200 Millionen Frauen und Mädchen sind Opfer von Genitalverstümmelung

In Ägypten, Äthiopien und Indonesien leben viele Frauen, die eine Genitalverstümmelung erlebt haben. Auch mit den psychischen Folgen haben viele ihr Leben lang zu kämpfen. (Bild: Rob/fotolia.com)
Fabian Peters
UNICEF plant komplette Beendung von FGM bis zum Jahr 2030
Weltweit haben mehr als 200 Millionen Frauen und Mädchen in 30 Ländern irgendeine Form von Genitalverstümmelung (FGM) erlebt und UNICEF befürchtet, dass diese Zahl von Jahr zu Jahr wieder ansteigen wird. Etwa die Hälfte aller beschnittenen Frauen weltweit stammen derzeit aus drei Ländern. Trotz Aufklärung und Protesten sei die Beschneidung von jungen Mädchen nicht nur in diesen Ländern noch sehr verbreitet. UNICEF setzt sich dafür ein, dass solche grausamen Eingriffe hoffentlich irgendwann der Vergangenheit angehören.

Immer noch werden täglich kleine Mädchen irgendeiner Form von Genitalverstümmelung (FGM) unterzogen. Weibliche Genitalverstümmelung bezieht sich auf eine Reihe von Verfahren, aber ganz gleich welche dieser Methoden genutzt wird, die Art der Beschneidung verletzt die Rechte der Kinder und gefährdet deren Gesundheit. Im Vorfeld der internationalen Tage gegen die weibliche Genitalverstümmelung veröffentlichten die Vereinten Nationen einen neuen statistischen Bericht und eine aktuelle Pressemitteilung, um zu einer vollständigen Ächtung des Verfahrens aufzurufen.

In Ägypten, Äthiopien und Indonesien leben viele Frauen, die eine Genitalverstümmelung erlebt haben. Auch mit den psychischen Folgen haben viele ihr Leben lang zu kämpfen. (Bild: Rob/fotolia.com)
In Ägypten, Äthiopien und Indonesien leben viele Frauen, die eine Genitalverstümmelung erlebt haben. Auch mit den psychischen Folgen haben viele ihr Leben lang zu kämpfen. (Bild: Rob/fotolia.com)

Die Hälfte aller Frauen mit FGM leben in Ägypten, Äthiopien und Indonesien
Mindestens 200 Millionen Frauen und Mädchen wurden in irgendeiner Form einer Genitalverstümmelung unterzogen. In einigen Ländern ist diese grausame Prozedur immer noch weit verbreitet. Etwa die Hälfte dieser Frauen stammt aus den drei Ländern Ägypten, Äthiopien und Indonesien, erläutern die Experten. Weibliche Genitalverstümmelung unterscheide sich in allen Regionen und Kulturen. Einige Formen von FGM können lebensbedrohliche Folgen nach sich ziehen und alle verstoßen gegen die Rechte von Mädchen und Frauen, erklärt Geeta Rao Gupta von UNICEF. Regierungen, Gesundheitsexperten, Gemeindevorsteher, Eltern und Familien müssen alle ihre Anstrengungen vergrößern, um diese schreckliche Praktik abzuschaffen.

Anzahl von Frauen mit FGM hat sich seit 2014 um etwa 70 Millionen erhöht
Vierzehnjährige Mädchen repräsentieren 44 Millionen der Opfer von FGM. Von diesen Mädchen leben 56 Prozent in Gambia und 54 Prozent in Mauretanien. In Indonesien wurden etwa die Hälfte aller elf Jahre alten Mädchen schon solch einer unmenschlichen Praktik unterzogen, sagen die Wissenschaftler. Die Länder mit der höchsten Prävalenz unter Mädchen und Frauen im Alter von 15 bis 49 seien Somalia mit 98 Prozent, Guinea mit 97 Prozent und Dschibuti mit 93 Prozent, erläutern die Experten. In den meisten Ländern würden die Mädchen beschnitten, bevor sie ihren fünften Geburtstag erreichen. Die weltweite Zahl der beschnittenen Frauen habe sich verglichen mit dem Jahr 2014 um fast 70 Millionen erhöht, warnen die Forscher. Ursache sei vor allem der rasante Bevölkerungszuwachs. Die Erfassung der Menge von weiblicher Genitalverstümmelung sei wichtig, um diese Praxis zu beseitigen, sagen die Forscher von UNICEF. Wenn Regierungen die Fälle dokumentieren und nationale Statistiken über FGM veröffentlichen, lasse sich das Ausmaß erkennen und die Bemühungen werden beschleunigt, die Rechte von Mädchen und Frauen zu schützen.

Fünf Ländern verabschiedeten Gesetze gegen FGM
Seit 2008 haben mehr als 15.000 Gemeinden und Unterbezirke in zwanzig Ländern öffentlich erklärt, dass keine Genitalverstümmelung mehr vorgenommen werden dürfen. Alleine im letzten Jahr schlossen sich mehr 2.000 Gemeinden der Maßnahme an, und verkündeten in Zukunft keine FGM mehr durchzuführen zu lassen. Fünf Länder hätten mittlerweile nationale Gesetze verabschiedet, die diese grausame Praxis kriminalisieren, sagen die Experten von UNICEF. Die Daten zeigen auch, dass es eine verbreitete Ablehnung der Praxis gibt, selbst in Ländern in denen FGM noch durchgeführt wird. Viele Menschen denken dort, dass FGM abgeschafft werden sollte. Dazu gehören auch fast zwei Drittel der Jungen und Männer, erläutern die Mediziner. Dennoch werde sich bei Fortsetzung des derzeitigen Trends die Zahl der beschnittenen Mädchen und Frauen in den nächsten 15 Jahren erhöhen, warnen Forscher. UNICEF und UNFPA betreiben das größte globale Programm zur Bekämpfung von FGM. Ziel ist es, Genitalverstümmelung bis zum Jahr 2030 vollständig zu verbannen. (as)

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