Demenz: Ganzheitlicher Behandlungsansatz

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Demenz: Ganzheitlicher Behandlungsansatz mit "MAKS aktiv"

Demenz wird angesichts der wachsenden Zahl von Betroffenen auch in Deutschland immer mehr zu Thema. Dabei stehen verschiedene neue Behandlungsansätze zur Verfügung, die unter anderem eine ganzheitliche Förderung Demenzkranker beinhalten, nicht zuletzt um den massiven Einsatz von Medikamenten zu reduzieren. Eine dieser neuen Methoden ist das derzeit in der Erprobung befindliche Therapieprogramm „MAKS aktiv“.

Ohne Medikamente Demenz behandeln
Das neue Verfahren der nicht-medikamentösen Mehrkomponententherapie (MAKS aktiv) setzt auf die Anregung der motorischen, alltagspraktischen, kognitiven und spirituellen Fähigkeiten der Patienten und hilft so, dass die Betroffenen kognitiv stabil bleiben, erklärt Elmar Gräßel von der Universitätsklinik Erlangen. 129 Demenzkranke werden in fünf Pflegeheimen der Diakonie Neuendettelsau mit der neuen Methode behandelt, wobei an sechs Tagen in der Woche jeweils zwei Stunden lang die motorischen, alltagspraktischen, kognitiven und spirituellen Fähigkeiten der Patienten angeregt und gefördert werden.

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Gemeinschaft, Struktur und Verlässlichkeit erleben
Mit diesem ganzheitlichen Behandlungsansatz wird nicht nur die Stimmungslage der Patienten verbessert und ihre praktischen Alltagsfähigkeiten geschult, sondern „die Menschen erkennen, was noch in ihnen steckt. Durch die regelmäßigen Treffen entdecken sie Gemeinschaft, Struktur und Verlässlichkeit", erläutert Stephan Abt, Leiter des Sigmund-Faber-Heims in Hersbruck.
Und von dem abwechslungsreichen therapeutischen Angebot profitieren nicht nur die Patienten sondern auch die Mitarbeiter. Denn zur Entlastung des Pflegepersonal ist einen Aufbesserung der depressiven Grundstimmung von Demenzkranken, laut Renate Stemmer von der Katholischen Fachhochschule Mainz, äußerst wichtig. Stephan Abt ergänzt, dass die Kombination von MAKS aktiv und Demenzmedikamenten erstmals auch eine zeitweise Verbesserung der Fähigkeiten der Betroffenen als realistisch erscheinen lässt.

Gleichstarke Effekte wie bei einer Vergabe von Medikamenten
Mit "MAKS aktiv" ließen sich nach Angaben von Prof. Elmar Gräßel von der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Universitätsklinik Erlangen etwa gleichstarke Effekte auf Gedächtnis und Denken erzielen, wie mit den derzeit besten verfügbaren Medikamente. Die neue Methode wirkt Prof. Gräßel zu Folge im Vergleich sogar stärker auf die alltagspraktischen Fähigkeiten sowie die gesamte Symptomatik der Patienten und erzielt seiner Ansicht nach wahrscheinlich länger anhaltende Effekte als die bekannten Medikamente. Auch das Sozialverhalten der Dementen hat sich laut Prof. Gräßel im Rahmen der Behandlung eindeutig verbessert und sie waren weniger aggressiv sowie seltener depressiv.

MAKS aktiv ist eines von 29 "Leuchtturmprojekten Demenz", für die das Bundesgesundheitsministerium insgesamt 13 Millionen Euro Fördergelder bereitgestellt hat. Grundvoraussetzung für die Teilnahmen der Patienten war, das sie noch im Stande sind, sich an Gruppenangeboten zu beteiligen. Die Form der Betreuung ist jedoch sehr zeit- und personalintensiv, so dass Behandlungsmethoden wie MAKS aktiv so nur in Einzelfällen organisiert werden können, erklärte Stephan Abt. Die Ergebnisse haben jedoch überzeugt: manche Probanden haben plötzlich sogar wieder ganze Sätze gesprochen und seien auch zwei Stunden nach der Sitzung noch geistig präsent gewesen. Teilweise konnten sich die Patienten sogar an vergessene Dinge aus ihrem Leben oder verloren Fähigkeiten zurückerinnern.

Knapp 1,3 Millionen Menschen leiden in Deutschland an Demenz, wobei Alzheimer die mit Abstand verbreitetste Form ist. Ungefähr ein Drittel der Betroffene lebt derzeit in Pflegeheimen. Die Symptome einer Erkrankung reichen dabei von Konzentrationsschwächen, zeitlichem und räumlichem Orientierungsverlust, Passivität und Hilflosigkeit bis hin zum Verlust des erlernten Wissens und der eigene Biografie. Auf Veränderungen bzw. Neuerungen reagieren die Demenzkranken oft überfordert und bisweilen auch aggressiv. (fp, 25.09.2010)