Unterforderung macht krank: Das Bore-out-Syndrom

Sebastian

Unterforderung im Job kann krank machen. Das Syndrom hierfür nennt man "Bore-out-Syndrom".

(27.06.2010) Die meisten Menschen kennen den Fachbegriff für das Ausgebrannt sein, das "Burn Out Syndrom". Durch die ständige Überforderung, das Zurückfahren sozialer Kontakte und persönlicher Interessen aufgrund des Jobs, geraten vor allem sehr engagierte Menschen in die Burnout Falle. Nicht sehr bekannt dürfte das Unterforderungs-Syndrom "Bore-out" (boredom) sein. So sagte der Frankfurter Psychotherapeut Wolfgang Merkle gegenüber "Welt Online": "Das Burn-out ist sehr viel angesehener als darüber zu klagen, dass man nicht genug zu tun hat, falsch eingesetzt ist oder kein Interesse an seiner Arbeit hat".

Symptome bei einem Boreout.
Die Symptome können einem Burnout sehr ähnlich sein. So klagen die meisten Patienten über Kopfschmerzen, Schlafstörungen, innere Unruhe, Depression, Schwächung des Immunsystems und daraus folgend eine höhere Anfälligkeit für Infektionen. Eine ständige Unterforderung am Arbeitsplatz verursacht auch Stress. Laut Merkle seien Frauen etwas anfälliger für diese psychische Erkrankung als Männer.

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Unzufriedenheit und Langeweile potenzieren sich.
Paradoxerweise verbleiben viele Patienten in der unzufriedenen Situation am Arbeitsplatz. Die Betroffenen versuchen Unterforderung, Desinteresse und Langeweile mit vermeintlichen Arbeitsaufgaben zu überdecken. Kommt zum Beispiel ein Vorgesetzter in den Raum, suggeriert der Betroffene zahlreiche geschäftliche Aufgaben. Ist der Chef wieder weg, wird sich wieder der Langweile zugewendet. Der Grund für das Verharren in den unzufriedenen Arbeitsstrukturen ist die gewachsene Unterforderung. Der Betroffene will zumindestens vortäuschen, dass er "sehr gebraucht" wird, obwohl ihm nur "langweilige Aufgaben" übertragen werden. Im Grunde genommen wollen aber die Betroffene Herausforderungen, werden jedoch um unnützen oder langweiligen Tätigkeiten bedacht.

Erstmals wurde über die Diagnose Boreout im März 2007 in einem Fachbuch von Philippe Rothlin und Peter R. Werder berichtet. In dem Buch wurden verschiedene Handlungsstrategien vorgestellt, die bei einem Boreout angewandt werden können. Seit dem wird in der Fachwelt über Zusammenhänge und Ursachen diskutiert. (sb)

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Bild: Konstantin Gastmann / pixelio.de.