Abrechnungsbetrug bei Krankenkassen nimmt zu

Fabian Peters

DAK berichtet über einen massiven Anstieg beim Abrechnungsbetrug

17.04.2012

Die Zeiten für Ärzte und andere Leistungserbringer im Gesundheitssystem werden offenbar schlechter. Zumindest deuten die von der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) ermittelten steigenden Fallzahlen des Abrechnungsbetrugs auf einen zusätzlichen Finanzbedarf einiger Mediziner hin.

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Die wachsende Zahl gefälschter Rezepte und manipulierter Rechnung spreche für eine „steigende kriminelle Energie bei den Leistungserbringern“ im deutschen Gesundheitssystem, erklärte der Leiter der DAK Ermittlungsgruppe, Volker zur Heide. Dem Experten zufolge sind die steigenden Fallzahlen jedoch „auch ein Beleg dafür, dass sich unsere Methoden bei der Hinweisprüfung und Fallverfolgung stetig verbessert haben.“ Im Jahr 2011 wurden bei der DAK 1.562 neue Hinweise auf Abrechnungsbetrug überprüft, was gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg um knapp 60 Prozent darstellt.

Die Masse rechnet medizinische Leistungen korrekt ab
Not macht erfinderisch und unter Umständen auch kriminell. Zumindest deutet die wachsende Zahl von manipulierten Rechnung, Schein-Behandlungen und gefälschten Rezepten darauf hin, dass viele Leistungserbringer im Gesundheitswesen ihre finanziellen Engpässe auf illegalem Wege zu beheben versuchen. „Da die Gelder im Gesundheitswesen zunehmend knapper werden, versuchen einzelne schwarze Schafe offensichtlich, ihre Einkünfte durch die gezielte Manipulation von Abrechnungen zu sichern“, betonte der DAK-Experte Volker zur Heide. Dem Leiter der Ermittlungsgruppe zu Folge rechnet die „breite Masse allerdings korrekt ab.“ Die von der DAK am Dienstag vorgestellte Studie zeigt jedoch einen bedenklichen Trend. Ein Anstieg um fast 60 Prozent beim Abrechnungsbetrug muss als Alarmsignal gewertet werden.

Abrechnungsbetrug in allen Leistungsbereichen des Gesundheitswesens
Mit seinem zehnköpfigen Ermittlungsteam hat Volker zur Heide im vergangenen Jahr 1.562 Hinweise auf Abrechnungsbetrug geprüft und für die DAK 1,7 Millionen Euro unrechtmäßig ausgeschütteter Mittel zurückgefordert. Diese Angaben beziehen sich ausschließlich auf „Fälle von vorsätzlichem Abrechnungsbetrug mit kriminellem Hintergrund, Geldrückflüsse aus der routinemäßigen Abrechnungsprüfung sind nicht enthalten“, berichtet die DAK. Um möglichem Fehlverhalten auf die Schliche zu kommen, „arbeiten die Ermittler eng mit anderen Kassen, den Vereinigungen der Kassenärzte und Kassenzahnärzte sowie der Kriminalpolizei und den Staatsanwaltschaften zusammen“, so die Mitteilung der DAK weiter. Bei den Leistungen für die rund 6,6 Millionen DAK-Versicherten seien die Hinweise auf Abrechnungsbetrug in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Derzeit bearbeiten die Ermittler nach eigenen Angaben noch rund 1.800 Verdachtsfälle, wobei die Täter in allen laut Mitteilung der DAK-Gesundheit in allen Leistungsbereichen zu finden sind. Es gebe jedoch Schwerpunkte. So seien im Jahr 2011 besonderes viele Hinweise auf Abrechnungsbetrug bei den sogenannten Heilmitteln „wie zum Beispiel Physiotherapie, Krankengymnastik oder Massagen“ eingegangen. Etwa 47 Prozent der Ermittlungen bezogen sich laut DAK auf diesen Bereich. Am zweit- und dritthäufigsten seien Mauscheleien im Bereich der Pflege und ärztlichen Behandlung mit 13 Prozent beziehungsweise 12 Prozent der untersuchten Hinweise.

Ermittler der Krankenkassen wollen Fehlverhalten unterbinden
Die untersuchten Fälle von Abrechnungsbetrug seien in den vergangenen Jahren „immer komplexer und die Fallbearbeitungen immer umfangreicher“ geworden, erklärt Volker zur Heide. Außerdem ist festzustellen, „dass die Leistungserbringer verstärkt Rechtsanwälte einschalten, was die Verfahren zusätzlich in die Länge zieht“, erklärte der Experte. Darüber hinaus werde die Arbeit der Ermittler durch die Einleitung von Insolvenzverfahren der Beschuldigten erschwert. Immer mehr Leistungserbringer melden im Laufe der Ermittlungen Insolvenz an, „wodurch eine Schadensregulierung nicht mehr möglich sei“, erläuterte zur Heide. Doch auch wenn am Ende kein Geld von den Betrügern zurückgefordert werden könne, so dient die Arbeit der Ermittler „einer gewissen Abschreckung“ und erhöht „dadurch langfristig auch die Hemmschwelle zur Manipulation“, berichtet der Chef der Ermittlungsgruppe. Dies sei ein „nachhaltiger Erfolg der Fehlverhaltensbekämpfung, auch wenn dieser nicht in Euro gemessen werden kann“, so zur Heide weiter. Allerdings scheint die Abschreckung bislang nur wenig Wirkung zu zeigen, ansonsten wäre ein Anstieg von knapp 60 beim Abrechnungsbetrug kaum zu erklären. (fp)