Chronischer Marihuana-Konsum beeinträchtigt unser verbales Erinnerungsvermögen

Laut einer aktuellen Studie beeinträchtigt Marihuna das verbale Erinnerungsvermögen. (Bild: Eric Limon/fotolia.com)
Fabian Peters
Studie: Schlechteres verbales Gedächtnis durch Marihuana-Konsum
Dass der Konsum von Cannabis Auswirkungen auf das menschliche Gehirn hat, ist unbestritten. Allerdings kommen Wissenschaftler in diesem Bereich oft zu ganz unterschiedlichen Erkenntnissen. Eine neue Studie aus der Schweiz zeigt nun, dass der langjährige Konsum von Marihuana zur Verschlechterung des verbalen Erinnerungsvermögens führt.

Auswirkungen auf das Gehirn
Marihuana wird zwar vor allem als Rauschmittel genutzt, es kann aber auch als Arzneimittel eingesetzt werden. Dessen Wirksamkeit ist unter anderem bei Übelkeit und Erbrechen wissenschaftlich nachgewiesen. Und erst kürzlich wurde in einer Studie bestätigt, dass Cannabis hilfreich gegen Migräne ist. In Umfragen sprechen sich 90 Prozent der Deutschen für einen leichteren Zugang zu Cannabis für Patienten aus. Kritiker verweisen gerne auf die negativen Konsequenzen des Kiffens. So gab es in der Vergangenheit wissenschaftliche Untersuchungen, die darauf hindeuteten, dass der Konsum von Marihuana das Gehirn schrumpfen lässt. Inzwischen sind jedoch in weiteren Studien erhebliche Zweifel an der These geäußert worden, dass Kiffen den IQ mindert. Eine neue Studie aus der Schweiz weist nun darauf hin, dass der Konsum von Cannabis zur Verschlechterung des verbalen Gedächtnisses führen kann.

Laut einer aktuellen Studie beeinträchtigt Marihuna das verbale Erinnerungsvermögen. (Bild: Eric Limon/fotolia.com)
Laut einer aktuellen Studie beeinträchtigt Marihuna das verbale Erinnerungsvermögen. (Bild: Eric Limon/fotolia.com)

Verschlechterung des verbalen Erinnerungsvermögens
Wie die Forscher der Université de Lausanne laut einer Mitteilung von „pressetext.com“ erläuterten, führt der langjährige Konsum von Marihuana zur Verschlechterung des verbalen Erinnerungsvermögens. Den Angaben zufolge hatte das Team um Reto Auer die kognitive Leistungsfähigkeit von Konsumenten in mittleren Jahren untersucht. Frühere Untersuchungen hatten bereits einen Zusammenhang zwischen dem Langzeitkonsum und Einschränkungen der Kognition, insbesondere beim Lernen und Erinnern neuer Informationen, nachgewiesen. Wie es heißt, wurde bisher noch kein Zusammenhang mit einer geringeren konsumierten Menge nachgewiesen.

Kognitive Leistungen getestet
Für ihre Analyse nutzten die Wissenschaftler Daten der Studie „Artery Risk Development in Young Adults“, die Werte aus 25 Jahren Konsum von Marihuana enthält. Im letzten Jahr der genannten Untersuchung war die kognitive Leistung durch Standardtests zum verbalen Erinnerungsvermögen, der Geschwindigkeit bei der Verarbeitung und den Leistungen bei der Ausführung beurteilt worden. Anhand dieser Daten untersuchten die Forscher den Zusammenhang zwischen jahrelangem Konsum und der kognitiven Leistung in den mittleren Lebensjahren. Getestet wurden 3.499 Teilnehmer, wobei von 3.385 Daten zur kognitiven Funktion vorlagen. 84,3 Prozent von ihnen gaben einen Konsum an, 11,6 Prozent setzten diesen Konsum bis ins mittlere Alter fort.

Früherer Konsum verschlechtert Erinnerung stärker
Die Wissenschaftler stellten fest, dass ein früherer Konsum mit einem schlechteren verbalen Erinnerungsvermögen bei den Studienteilnehmern in Zusammenhang stand. Andere Bereiche der Kognition schienen jedoch nicht betroffen zu sein. Den Angaben zufolge verringerten sich die Werte pro fünf Jahre früheren Konsums um 0,13 Punkte. Dies entspricht in etwa, dass einer von zwei Teilnehmern sich an ein Wort weniger in einer Liste von 15 Ausdrücken erinnerte. Trotz der Größe der Studie wiesen die Autoren dennoch auf einige mögliche Einschränkungen hin. So könnten die Angaben der Teilnehmer nicht zuverlässig sein. Außerdem waren die Messungen während des Konsums von Marihuana nicht regelmäßig und wurden daher nicht berücksichtigt. Es ist auch nur schwer möglich, festzustellen, wann die Veränderungen stattgefunden haben weil die kognitiven Tests nur einmalig durchgeführt wurden. Die Wissenschaftler haben ihre Ergebnisse kürzlich im Fachmagazin „JAMA Internal Medicine“ veröffentlicht. (ad)

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