitsfördernd ermittelt wurde. Die Wissenschaftler um Wen erklärten, dass sie nach ihren Berechnungen damit dennoch rund ein Sechstel aller Todesfälle verzögern könnten.

Bewegung hilft nicht nur dem Körper sondern auch der Psyche
Neben dem gesundheitlichen Nutzen für den Körper, ist auch der psychische Aspekt von Bewegung nicht zu unterschätzen. Seit Jahren empfehlen Psychologen ausgedehnte Spaziergänge an der frischen Luft, Entspannungsübungen und Sportarten, bei denen man sich „auspowern“ kann, gegen den Alltagsstress aber auch gegen Depressionen.

Entspannung durch Bewegung
Ideal für Menschen jeden Alters sind Übungssysteme wie Tai Chi und Qi Gong. Je nach Kenntnisstand und körperlicher Voraussetzung können die Übungen langsam und meditativ oder sportlich unter Kampfkunstaspekten ausgeführt werden. Tai Chi ist ein Teil der sogenannten Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und wird bereits seit vielen Jahren auch in Europa zur Prävention und zur Unterstützung des Heilungsprozesses unterschiedlicher Erkrankungen eingesetzt.

Nils Klug, Tai Chi Lehrer aus Hannover und Präsident der „Taijiquan & Qi Gong Federation for Europe“ (TCFE) erklärt gegenüber "Heilpraxisnet": „Ich empfehle meinen Schülern morgens und abends mindestens zehn Minuten die Tai Chi Form zu üben. Tai Chi Übungen halten nicht nur den Körper fit, auch der Geist bleibt flexibel. Die Körper-Geist-Koordination der Tai Chi- oder Qi Gong-Übungen hat eine äußerst wohltuende Wirkung und durch das regelmäßige Üben wird dieser Effekt noch verstärkt.“ (ag)