Bewegung nach einen Herzinfarkt erhöht die Lebenserwartung maßgeblich

Alexander Stindt

Was bewirkt körperliche Aktivität nach einem Herzinfarkt?

Wenn Menschen einen Herzinfarkt erlitten haben, müssen sie danach besonders gut auf ihre Gesundheit achten. Forscher fanden jetzt heraus, dass körperliche Aktivität das Risiko halbiert, nach einem Herzinfarkt innerhalb von vier Jahren zu versterben.


Die Wissenschaftler der Swedish School of Sport and Health Sciences und der Gothenburg University stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass eine gesteigerte Aktivität nach einem Herzinfarkt die Wahrscheinlichkeit halbiert, innerhalb der nächsten vier Jahre zu versterben. Die Mediziner veröffentlichen die Ergebnisse ihrer Studie beim diesjährigen European Society of Cardiology congress in Ljubljana, Slovenia.

Wenn Menschen einen Herzinfarkt erlitten haben, sollten sie danach ihre körperliche Aktivität erhöhen, um sich vor einem vorzeitigen Tod zu schützen. (Bild: ARochau/fotolia.com)

Es wurden mehr als 22.000 Teilnehmer untersucht

Für ihre Studie untersuchten die Experten insgesamt mehr als 22.000 Probanden. Die Forscher analysierten, ob eine erhöhte Aktivität nach einem Herzinfarkt vor einem vorzeitigen Tod schützen kann. Tatsächlich konnten die Wissenschaftler feststellen, dass die Teilnehmer, welche nach einem Herzinfarkt körperlich aktiver waren, dadurch eine halbierte Wahrscheinlichkeit aufwiesen, innerhalb der nächsten vier Jahre zu versterben.

Wie wirkt sich Bewegung auf Menschen mit Herzinfarkt aus?

Es ist bekannt, dass körperlich aktive Menschen weniger wahrscheinlich einen Herzinfarkt erleiden und länger leben, erklärt Studienautor Dr. Örjan Ekblom von der Swedish School of Sport and Health Sciences gegenüber „The Times“. Es war aber nicht bekannt, wie sich Bewegung auf Menschen nach einem Herzinfarkt auswirkt. Also untersuchten die Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und Überleben nach einem Herzinfarkt. Die Teilnehmer der Studie stammten aus Schweden und hatten alle zwischen dem Jahr 2005 und dem Jahr 2013 einen sogenannten Myokardinfarkt erlitten.

Teilnehmer wurden zu ihrer körperlichen Aktivität befragt

Während der Studie wurde die körperliche Aktivität sechs bis zehn Wochen und zwölf Monate nach einem Herzinfarkt gemeldet. Anhand der Abweichungen zwischen den dabei erhaltenen Antworten konnten die Änderungen der körperlichen Aktivität im Jahr nach dem Herzinfarkt festgestellt werden. Bei beiden Gelegenheiten wurden die Patienten befragt, wie oft die Teilnehmer in den vorangegangenen sieben Tagen einen Zeitraum von 30 Minuten oder länger trainiert hatten. Die Patienten wurden dann entweder kategorisiert als ständig inaktiv, reduzierte Aktivität, erhöhte Aktivität oder ständig aktiv.

Wie stark reduzierte Bewegung das Risiko vorzeitig zu versterben?

Während der durchschnittlichen medizinischen Follow-up-Periode von 4,2 Jahren verstarben insgesamt 1.087 Probanden. Die Forscher analysierten den Zusammenhang zwischen den vier Kategorien von körperlicher Aktivität und dem Tod nach Anpassung an Faktoren wie Alter, Geschlecht, Rauchen und klinische Faktoren. Im Vergleich zu Patienten, welche ständig inaktiv waren, war das Risiko des Todes um 37 Prozent, 51 Prozent und 59 Prozent niedriger bei Patienten in den Kategorien reduzierte Aktivität, erhöhte Aktivität oder konstant aktiv.

Patienten sollten nach einem Herzinfarkt körperlich aktiv werden

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Patienten ihr Risiko für einen vorzeitigen Tod verringern können, indem sie nach einem Herzinfarkt körperlich aktiv werden, erklärt Dr. Ekblom. Wenn die Patienten nach einem Herzinfarkt sechs bis zehn Wochen körperlich aktiv waren, danach aber wieder inaktiv wurden, profitierten sie immer noch von der zusätzlichen Bewegung. Natürlich sind die Vorteile für aktive Menschen noch weitaus größer, wenn sie körperlich aktiv blieben.

Diese Ratschläge sollten Betroffene beachten

Die Studie liefert zusätzliche Anhaltspunkte für medizinische Fachkräfte und politische Entscheidungsträger, erläutert Dr. Ekblom. Diese sollten die körperliche Aktivität bei Herzinfarktpatienten systematisch fördern. Übungen, welche zweimal oder öfter pro Woche durchgeführt werden, sollten automatisch für Herzinfarktpatienten empfohlen werden, genauso wie sie den Rat erhalten sollten, mit dem Rauchen aufzuhören, die Ernährung zu verbessern und Stress abzubauen, fügt der Experte hinzu. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass diese Ratschläge für alle Herzinfarktpatienten gelten.

Weitere Forschung ist nötig

Es wurde bei der Studie nicht genauer untersucht, welche Art von Übung Patienten durchgeführt haben. Daher ist mehr Forschung erforderlich, um herauszufinden, ob es irgendeine Art von Aktivität gibt, die nach einem Herzinfarkt besonders vorteilhaft ist, fügt Studienautor Dr. Ekblom hinzu. (as)