Bauchspeicheldrüsenentzündung oft bei Blutgruppe B

Heilpraxisnet

Träger der Blutgruppe B haben ein 2,5-fach erhöhtes Risiko für Bauchspeicheldrüsenentzündung

17.09.2014

Jährlich werden mehr als 72.000 Patienten in Deutschland mit einer akuten oder chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung behandelt. Mehr als 1.600 überleben die Erkrankung nicht. Neben den Hauptrisikofaktoren, hoher Alkoholkonsum, Tabakrauch und das Auftreten von Gallensteinen, hat auch die erbliche Veranlagung Einfluss auf Entstehung einer Pankreatitis. Forscher der Universität Greifswald entdeckten jüngst, dass die Blutgruppe ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Demnach haben Menschen mit der Blutgruppe B – immerhin jeder achte Deutsche – ein 2,5-fach erhöhtes Risiko gegenüber den Trägern der Blutgruppe 0, an der chronischen Form zu erkranken.

Bei Blutgruppe B erhöhtes Risiko für Bauchspeicheldrüsenentzündung und Bauchspeicheldrüsenkrebs
„Unsere Ergebnisse sind auch deshalb interessant, weil in einer anderen Studie gezeigt wurde, dass die Blutgruppe B auch einen wichtigen Risikofaktor für die Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs darstellt. Dies weist darauf hin, dass die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung und das Pankreaskarzinom zum Teil dieselbe genetische Grundlage haben“, erläutern die beiden Senior-Autoren der Greifswalder Studie, Prof. Markus M. Lerch und Dr. Georg Homuth. Etwa 12 Prozent der deutschen Bevölkerung haben den Experten zufolge die Blutgruppe B.

Erhöhter Lipase-Wert Bei Patienten mit Bauchspeicheldrüsenentzündung
Im Rahmen ihrer Untersuchung analysierten die Forscher zunächst die Blutwerte von 4.000 gesunden Probanden der SHIP-Studie zur Erforschung der Ursachen von Krankheiten sowie von 1.400 ebenfalls gesunden Blutspendern. Im nächsten Schritt wurde das Blut von 1.000 an einer Bauchspeicheldrüsenentzündung erkrankten Patienten untersucht. Dabei machten sich die Forscher das Wissen zunutze, dass Menschen mit Pankreatitis einen deutlich erhöhten Lipase-Wert im Vergleich zu Gesunden aufweisen.

Dr. Claudia Schurmann und Dr. Frank U. Weiss forschten dann im Blut von 5.400 Gesunden nach möglichen Erbfaktoren, die die Höhe der Lipase beeinflussen. Dabei stellte sich heraus, dass Träger der Blutgruppe B vermehrt einen hohen, aber im Normbereich liegenden Lipase-Wert aufwiesen. Zudem wiesen sie Veränderungen im Gen für das Enzym Fucosyltransferase 2 (FUT 2) auf.

Die Blutanalyse der 1.000 Patienten mit Bauchspeicheldrüsenentzündung bestätigte, dass bei ihnen sowohl die Blutgruppe B gehäuft auftrat, als auch der sogenannte FUT2-Non-Secretor-Status starken Veränderungen unterlag, der die erblich bedingte Unfähigkeit definiert, dieses Enzym aus den Drüsenzellen auszuscheiden. Daraus errechneten die Forscher ein 2,5-fach erhöhtes Krankheitsrisiko für Träger der Blutgruppe B im Vergleich zur Blutgruppe 0. „Interessant ist, dass diese Erhöhung des Krankheitsrisikos sich vorwiegend auf Patienten mit chronischer Pankreatitis bezieht und nicht auf Patienten mit einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung, unabhängig davon, ob die Patienten zu viel Alkohol trinken oder nicht“, erläutert Dr. Schurmann.

Bei Blutgruppe B Risikofaktoren für Bauchspeicheldrüsenentzündung vermeiden
„Den Risiko-Genvarianten liegt möglicherweise ein gemeinsamer physiologischer Mechanismus in den Bauchspeicheldrüsenzellen zugrunde“, so Dr. Weiss, „weil in Abhängigkeit sowohl von der ABO-Blutgruppe als auch vom FUT2-Non-Secretor- oder Secretor-Status unterschiedliche Zuckerreste an die von Epithelzellen ausgeschiedenen Eiweiße angehängt werden.“

Menschen mit Blutgruppe B sollten die Risikofaktoren für Bauchspeicheldrüsenentzündung wie Alkohol- und Nikotinkonsum vermeiden oder minimieren, raten die Forscher. So weist Dr. Homuth daraufhin, dass Rauchen das Erkrankungsrisiko verdoppele. Bei Alkohol sei die Menge entscheidend.

Der größte erblich bedingte Risikofaktor sind Lerch zufolge aber Mutationen im Trypsinogen-Gen, die bei acht von zehn Menschen mit dieser Veränderung zur Entstehung einer Bauchspeicheldrüsenentzündung führen. Innerhalb der Blutgruppe B erkrankt von 4.000 Trägern einer.

Bild: Herbert Käfer / pixelio.de