Ernährung: Hochwertige vegane Proteine als künftiger Fleischersatz

Volker Blasek

Neue Produktionsanlage soll hochwertiges pflanzliches Eiweiß erzeugen

Zwei Millionen Euro Fördergeld gewinnt ein deutsches Forscherteam, dass in fast zehnjähriger Vorarbeit die Grundsteine für ein neuartiges Verfahren legte, mit dem aus fast beliebigen pflanzlichen Rohstoffen wertvolle Proteine gewonnen werden können. Das so entstehende Eiweiß ist nach Angaben der Wissenschaftler 100 Prozent pflanzlich, allergenfrei, ökologisch und gentechnikfrei. Es sei sowohl für Diäten, als auch für Sportler sowie für Babys und Senioren geeignet und biete so eine bislang einzigartige Konkurrenz zu Fleisch- und Milchprodukten.


Das Forscherteam um Professor Hans-Jürgen Danneel gehört zu den Gewinnern des bundesweiten Förderwettbewerbs Go-Bio des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Mit dem bahnbrechenden Konzept konnte sich zum ersten Mal ein Gründerteam einer Fachhochschule durchsetzen. Das ambitionierten Projekt soll einen Beitrag zur Sicherung der weltweiten Ernährung und zum Klimaschutz leisten. Mit dem Fördergeld soll innerhalb der nächsten zwei Jahre die erste Produktionsanlage dieser Art entstehen.

Aus Nebenprodukten, die beim Anbau von Raps, Mais und Hopfen entstehen, sollen demnächst hochwertige vegane Proteine hergestellt werden. (Bild: Ingo Bartussek/fotolia.com)

Veganes Eiweiß aus landwirtschaftlichen Nebenprodukten

Die neue Anlage soll aus Nebenprodukten, die bei dem Anbau von Mais, Raps und Hopfen anfallen, in einem mehrstufigen Verfahren pflanzliche Proteine gewinnen. Geringwertige oder unerwünschte Inhaltsstoffe werden während des Verfahrens entfernt. Auf diese Weise lassen sich Nahrungsmittelzusätze erzeugen, die zu 100 Prozent natürlich, pflanzlich, allergenfrei, gentechnikfrei und ohne Zusätze sind. In der neuen Pilotanlage sollen in circa zwei Jahren bis zu 50 Kilogramm täglich von diesen Nahrungsmittelzusätzen produziert werden.

Reale Konkurrenz zu Milch- und Fleischprodukten

„Wir schaffen damit jenseits aller ideologischen Diskussionen erstmals qualitativ und sensorisch objektiv höherwertige Wettbewerbsprodukte zu den heute marktdominierenden Milch- oder Fleischproteinen“, berichtet Projektleiter Danneel in einer Pressemitteilung zur Preisverleihung. Diese Technologie trage zur Sicherung der weltweiten Ernährung bei, verbessere die Wertschöpfungskette, schone unsere Gewässer, vermeide Gentechnik und helfe beim Klimaschutz, resümiert Timo Broeker aus dem Gewinner-Team.

Gründung einer neuen Produktionsanlage

Die Produktionsanlage soll mit einer digitalen Steuerung ausgestattet werden – auf dem neusten Stand der Technik. Das Projekt soll auch als Demonstration für das Netzwerk „SmartFoodTechnologyOWL“ dienen. Alle wichtigen Positionen wie Geschäftsführung Finanzen, Technik und Entwicklung der Produktionsanlage übernimmt das Gründerteam selbst.

Weitere Beteiligungen werden derzeit verhandelt

„Wir sind sehr optimistisch, eine weitere Millionen Euro Beteiligungskapital generieren zu können“, so Danneel. Derzeit lote das Team alle Möglichkeiten aus, um für das Vorhaben sowohl strategisch als auch finanziell die optimalen Startbedingungen zu schaffen. Zur Debatte steht unter anderem auch eine Beteiligung der Hochschule Ostwestfalen-Lippe, von der das Forscherteam stammt.

Über Go-Bio

Die Gründungsoffensive Biotechnologie (Go-Bio) des BMBF ermöglicht Forscherinnen und Forschern eine bis zu sieben Jahre dauernde unterstützt für ausgewählte Projekte. Zusätzlich zu den Fördergeldern wird unternehmerisches Wissen vermittelt und die Geförderten erhalten Coaching- und Beratungsleistungen. Auf der Webseite des BMBF wird das Protein-Projekt in einem kurzen Video vorgestellt. (vb)