Depressiv, dumm und müde im Winter

Heilpraxisnet

Der Winter schlägt vielen aufs Gemüt

09.12.2013

Die Tage werden kürzer. Man geht Dunklen aus dem Haus zur Arbeit und kehrt im Dunkeln auch wieder zurück. Die grauen Wintermonate lassen bei vielen Menschen Schwermut und Lethargie aufkommen. Schuld daran kann ein Mangel an Vitamin D sein. Neuste Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass ein Mangel auch die Hirnleistung negativ beeinflusst. Medizinisch wird die gedrückte Stimmung auch "Seasonal Affective Disorder-Syndrom" kurz SAD genannt, von der in Deutschland 4 Millionen Menschen betroffen sind. Sie können in der Nacht nicht genügend Erholung finden und sind am Tag entsprechend müde. Winterdepressionen werden als Sonderform der affektiven Störungen im ICD-10 den depressiven Störungen zugeordnet.

Mangelndes Licht führt zu Depression und Gedächtnisschwäche
Wissenschaftler der University of Alabama haben die Daten von etwa 15.00 Frauen und Männern mit Depressionen untersucht und dabei die Auswirkungen der kognitiven Fähigkeiten in Bezug auf den Aufenthalt im Tageslicht untersucht. Dabei kam heraus, dass der Denkapparat der SAD-Patienten beeinträchtigt ist. Menschen die sich überwiegend im Dunkeln aufhalten, haben ein 1,4 fach erhöhtes Risiko, aufgrund des fehlenden Sonnenlichts, für eine kognitive Beeinträchtigung wie beispielsweise eine Gedächtnisschwäche. Das betrifft aber nur Personen, die generell unter winterdepressiven Verstimmungen leiden. Für den Studienleiter Shia Kent deuten die Ergebnisse der Studie daraufhin, dass hormonelle Veränderungen die Auslöser für kognitive Beeinträchtigungen sind.

Die Produktion des Botenstoffs Serotonin, der unter anderem für die Steuerung und Beeinflussung der Wahrnehmung, des Schlafs, der Schmerzempfindung und Schmerzverarbeitung verantwortlich ist, wird durch mangelnde Lichtzufuhr zurückgefahren. Anstelle des „gute Stimmung“ Hormons wird vermehrt das für den Tag-Nacht-Rhythmus zuständige Melatonin in der Zirbeldrüse gebildet und ausgeschüttet. Als Folge ermüden wir schneller und sind vermehrt abgeschlagen. "In anderen Studien zeigte sich zudem, dass die Hirndurchblutung vom Tageslicht abhängt“, erörtert Kent. Ein Mangel kann also zu einer Beeinträchtigung der kognitiven Fähigkeit führen.

Osteoporosepatienten haben ähnliche Stimmungslagen
Einen ähnlichen Effekt konnten Wissenschaftler bei Menschen nachweisen, die unter Osteoporose leiden. Bei Ihnen besteht ein Zusammenhang zwischen dem Vitamin D –Spiegel im Blut, der Stimmungslage und der geistigen Fähigkeiten. Diesen Effekt beobachteten Forscher der University of Texas bei Patienten mit besonders niedrigem Vitamin-D-Spiegel, die zusätzlich einem Hang zu Depression haben. Anhand der Daten von 1000 hochbetagten Senioren konnte bewiesen werden, dass je niedrigere die Vitamin-D-Werte vorhanden sind, umso schlechtere Ergebnisse zeigten sich auch bei Tests zu Gedächtnis- und Konzentrationsleistungen.

Die Wissenschaftler um die Studienleiterin Katherine Tucker konnten Stoffwechselwege im Gehirn nachweisen, an denen das Vitamin beteiligt ist. Diese finden vorwiegend im Hippocampus und im Kleinhirn statt, die beide an der Produktion neuer Erinnerungen beteiligt sind. Diese Ergebnisse belegen, dass Vitamin- D Mangel ein Auslöser von Depression und kognitiven Einschränkungen ist, und nicht erst als Folge derer auftritt.

Genauso wichtig wie Vitamin C
Dass Vitamin D noch an vielen weiteren Krankheitsgeschehen beteiligt zu sein scheint, konnten kanadische Forscher in der Vergangenheit aufzeigen. Brustkrebspatientinnen, die zeitgleich unter Vitamin-D-Mangel litten, haben ein dreifach erhöhtes Risiko für di Bildung von Metastasen. Hinzu kommt bei Ihnen ein um 73 Prozent erhöhtes Risiko, innerhalb der ersten 10 Jahre nach Entdeckung, zu sterben. Vitamin D, da sind sich die Experten einig, übernimmt eine zentrale Funktion innerhalb des Körpers bei der Abwehr von Autoimmunerkrankungen wie Morbus Crohn, Multipler Sklerose. Auch bei der Abwehr von Atemwegsinfekten zeigen Menschen mit erniedrigtem Vitamin-D-Spiegel ein um etwa ein Drittel erhöhtes Risiko.

Vitamin D wird in der Haut produziert
Vitamin D wird ähnlich wie Serotonin durch die Aufnahme des Sonnenlichts über unsere Haut produzier. Je mehr UV-B-Strahlen dabei absorbiert werden könne, umso mehr Vitamin D kann der Körper produzieren. Schon ein Tagesspaziergang von 20 Minuten reicht im Winter für schon aus.

Vitamin- D Präparate nicht für jedermann gut
Vitamin D kann in Überdosierung aber auch der Gesundheit schaden, und sogar die Entstehung von Arteriosklerose und Infarkten fördern. Gesunden Menschen sollten daher auf Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin –D verzichten. Nahrungsmittel wie Käse, Fisch, Fleisch und Eier wirken sich ebenfalls positiv auf die Vitamin-D-Bilanz aus. Doch es lässt sich auch anders auf die Produktion einwirken. "Ein Solariumbesuch alle zwei Wochen reicht in der Regel aus, um den Vitamin-Level vom Sommer über den Winter zu retten", erklärt Morten Bogh, der an der Universität Kopenhagen zu diesem Thema forscht. Die Naturheilkunde kann ebenfalls helfen. Zahlreiche Hausmittel gegen Winterdepressionen haben sich in der Praxis bewehrt. (fr)

Bild: Gerd Altmann / pixelio.de