Angst vor der Geburt: Hebammen helfen

Astrid Goldmayer

Eine Hebamme hilft die Angst vor der Geburt zu überwinden

16.10.2013

Viele Frauen haben Angst vor der Geburt und entscheiden sich deshalb für einen Kaiserschnitt. Dennoch gilt Geburtsangst als Tabuthema und wird häufig heruntergespielt. Dabei können intensive Gespräche die meisten Ängste beseitigen. Werden Schwangere von einer Hebamme betreut, sehen sie in den meisten Fällen nicht nur der Geburt entspannter entgegen, sondern haben zudem ein geringeres Risiko für Frühgeburten, wie eine Metastudie von britischen Forschern vom King’s College in London ergab.

Eine Hebamme kann die Schwangere bereits vor der Geburt betreuen
Viele Schwangere haben große Angst vor der Geburt. Häufig stehen dabei der Kontrollverlust, die Angst vor Schmerzen sowie die Sorge um das Kind im Vordergrund. Deshalb entscheiden sich manche Frauen für einen Kaiserschnitt, auch wenn einer natürlichen Geburt aus medizinischer Sicht nichts im Wege steht. Aus ihrer Erfahrung mit Schwangeren berichtet die Hebamme Katharina Helms gegenüber „Spiegel-Online“, dass sich viele Frauen nicht zutrauen würden, die Schmerzen bei der Geburt zu ertragen, oder sie befürchteten, „dass Kind nicht gesund zur Welt bringen zu können". Es komme immer wieder vor, dass sich werdende Mütter aus Angst für einen Kaiserschnitt entscheiden würden. Meist würden jedoch medizinische Gründe vorgeschoben werden. Laut Helms sind aber offene Gespräche wichtig, um die Angst in den Griff zu bekommen. Sie rät Schwangeren dazu, sich bereits vor der Geburt von einer Hebamme betreuen zu lassen.

Gelinge eine natürliche Geburt, gebe das den Frauen viel Stärke, berichtet die Geburtshelferin. „Daher versuche ich, auch ängstliche Frauen dazu zu ermutigen. Ich respektiere es aber, wenn sie sich anders entscheiden“, so Helms.

Angst vor Geburt durch Gespräche und Entspannungsmethoden bewältigen
„Grundsätzlich sind Ängste vor der Geburt normal und verständlich", erläutert Corinna Reck, Psychologin am Zentrum für Psychosoziale Medizin des Universitätsklinikums Heidelberg, gegenüber dem Magazin. „Eine Geburt ist schließlich eine Grenzerfahrung zwischen Leben und Tod." Bis zu 30 Prozent der Mütter litten nach der Entbindung an Symptomen eines Traumas. „Einige denken dann: Das will ich so nicht noch einmal erleben. Dann vergessen sie es wieder, das hat die Biologie so eingerichtet", berichtet die Psychologin. Bei etwa einem Prozent der Frauen trete eine dauerhafte posttraumatische Belastungsstörung auf, die behandelt werden müsse. Die Angst einiger Frauen sei sogar so groß, dass sie eine Phobie vor einer neuen Schwangerschaft entwickelten. Vor allem Missbrauchs- oder Gewaltopfer seien anfällig für Geburtsangst. „Ein Kontrollverlust über den eigenen Körper wie bei der Geburt ist für solche Frauen oft kaum zu ertragen", erklärt Reck.

Es müsse im Einzelfall herausgefunden werden, was einer Schwangeren hilft, um die Ängste zu überwinden. „Neben Gesprächen gibt es hypnotherapeutische Entspannungsmethoden, mit denen wir gute Erfolge erzielen", sagt die Psychologin.

Mutter und Kind profitieren von Betreuung durch Hebamme
Im Rahmen einer Metastudie, in der Patientendaten von mehr als 16.000 Frauen aus 13 Untersuchen analysiert wurden, kamen Jane Sandall vom King’s College in London und ihre Kollegen zu dem Ergebnis, dass Schwangere deutlich von einer regelmäßigen Betreuung durch eine Hebamme profitieren. Demnach benötigen Frauen, die vor der Geburt von einer Hebamme betreut wurden, seltener eine lokale Betäubung (Periduralanästhesie) und einen Dammschnitt. Zudem mussten während der Entbindung seltener Instrumente zur Geburtshilfe eingesetzt werden.

Wie die Forscher herausfanden, sank zudem das Risiko für eine Frühgeburt. Auch kam es bei den durch eine Hebamme betreuten Frauen seltener zum Kindstod vor der 24. Schwangerschaftswoche. Nach der 24. Woche gab es keinen Unterschied in der Sterberate der Kinder im Vergleich zu Frauen, die keine Hebammenbetreuung erhielten.

Die betreuten Frauen hatten häufiger eine natürliche vaginale Geburt und waren insgesamt zufriedener, hieß es in einigen Studien. Das bessere Wohlbefinden der Frauen könnte die Gesundheitskosten für eine Geburt reduzieren, schreiben die Forscher und raten Schwangeren, sich von einer Hebamme betreuen zu lassen. Davon profitierten letztlich Mutter und Kind. (ag)

Bild: Katrin Schindler / pixelio.de