Diabetiker-Lebensmittel bieten keine Vorteile

Sebastian

Diabetiker-Lebensmittel vor dem Aus

Spezielle Diabetes Lebensmittel bieten keine Vorteile und können sogar die Gesundheit schädigen.

(06.09.2010) Die meisten Diabetiker-Lebensmittel bieten keine Vorteile und ihr Verzehr kann in manchen Fällen sogar nachteilig für die Gesundheit sein. So lautet der Stand der Forschung und daher wird der Ausschuss des deutschen Bundesrates für Agrarpolitik und Verbraucherschutz heute aller Voraussicht nach mit der "Sechzehnten Verordnung zur Änderung der Diätverordnung" die Abschaffung der Diabetiker-Lebensmittel beschließen. Die anschließend noch notwendige Bestätigung der Entscheidung durch den Bundesrat gilt als reine Formalsache.

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Bisher rund halbe Milliarde Umsatz mit Diabetiker

Mit den speziell für Diabetiker angebotenen Diätlebensmitteln ließen sich bisher Millionen verdienen. So schätzt der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Hersteller von Lebensmitteln für besondere Ernährung, Norbert Pahne den Umsatz mit Diabetikerprodukten für 2009 auf 138 Millionen Euro, zuzüglich ca. 380 Millionen Euro Einnahmen aus dem Verkauf zuckerarmer Getränke. „Das Geschäft mit den sogenannten Diabetiker-Lebensmitteln ist außerordentlich lukrativ”, wie auch der Präsident der Deutschen Diabetes– Gesellschaft, Thomas Danne betont. Die Gesellschaft hatte bereits seit langem die Abschaffung der Diabetiker-Lebensmittel gefordert, konnte sich gegen die Lobby der Lebensmittelhersteller jedoch nicht durchsetzten. Auf Basis der zu erwartenden politischen Beschlüsse ist nun jedoch ein Wendepunkt erreicht, an dem die Unternehmen ihre Strategie umstellen müssen.

Transparenz größte Hilfe für Diabetiker

Anstatt der Entwicklung fragwürdiger Rezepturen sei es weit sinnvoller, „die Nährwerte auf einem Lebensmittel nachvollziehbar zu kennzeichnen", erklärte Thomas Danne, denn auf etlichen Lebensmitteln fehlen bis heute exakte Angaben über den Gehalt an Eiweiß, Zucker, Fetten, Ballaststoffen und Salzen sowie zum Brennwert oder zur Gesamtmenge an Kohlenhydraten pro 100 Gramm. Diabetiker sind auf solche genauen Angaben jedoch besonders angewiesen, da es für sie nur damit möglich ist, „ihr Insulin korrekt zu dosieren und ihre Ernährung zuverlässig zu planen", erklärte der Präsident der Deutschen Diabetes-Gesellschaft weiter.

Diabetiker-Lebensmittel entsprechen nicht den Ernährungsempfehlungen.
Da zahlreiche Diabetiker-Lebensmittel, wie z. B. spezielle Kekse oder Marmelade generell nicht mehr den Ernährungsempfehlungen der Bundesregierung entsprochen haben und zudem häufig mehr Fett und Kalorien enthielten als die normalen Produkte, sah sich die Politik an dieser Stelle zum Handeln gezwungen. Den Lebensmittelherstellern entgehen dabei erhebliche Einnahmen, sie haben jedoch bis 2012 Zeit ihre Produktpalette anzupassen und können Restposten auch danach noch verkaufen. Die Unternehmen sind anschließend nicht nur dazu gezwungen die Hinweise auf den Verpackungen anzupassen, sondern müssen bei bestimmten Produkten auch die Rezepturen korrigieren. So ist z. B. vom Branchenriesen „Schneekoppe“ zu hören, dass nach erforderlichen Anpassungen der Produktdeklaration und der Rezepturen, nur noch bis zu 60 Prozent ihres "prodieta"-Sortimentes weitergeführt werden können.

Umstellung für Unternehmen und Diabetiker

Der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Hersteller von Lebensmitteln für eine besondere Ernährung, Norbert Pahne betonte jedoch, dass die größte Umstellung auf Patienten zukommt, „die ihre Insulinmengen auf diese Produkte abgestimmt haben.” Aber auch die Unternehmen werden nach Ansicht des Fachmanns eindeutige Folgen der Änderungen zu spüren bekommen. Den mehr als sechs Millionen Menschen, die in Deutschland an Diabetes leiden, verspricht die Reform vor allem mehr Transparenz und somit eine bessere Möglichkeit ihre Krankheit zu kontrollieren. Insbesondere die ersatzlose Streichung der in Paragraf 12 der Diätverordnung genannten Anforderungen an diätetische Lebensmittel für Diabetiker, wie z. B. von Fructose als Zuckerersatz oder Diabetiker-Brot mit Brennwert von höchstens 840 Kilojoule pro 100 Gramm, wurde dabei von Seite der Betroffenen sehr begrüßt. Auch bietet sich hier ein guter Anlass für die Unternehmen ihre Produktdeklaration anzupassen, um mehr Transparenz im Sinne der Betroffenen zu erreichen, so Thomas Danne von der Deutschen Diabetes-Gesellschaft. (sb)