Bürolärm ist ein großer Stressfaktor

Nina Reese

Lärm im Großraumbüro führt zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen

30.04.2014

Wer in einem Großraumbüro arbeitet, kennt das Problem: Ständiges Telefonklingeln, Gespräche unter Kollegen sowie durchgängige Maus- und Tastaturgeräusche können auf Dauer unangenehm und anstrengend werden. Dadurch wirkt sich der hohe Lärmpegel in vielen Büros häufig negativ auf die Leistungsfähigkeit aus. In vielen Fällen verursacht der Krach aber auch so massiven Stress, sodass es zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie Kopfschmerzen oder Bluthochdruck kommt.

Plaudereien unter Kollegen der größte Störfaktor
Die Arbeit in einem Großraumbüro kann sehr anstrengend sein, gerade wenn die Kollegen viel telefonieren und es keine Akkustiktrennwände gibt. Durch den ständigen Lärm fällt es oft nicht leicht, sich zu konzentrieren – in der Folge kommt es zu ständigen Unterbrechungen und einer verminderten Leistungsfähigkeit. Da es immer mehr Büros gibt, in denen mehrere Kollegen zusammen arbeiten, wächst das Problem: „Ich halte die Höhe des Schadens und den Grad der Belästigung für unterschätzt", so der Mediziner und Psychologe Markus Meis gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Laut Meis, der für das Hörzentrum der Universität Oldenburg forscht, könne die Leistungsfähigkeit von Mitarbeitern durch einen hohen Lärmpegel am Arbeitsplatz um fünf bis zehn Prozent sinken, wobei Plaudereien unter Kollegen dabei der größte Störfaktor seien.

Sprache kann vom Gehirn nicht ausgeblendet werden
Wie der Krach im Büro erlebt wird, ist individuell zwar ganz unterschiedlich, lasse sich aber dennoch messen, erklärt Meis weiter. Der Experte hatte beispielsweise untersucht, wie sich ein Gespräch zweier Kollegen in direkter Nähe auf die Leistungen des Arbeitsgedächtnisses am Schreibtisch auswirken. „Das sind bis zu zehn Prozent“, so das Ergebnis des Mediziners. Das große Problem dabei: Niemand könne sich effektiv gegen diesen störenden Einfluss wehren, denn "unser Gehirn richtet sich ganz automatisch auf Sprachverarbeitung aus“, erklärt Meis. Während das Klingeln von Telefonen jedoch mit der Zeit ausgeblendet werden könne, sei dies bei Sprache nicht möglich.

Großraumbüros akustisch nicht vorteilhaft
Dementsprechend sei es aus Expertensicht auch kaum möglich, in einem Großraumbüro wissenschaftliche Arbeiten zu verfassen oder komplexe Berechnungen anzustellen, erläutert der Physiker Georg Brockt gegenüber der „dpa“. Ein nicht zu unterschätzendes Problem, denn laut Brockt seien derzeit schon mehr als die Hälfte der 12 bis 15 Millionen Büroarbeitsplätze in Form von Großraumbüros konzipiert. Für den Physiker, der bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Dortmund arbeitet, könnte diese Form von Büro zwar Pluspunkte im kommunikativen und sozialen Bereich bringen, „aber akustisch sind sie nicht vorteilhaft.“ Hier könne nur genug Platz zwischen den einzelnen Schreibtischen Abhilfe schaffen, denn durch einen doppelten Abstand würde eine Reduzierung des Schalls um 50% bedeuten, erklärt Wolfgang Panter, Präsident des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte. Mehr Raum für die Angestellten würde sich dem Experten nach für die Arbeitgeber auf jeden Fall rechnen – auch wenn diese Maßnahme mit höheren Gebäudekosten einhergeht. Denn wer am Platz für seine Mitarbeiter spart, müsse nicht nur mit einer verminderten Leistungsfähigkeit, sondern auch mit mehr Krankheitsfällen rechnen.

Lärm kann Muskelverspannungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen
Der Hintergrund: Lärm ist nicht nur unangenehm und kann auf Dauer zu Hörschäden wie Tinnitus und Schwerhörigkeit führen, sondern kann zu einem massiven Stressfaktor werden, der sich negativ auf das Nervensystem auswirkt. In der Folge kann der Lärm am Arbeitsplatz zu einer echten Gesundheitsgefahr werden und beispielsweise zu Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Magenleiden, Bluthochdruck, Muskelverspannungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zum Herzinfarkt führen. Neben dem gefährdet der Lärm im Büro auch die seelische Gesundheit, denn dieser wird von der menschlichen Psyche als dauerhafte Alarm- und Gefahrensituation gewertet. Dadurch kommt es schnell zu innerer Unruhe und einer aggressiven Grundhaltung, was letztendlich den Umgang und die Kommunikation mit anderen Menschen bzw. den Kollegen gravierend erschweren kann.

Rechtzeitig für mehr Ruhe sorgen
Hier sollte also rechtzeitig die „Notbremse“ gezogen werden und bei starker Lärmbelästigung im Großraumbüro nach Möglichkeiten gesucht werden, wie diese reduziert werden kann. Eine wirkungsvolle Möglichkeit sind mobile Trennwände, durch die der Schall absorbiert werden kann, auch Pflanzen im Büro sorgen nicht nur für ein angenehmes Raumklima, sondern reduzieren ebenfalls den Lärmpegel. Werden neue Geräte angeschafft, sollte darauf geachtet werden, dass diese geräuscharm sind – das Prüfsiegel „Blauer Engel“ gibt hier eine gute Orientierung. Laute Geräte wie zum Beispiel Plotter, Kopierer sollten zudem nach Möglichkeit in einem separaten Raum untergebracht werden. Gerade in Großraumbüros eignet sich zudem häufig der Einsatz von Mobiltelefonen, die statt des lauten Klingelns eine Vibrationsfunktion haben, die Verwendung von Headsets bewirkt darüber hinaus weniger Störung der Kollegen. Zudem sollte nach Möglichkeit immer ein Ausweichraum existieren, in welchen sich Mitarbeiter zurückziehen können, um konzentriert ohne Ablenkung arbeiten zu können. (nr)

Bild: Jorma Bork / pixelio.de