Abrechnungsbetrug: DAK fordert zwei Millionen Euro

Fabian Peters

Abrechnungsbetrug: Krankenkasse DAK fordert zwei Millionen Euro zurück

17.02.2011

Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen: Die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) geht Abrechnungsbetrügern an den Kragen. Bei einer Überprüfung der Abrechnungen aus dem Jahr 2010 haben Experten der DAK zahlreiche Unstimmigkeiten festgestellt und beanstandet. Die Kasse fordert nun insgesamt 2 Millionen Euro zurück.

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Immer wieder treten bei der Abrechnung von Medikamenten und medizinischen Leistungen Fehler auf, die zu erheblichen Mehrkosten bei den gesetzlichen Krankenkassen führen. Die DAK versucht daher, mit der intensiven Überprüfung der eingereichten Abrechnungen, insbesondere den mutwilligen Abrechnungsbetrügern auf die Schliche zu kommen. Dabei sind, nicht zuletzt aufgrund der erheblich verbesserten Recherchemethoden, in der Vergangenheit von Jahr zu Jahr mehr manipulierte Abrechnungen aufgefallen. Für das Jahr 2010 forderte die DAK aufgrund falscher Abrechnungen rund zwei Millionen Euro von den Leistungserbringern zurück.

Abrechnungsbetrug steigt um mehr als 50 Prozent
Nach Auskunft der DAK-Zentrale in Hamburg sind die zwei Millionen Euro ausschließlich in Fällen des vorsätzlichen Abrechnungsbetrugs mit kriminellem Hintergrund oder des vertragswidrigen Verhaltens (als Vertragsstrafen) wieder einkassiert worden. Die normalen Abrechnungskorrekturen seien in der Summe nicht mit inbegriffen. Knapp 1.000 neuen Hinweisen sind die Experten der DAK im Jahr 2010 nachgegangen, wobei die Ermittler 861 Fälle abschließen konnten, was einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 56 Prozent entspricht. Die Summe der eingeforderten Rückzahlungen habe sich dabei um 52 Prozent im Vergleich zum Jahr 2009 erhöht. Der DAK-Chefermittler Volker zur Heide erklärte, die Bilanz für 2010 zeige, „dass wir durch verbesserte Recherchemethoden mehr Betrüger und `Schwarze Schafe` erkennen und so mehr Geld für unsere Versicherten zurückholen konnten.“ Denn obwohl die breite Masse der Leistungserbringer vertragsgemäß abrechnet und sich nichts zuschulden kommen lasse, treten nach Aussage des Chefermittlers manipulierte Abrechnung in allen Bereichen des Gesundheitssystem auf.

Abrechnungsbetrug in allen Bereichen des Gesundheitssystems
Die Experten der DAK haben bei ihrer Überprüfung einen eindeutigen Schwerpunkt des Abrechnungsbetruges im Bereich der Heilmittel wie zum Beispiel Massagen oder Sprachtherapien festgestellt. 37 Prozent aller manipulierten Abrechnungen betrafen diesen Sektor. Ebenfalls auffällig waren nach Aussage der DAK die Abrechnungsbetrüge bei den ärztlichen Leistungen (11,4 Prozent), der Pflege (10,8 Prozent) und den Hilfsmitteln (10,4 Prozent) wie beispielsweise Rollstühlen und Hörgeräten. Allerdings lagen die eingeforderten Rückzahlungen in einem anderen Bereich am höchsten: Bei den Apotheken. Zwar betrafen nur 6,6 Prozent der Fälle manipulierte Abrechnungen von Medikamenten, doch der hier entstandene Schaden übertrifft die anderen Bereiche bei weitem. Von den insgesamt rund zwei Millionen Euro Rückzahlungen müssen die Apotheken etwa 600.000 Euro aufbringen – fast ein Drittel der Gesamtsumme, berichten die Experten der DAK. Die Zahlungen bei den Abrechnungsbetrügen der Medikamente seien besonders hoch, weil es „in diesem Bereich (…) oft um richtig viel Geld“ geht, erklärten die Ermittler der DAK. Bei einem einzigen Fall wie zum Beispiel dem Abrechnungsbetruges eines niedersächsischen Apothekers mit Krebsmedikamenten entstehe schnell ein Schaden von 250.000 Euro.

Abrechnungsbetrüge: Belastungsprobe fürs Gesundheitssystem
Insgesamt ist die wachsende Zahl der Abrechnungsbetrüge für das Gesundheitssystem eine deutliche Belastung. Oft arbeiten Ärzte, Apotheke und Patienten bei ihren betrügerischen Machenschaften eng zusammen, so dass die manipulierten Abrechnungen auch für die Ermittler der DAK nur schwer zu erkennen sind. Dabei müssen nicht immer finanzielle Interessen im Vordergrund stehen. Gelegentlich führt auch eine falsch verstandenen Hilfsbereitschaft dazu, dass wie im Fall des sogenannten Methadon-Arztes, der aktuell vor dem Landgericht Lüneburg verhandelt wird, erhebliche Schäden für die Krankenkassen entstehen. Besonders verwerflich sind die Abrechnungsbetrügereien jedoch, wenn sie ausschließlich der Bereicherung dienen. Denn die Belastungen für das ohnehin schon stark unter Druck geratene Gesundheitssystem sind erheblich. So wird die DAK auch in Zukunft alles daran setzen, die Abrechnungsbetrüger zu erwischen. Momentan gehen die Ermittler nach Auskunft der DAK-Zentrale rund 2000 Verdachtsfällen nach, wobei zur Bekämpfung des Fehlverhaltens im Gesundheitswesen eng mit anderen Krankenkassen, Vereinigungen der Kassenärzte und -zahnärzte sowie der Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft zusammengearbeitet werde. (fp)