EHEC: Keine selbst gezogenen Sprossen essen

Sebastian

EHEC: Keine selbst gezogenen Sprossen essen

13.06.2011

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin rät allen Konsumenten davon ab, selbst gezogene rohe Sprossen oder Keimlinge zu verzehren. Es verdichten sich derzeit Hinweise, dass vor allem das Saatgut für Sprossen mit den gefährlichen EHEC Bakterienstämmen verseucht ist. Daher sind nicht nur die Sprossen aus dem niedersächsischen Bio-Bauernhof betroffenen, sondern sehr wahrscheinlich Saatgut, wie dieser im deutschen Handel zu kaufen ist.

Nach Informationen des Bundesinstituts für Risikobewertung verdichten sich epidemiologischer Hinweise darauf, dass Sprossensamen zu einer Kontamination der Sprossen ursächlich beigetragen haben könnten. Niedersächsische Gesundheitsbehörden berichten aktuell von einem EHEC-Fall, bei dem sehr wahrscheinlich selbst gezogene Sprossen Ursächlich waren. Die gesamte Familie war an dem mutierten EHEC Keim erkrankt und befindet sich in stationärer Behandlung. Bislang konnte der EHEC-Keim nicht an dem Samen labortechnisch nachgewiesen werden. Viele Menschen nutzen die Möglichkeit, Sprossen im eigenen Garten oder Heim zu züchten. Die Zuchtbehälter sind in zahlreichen Geschäften erhältlich. „Wenn bereits die Samen mit Keimen belastet sind, dann schützt auch die Einhaltung von Küchenhygieneregeln nicht vor einer EHEC-Erkrankung“, so BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. „Aus Vorsorgegründen empfiehlt deshalb das BfR, derzeit auch auf den Verzehr selbstgezogener roher Sprossen zu verzichten.“

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Bereits am vergangenen Freitag hatten das Bundesinstitut für Risikobewertung, das Robert-Koch-Institut und das Bundesverbraucherschutzministerium dringend davor gewarnt, zusätzlich zum intensiven Händewaschen und den üblichen Hygienemaßnahmen auf den Konsum vom Sprossen zu verzichten. Diese Warnung gelte für eine unbestimmte Zeit, bis die Neuinfektionsrate deutlich zurückgegangen ist. Forscher des Nationalen Referenzlabors für Escherichia coli am BfR haben mittlerweile bestätigt, dass die mit EHEC kontaminierten rohen Sprossen, die aus einem Haushalt mit an EHEC erkrankten Patienten in Nordrhein-Westfalen stammten, identisch mit dem Bakterienstamm aus den erkrankten Patienten waren.

Behörden suchen weiterhin nach EHEC Ursprungsquelle
Nach Angaben des BfR sind die Behörden weiterhin aktiv damit beschäftigt, den sogenannten Eintragspfad für die Verunreinigung der Sprossen zu finden. Vordergründig geht es darum, das möglicherweise kontaminierte Saatgut zurück zu verfolgen. Hierzu werden alle verfügbaren Daten zu Lieferlisten und Vertriebswegen, Erkrankungsfällen usw.. intensiv beleuchtet, bewertet und ergänzt. Durch die Analyse erhoffen sich die Forscher, den EHEC Ausbruch aufklären zu können. In einigen Laboren werden Saatgut-Proben derzeit untersucht. Mit den ersten Ergebnissen wird zu Beginn der laufenden Woche gerechnet. (sb)