Bulgarischer Atomreaktor nach Panne vom Netz

Sebastian

Notabschaltung nach Pannen in bulgarischem AKW

28.05.2012

In Bulgarien hat sich am Wochenende ein atomarer Störfall ereignet. Nach einer Warnmeldung in der Leitzentrale des Atomkraftwerks Kosloduj an der Donau, musste ein Reaktorblock vom Netz genommen werden. Laut Behördenangaben sei keine Radioaktivität in die Umwelt gelangt.

In dem bulgarischen Kernkraftwerk Kosloduj ist einer von zwei Reaktoren nach einer Störmeldung abgeschaltet worden. Ein Sprecher des Betreibers teilte mit, dass der „Tausend-Megawatt-Reaktor am Samstagabend nach einer Warnmeldung automatisiert vom Stromnetz getrennt“ wurde. Nähere Angaben zu den genauen Umständen der Störung wurden allerdings nicht gemacht. Es habe ein „technisches Problem eines Turbogenerators“ vorgelegen, wie es hieß, der aber „bereits in der Zwischenzeit behoben wurde“.

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Keine erhöhte Strahlenbelastung in der näheren Umgebung
Ein Austritt von Radioaktivität wird seitens des Atomkraftwerksbetreibers verneint. Messungen in der näheren Umgebung hätten keine erhöhten Strahlenbelastungen ergeben. Der defekte Generator habe außerhalb des Reaktorkreislaufs gelegen, daher sei davon auszugehen, dass keine Radioaktivität nach in die nähere Umgebung gelangt sei, teilte das Kraftwerkmanagement mit. Die Gesundheit der Bevölkerung und Mitarbeiter sei nicht gefährdet.

Der Bezirk Kosloduj befindet sich unmittelbar an der Donau im Nordwesten von Bulgarien. Die Hauptstadt Sofia liegt nur etwa 200 Kilometer von dem Atomkraftwerk entfernt. Würde es zu einem Supergau kommen, müsste die Stadt evakuiert werden. Am Dienstag vergangener Woche wurde Bulgarien von einem Erdbeben der Stärke 5,8 erfasst. Einen Zusammenhang zwischen dem Beben und dem stattgefundenen Störfall wird seitens der Betreiber verneint.

Notabschaltung des Reaktorblocks
Eine installierte Schutzvorrichtung habe einen Zwischenfall von größerem Ausmaß verhindert, in dem eine Notabschaltung automatisch initiiert wurde. Erst am Donnerstag war der andere Reaktorblock nach Wartungsarbeiten wieder in Betrieb genommen. Wie die bulgarische Regierung kürzlich mitteilte, wurden die Laufzeiten beider Blöcke um 20 Jahre verlängert. Von insgesamt sechs Blöcken sind nach einigen Modernisierungsarbeiten nur noch zwei vollständig in Betrieb.

Bereits mehrere Pannenserien
Bereits 2003 meldete die staatliche Atombehörde ein Leck an einer Schweißnaht des primären Kreislaufs des mittlerweile stillgelegten dritten Reaktors. Im Anschluss trat eine Notkühlung ein. Im Jahre 2006 ereignete sich ebenfalls ein Störfall. Weil der Verlust des Kühlmittels hätte eintreten können, drohte eine akute Kernschmelze. Der Reaktor wurde mit Hilfe von Borsäure abgeschaltet. Ursprünglich hatte der Betreiber den Zwischenfall laut der „Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse“ mit der Stufe 0 klassifiziert. Im Nachhinein stufte die nationale Aufsichtsbehörde den Vorfall mit der Stufe 2 ein. Der Störfall wurde erst Monate später publik. Aufgrund von Sicherheitsbedenken wurden noch vor dem Beitritt in die EU vier von sechs Reaktoren im Jahre 2007 abgeschaltet.

Der Kernmeiler entstammt alter sowjetischer Bauart und wurden mit Hilfe der damaligen UDSSR im Jahre 1969 erbaut. Das Kernkraftwerk ist baugleich mit dem ehemaligen Atomkraftwerk Greifswald. Nach der Wende wurde das AKW Greifswald aufgrund massiver Sicherheitsrisiken umgehend stillgelegt.

Weiterer Atomreaktor geplant
Das Mitgliedsland der europäischen Union (EU) plant in naher Zukunft einen weiteren 1000-Megawatt-Block in Kosloduj zu errichten. Erst im März diesen Jahres hatte die bulgarische Regierung erklärt, ein mit Russland geplanten Gemeinschaftsbau bei Belene an der Donau nicht mehr umzusetzen. Dafür soll ein weiterer Block russischer Machart in Kosloduj errichtet werden. Bulgarien deckt ein Drittel seinen Strombedarf mit Hilfe von Atomkraftwerken. (sb)