Bauchspeicheldrüsenkrebs: Spezifisches Enzym ist ursächlich für Resistenz der Krebs-Tumore

Bauchspeicheldrüsenkrebs-Tumorzellen werden durch ein spezielles Enzym resistent gegen die Wirkung von Medikamenten. (Bild: lom123/fotolia.com)
Fabian Peters
Ursache für die Behandlungsresistenz von Bauchspeicheldrüsenkrebszellen entdeckt
Bauchspeicheldrüsenkrebs zählt zu den besonders bösartigen Krebserkrankungen. Die Aussichten auf eine erfolgreiche Behandlung stehen bis heute extrem schlecht. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und Stammzellinstituts HI-STEM in Heidelberg haben nun entdeckten, warum manche Tumoren der Bauchspeicheldrüse so resistent gegen die Behandlung sind. Offensichtlich produzieren die Tumorzellen größere Mengen eines Enzyms, das viele Medikamente abbaut und das eigentlich in der Leber vorkommt. Eine Blockade des Enzyms könnte die Wirksamkeit der Therapie bei Bauchspeicheldrüsenkrebs deutlich erhöhen. Ihre aktuellen Studienergebnisse haben die Forscher in dem Fachmagazin „Nature Medicine“ veröffentlicht.

Die Wissenschaftler des DKFZ und des Stammzellinstituts HI-STEM stellten nicht nur fest, dass die Tumorzellen durch das Enzym vor der Wirkung der Medikamente geschützt werden, sondern sie konnten auch nachweisen, dass die Krebszellen bei einer Blockade des Enzyms wieder empfindlich gegenüber der Therapie werden. Darüber hinaus haben die Forscher einen „in der Klinik gut umsetzbaren Test“ entwickelt, „mit dem sich drei Tumortypen mit unterschiedlichem Krankheitsverlauf nachweisen lassen“, berichtet das DKFZ.

Bauchspeicheldrüsenkrebs-Tumorzellen werden durch ein spezielles Enzym resistent gegen die Wirkung von Medikamenten. (Bild: lom123/fotolia.com)
Bauchspeicheldrüsenkrebs-Tumorzellen werden durch ein spezielles Enzym resistent gegen die Wirkung von Medikamenten. (Bild: lom123/fotolia.com)

Prognose bei Bauchspeicheldrüsenkrebs meist schlecht
Für Betroffene mit Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreastumoren) ist die Prognose in der Regel sehr schlecht. Nicht selten haben sie nach Feststellung der Krankheit nur noch wenige Monate zu leben. „Das liegt meist daran, dass die Erkrankung häufig erst entdeckt wird, wenn der Tumor bereits metastasiert hat und zu diesem Zeitpunkt eine Operation nicht mehr sinnvoll ist“, berichtet das DKFZ. Außerdem seien viele der Tumoren resistent gegenüber Chemotherapien. Die kürzlich entdeckten drei verschiedenen Typen von Pankreastumoren unterscheiden sich in ihrer Aggressivität, aber auch in ihrem Ansprechen auf Medikamente, so eines der Ergebnisse der aktuellen Untersuchungen des Forscherteams um Andreas Trumpp und Martin Sprick vom DKFZ und vom Stammzellinstitut HI-STEM.

Enzym hilft beim Abbau der Medikamente
In ihrer Studie konnten die Forscher feststellen, dass die Tumorzellen der resistenten Subtypen verstärkt das Enzym CYP3A5 produzieren, welches normalerweise in der Leber aktiv ist. Laut Aussage der Erstautorin Elisa Noll machen sich „die Pankreas-Tumorzellen diese Enzymkaskade zunutze und bauen damit Medikamente ab, bevor sie überhaupt wirken können.“ Auf diese Weise würden die Zellen gegen viele derzeit verwendete Krebsmedikamente resistent. Den Angaben von Martin Sprick zufolge ist es den Forschern „bereits gelungen, das Enzym in den Tumorzellen und sogar in tumortragenden Mäusen gezielt zu blockieren, und die Zellen dadurch für die Medikamente wieder empfindlich zu machen.“ Die Wissenschaftler hoffen nun, Substanzen zu finden, die auch bei menschlichen Patienten eingesetzt werden können.

Resistenz als Reaktion auf die Behandlung?
Laut Angaben der Forscher kann „die CYP3A5-vermittelte Medikamentenresistenz bei Krebszellen auch erst im Laufe der Behandlung auftreten.“ Die Tumorzellen reagieren damit praktisch auf die eingesetzten Medikamente. Zwar seien „circa zwanzig Prozent der Pankreastumoren durch die Produktion dieses Enzyms von vornherein resistent“, doch ist davon auszugehen, „dass die sekundäre Resistenz bei noch wesentlich mehr Patienten eine Rolle spielt“, betont Martin Sprick. Die Forscher begründen diese Annahme mit der festgestellten Reaktion der Krebszellen auf die längerer Gabe des Medikaments Paclitaxel. Zuvor sensitive Tumorzellen hätten plötzlich vermehrt CYP3A5 produziert und dann nicht mehr auf die Behandlung angesprochen, berichtet das DKFZ.

Das festgestellte Enzym könnte nach Ansicht der Wissenschaftler auch bei anderen Krebserkrankungen die Wirksamkeit der Therapie verringern. So seien zum Beispiel beim Magenkarzinom und Leberkrebs ebenfalls Hinweise auf eine CYP3A5-vermittelte Medikamentenresistenz entdeckt worden, berichtet das DKFZ. Möglicherweise spiele der bislang unbekannte Mechanismus auch eine Rolle bei de Scheitern einzelner klinischer Studien. (fp)

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