Aspirin als Schutz vor Krebs?

Heilpraxisnet

Britische Forscher feiern das wohl bekannteste Medikament der Welt: Aspirin

07.08.2014

Aspirin soll vorbeugend gegen Krebs und Herzinfarkt schützen. Die Schutzwirkung des wohl bekanntesten Medikaments der Welt soll dabei seine Risiken, zu denen Blutungen im Magen-Darm-Trakt und Gehirn zählen, überwiegen. In der Online-Ausgabe des Fachblatts „Annals of Oncology“ rechnen der Präventionsexperte Jack Cuzick von der Queen Mary University of London und seine Forscherkollegen vor, dass sich das Risiko für Krebs, Herzinfarkt und Schlaganfall durch eine täglich eingenommene, niedrige Dosis des Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) – zwischen 75 bis 325 Milligramm über zehn Jahre – um sieben Prozent bei den europäischen Frauen und um neun Prozent bei den männlichen Europäern im Alter zwischen 50 bis 65 Jahren reduzieren kann.

Verbeugende Einnahme von Aspirin könnte Zahl der Krebs- und Herzinfarkt-Fälle reduzieren
Wenn Aspirin prophylaktisch eingenommen werde, überwiege seine Schutzfunktion vor Krebs und Herzinfarkt die Risiken von gesundheitlichen Schäden durch Blutungen im Magen-Darm-Trakt und im Gehirn, schreiben die Forscher. Erstmals wurde das Mittel 1897 in Elberfeld von dem Pharmakonzern Bayer in seiner Rheinform synthetisiert. Der Patentschutz wurde bereits vor vielen Jahren aufgehoben, so dass auch andere Hersteller ASS produzieren und anbieten.

„Für Personen mit einem durchschnittlichen Risiko im Alter von 50 bis 65 Jahren, die Aspirin über 10 Jahre einnehmen, gäbe es eine relative Verringerung von 7 Prozent (Frauen) und 9 Prozent (Männer) der Zahl der Krebsfälle sowie der Herzinfarkt- oder Schlaganfall-Ereignisse über einen Zeitraum von 15 Jahren und eine insgesamt vierprozentige relative Verringerung aller Todesfälle über einen Zeitraum von 20 Jahren“, schreiben die Forscher im Fachmagazin.

Aspirin kann Blutungen im Magen-Darm-Trakt und Gehirn auslösen
Die Mediziner zeigen am Beispiel von 100 Frauen und 100 Männern, wie sich die regelmäßige Einnahme von ASS beginnend im Alter von 55 Jahren statistisch gesehen in den nächsten 20 Jahre auswirken würde: Von 100 Männern würden 11,5 an einer Krebserkrankung sterben – unabhängig von der Aspirin-Einnahme. 1,5 von ihnen könnten jedoch durch das Mittel gerettet werden. Im Fall des Herztods könnten 0,25 Todesfälle durch ASS verhindert werden. Dem gegenüber stehen die Risiken von Aspirin, die in einer ähnlichen Größenordnung liegen, insbesondere aufgrund der erhöhten Blutungsneigung, die zu Magenblutungen und Schlaganfall führen kann. „Blutungen sind der größte gesundheitliche Schaden, der mit Aspirin in Verbindung gebracht wird, und ihre Risiko und die Todesrate steigen mit dem Alter“, heißt es im Fachmagazin. Insbesondere Menschen über 70 Jahre haben ein erhöhtes Risiko für eine verstärkte Blutungsneigung.

„Es ist lange bekannt, dass Aspirin vor Tumoren wie Dickdarmkrebs und Speiseröhrenkrebs schützen kann“, zitiert die Online-Ausgabe der „Süddeutschen Zeitung“ Cuzick. „Bisher war aber unklar, ob die Vor- die Nachteile überwiegen.“ Die Euphorie der Forscher könnte der Zeitung zufolge aber auch damit in Verbindung stehen, dass viele von ihnen als Berater für Bayer tätig sind. (ag)

Bild: Rainer Sturm / pixelio.de