Ab sieben Grad bereits aktiv: Zecken sind schon wieder unterwegs

Alfred Domke
Gefährliche Krankheitsüberträger: Zecken sind schon ab sieben Grad aktiv
Manche Menschen meinen, dass Zecken erst im Frühjahr und Sommer gefährlich werden. Die kleinen Blutsauger sind aber schon bei Temperaturen ab sieben Grad aktiv. Sie können Infektionskrankheiten wie FSME und Borreliose übertragen. Einige Tipps können helfen, um sich vor den Tierchen zu schützen.

Zecken übertragen gefährliche Krankheiten
Zecken lauern nicht nur im Wald, sondern fühlen sich auch in Gärten wohl. Selbst in den Wintermonaten sind die Blutsauger aktiv, wie eine Studie der Universität Hohenheim zeigte. Die kleinen Blutsauger können gefährliche Infektionskrankheiten wie die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder Borreliose übertragen. Daher ist es sehr wichtig, sich zu schützen. In einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa haben Experten wichtige Informationen zum Thema.

Einige Menschen glauben, dass Zecken erst gefährlich werden, wenn es draußen schön warm ist. Doch die kleinen Blutsauger sind schon bei relativ niedrigen Temperaturen aktiv. (Bild: stockWERK/fotolia.com)

Auch bei niedrigen Temperaturen aktiv
Zwar glauben Viele, dass es nur im Frühjahr und im Sommer Zecken gibt, also, wenn es ordentlich warm draußen ist, doch das stimmt nicht. „Zecken sind dann aktiv, wenn die Temperatur einige Tage bei etwa sieben Grad liegt“, erklärte Susanne Glasmacher vom Robert Koch-Institut (RKI).

Das kann auch schon jetzt im Februar der Fall sein, oder wenn der Winter generell einfach besonders warm ist. Das Risiko, von einer Zecke gebissen zu werden, ist zu dieser Zeit aber geringer, da man normalerweise nicht mit kurzen Sachen im Grünen unterwegs ist.

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Trotzdem sollte man sich nach Aufenthalten in der Natur absuchen. Wie Glasmacher erläuterte, könne die Zecke schließlich auch unters Hosenbein kriechen.

FSME kann im Extremfall tödlich enden
Von den verschiedenen Krankheiten, die durch Zecken übertragen werden können, gilt FSME als eine der gefährlichsten. Vor allem bei älteren Menschen kann die Erkrankung schwer verlaufen. Bei etwa einem Drittel der Infizierten treten Krankheitserscheinungen auf.

Zunächst kommt es zu grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen, Erbrechen und Schwindel.

„Bei den FSME-Erkrankten entwickeln etwa 70 Prozent Gehirn-, Hirnhaut- oder Rückenmarkentzündungen“, erklärte Dr. Olaf Leschnik, Chefarzt der Klinik für Neurologie im Krankenhaus Rodewisch (Vogtlandkreis) in einer Mitteilung. Im Extremfall verläuft die Krankheit tödlich.

„FSME ist nicht ursächlich behandelbar. Wir Ärzte können nur die Symptome lindern, gegen das Virus sind wir machtlos“, so Dr. Leschnik.

Neben FSME können Zecken auch Borreliose übertragen. Diese durch Bakterien verursachte Krankheit tritt in allen Teilen Deutschlands auf, wie Britta Reckendrees von Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) laut dpa erläuterte.

Bleibt die Erkrankung unerkannt und unbehandelt, kann sie zu chronischen Schädigungen unter anderem des Herzens, der Nerven und der Gelenke führen.

Impfung für Menschen aus Risikogruppen
Gegen FSME steht eine Impfung zur Verfügung. Von der Ständigen Impfkommission (STIKO) und anderen Gesundheitsexperten wird Personen, die sich in FSME-Risikogebieten häufig im Freien aufhalten, ein Impfschutz empfohlen.

Auch für in der Natur Berufstätige wie Forstarbeiter oder Landwirte sowie für Urlauber, die in FSME-Risikogebiete im Ausland reisen, ist eine Impfung sinnvoll.

Das RKI bietet auf seiner Internetseite eine Übersicht über FSME-Risikogebiete in Deutschland. Diese befinden sich hauptsächlich in Bayern und Baden-Württemberg – aber auch stellenweise in Thüringen, Hessen, Rheinland-Pfalz oder dem Saarland.

Hinweise über ein FSME-Risiko im Ausland sind unter den Reisesicherheitshinweisen des Auswärtigen Amts im Netz zu finden.

Möglichst gut vor Zecken schützen
„Viele glauben, dass Zecken von den Bäumen fallen“, sagte Reckendrees von der BZgA. Doch das stimmt nicht. Zecken sitzen vor allem im Gras, Gebüsch oder Unterholz.

Um sich gut vor Zecken zu schützen, ist es daher sinnvoll, die Hose in die Socken zu stecken, wenn man im Unterholz unterwegs ist und langärmlige Kleidung zu tragen. Spezielle Insektensprays können die kleinen Tierchen fernhalten.

Wichtig ist aber immer, seinen Körper nach dem Aufenthalt in der Natur gründlich abzusuchen. Bemerkt man Zecken am Körper, sollte man sie rasch mit Klebeband entfernen. Oder mit einer Pinzette.

Hat sich das Tier schon festgesaugt, ist es beim Entfernen wichtig, nicht den Blutsack zu drücken, da dabei möglicherweise infektiöser Speichel oder Darminhalt verstärkt in die Blutbahn des Betroffenen gerät.

Laut Glasmacher vom RKI muss man nicht nach jedem Zeckenbiss zum Arzt. Das Risiko, sich mit Borreliose oder FSME anzustecken, sei laut dem Experten insgesamt gering.

Wer nach dem Biss einer Zecke jedoch bemerkt, dass eine Hautrötung an der Einstichstelle auftritt, sollte sofort zum Arzt. Denn diese ist ein Hinweis auf eine Borreliose. Dann ist eine Behandlung mit Antibiotika erforderlich. (ad)