Burn-out: Geschäftemachen mit dem Stress anderer

Astrid Goldmayer

Mode-Diagnose Burnout: Viele machen ihr Geschäft mit den Leiden der Geplagten

13.12.2011

Mit dem Leid von Burn-out-Patienten machen immer mehr Privatklinken, Coaches und unseriöse Anbieter von sogenannten Antistress-Reisen ein gutes Geschäft. Die Leidtragenden dieser Geschäftpraktiken sind die Patienten, denn viele Methoden sind nach Meinung von Experten nutzlos.

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Burn-out: eine tickende Zeitbombe
„Burn-out“ wird laut der Gewerkschaft IG Metall zur tickenden Zeitbombe. Immer mehr Arbeitnehmer fühlen sich ausgebrannt und beklagen zunehmend psychische Erkrankungen, wie beispielsweise Depressionen. Die Gewerkschaft fordert deshalb entsprechende Anti-Stress-Verordnungen am Arbeitsplatz, um die Verbreitung des Erschöpfungssyndrom einzudämmen.

Während noch vor einigen Jahren Rückenschmerzen ganz oben auf der Liste der häufigsten gesundheitlich bedingten Ausfälle am Arbeitsplatz zu finden waren, sind es heute Burnout Syndrome, die der deutschen Wirtschaft laut dem Prüfkonzern Dekra jährlich etwa 43 Milliarden Euro kosten. Tendenz steigend.

Diesen Umstand machen sich inzwischen Anbieter von Anti-Stress-Coachings, Privatkliniken mit sogenannten Wellness-Angeboten und viele andere zu nutze. In der Regel sind die Angebote stark überteuert und bringen nicht den gewünschten Genesungseffekt. Frank Berndt, Betreiber einer Burn-out-Fachberatung, erklärt: „Leute, die ich betreue, stehen oft vor dem Kollaps. Die brauchen kein Yoga auf La Palma.“

Für Betroffene ist nicht unbedingt klar ersichtlich, ob es sich um seriöse Angebote handelt. Im Internet sind neben zahlreichen Angeboten auch viele Test zu finden, in denen das eigene Burn-out-Risiko abgefragt wird. Diese Art der „Diagnose“ ist sehr unseriös und hilft Betroffenen in den seltensten Fällen weiter.

Besonders Privatkliniken wittern ein Geschäft
Matthias Burisch, Psychologieprofessor, berichtet über die Angebote vieler Privatkliniken: „Vor allem Privatkliniken haben das Thema entdeckt. Es wird nicht schaden, wenn man dahin geht, aber vermutlich auch nichts nützen.“ Der heute 67-Jährige war einer der ersten Deutschen, die das Burn-out-Syndrom untersucht haben. Er berichtet, dass es 1974 den ersten Boom gab, es seit 2006 aber „permanent boome“.

Was ist Burn-out?
Unter dem Burn-out-Syndrom versteht man extreme emotionale Erschöpfung. Damit geht eine stark eingeschränkte Leistungsfähigkeit einher. Auslöser kann übermäßiger Stress und Überforderung sein. Betroffene fühlen sich kraftlos, müde, „ausgebrannt“ und schwach und kapseln sich häufig von ihrer Umwelt ab.

Es ist wichtig, einen Arzt oder ausgebildeten Therapeuten zu konsultieren, um andere psychische Erkrankungen, die zum Teil parallel auftreten können, auszuschließen und einen Therapieplan zu erstellen. Folgen eines unbehandelten Burn-out-Syndroms können apathisches, depressives oder aggressives Verhalten sowie abnehmendes Interesse bis hin zum Selbstmord sein.

Seriöse Therapien des Burn-out-Syndroms
Problematisch ist, dass bis heute keine verlässliche ärztliche Diagnose gibt, denn die Symptome eines Burn-outs sind sehr diffus. Außerdem gibt es Überschneidungen mit Therapien anderer psychischer Störungen, wie zum Beispiel Depressionen, Stress, Unzufriedenheit mit der beruflichen Situation, Angststörungen oder Neurotizismus. Aufgrund der Unschärfe in der Abgrenzung zu anderen Erkrankungen ist es schwierig konkrete Zahlen der tatsächlich Betroffen zu nennen. Laut Schätzungen der Krankenkassen klagt ein Viertel bis ein Drittel der Deutschen über das Gefühl, ausgebrannt zu sein. Ob tatsächlich ein Burnout dahintersteckt, ist nicht immer abschließend diagnostizierbar. (ag)