Erste Infektion seit 20 Jahren: Masern aus Deutschland nach Guatemala importiert

Alfred Domke

Frau aus Guatemala schleppt Masern aus Deutschland in ihr Heimatland ein

Eine junge Frau aus Guatemala hat sich bei einem Aufenthalt in Deutschland mit Masern angesteckt und die Krankheit in ihr Heimatland eingeschleppt. Es ist der erste Masern-Fall seit 20 Jahren in dem zentralamerikanischen Land. Das Gesundheitsministerium hat nun weitreichende Schutzmaßnahmen ergriffen.

Zahl der Masern-Fälle gestiegen

Erst kürzlich berichteten Gesundheitsexperten über eine steigende Zahl der Masern-Fälle in Deutschland. Die Infektionskrankheit ist zwar seit Einführung der Masernimpfung vor rund 40 Jahren auf dem Rückzug, doch die Masern-Ausrottung wurde immer wieder gebremst. Schuld daran sei, dass hierzulande nicht ausreichend geimpft werde. Von einer Elimination der Krankheit spricht man, wenn mindestens 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sind, das Virus sich nicht mehr ausbreiten kann und weniger als ein Fall pro eine Million Einwohner und Jahr auftritt. In Guatemala wurde dieses Ziel bereits vor 20 Jahren erreicht, die Krankheit galt dort als ausgerottet. Doch nun gibt es in dem zentralamerikanischen Land wieder einen Masern-Fall – importiert aus Deutschland.

Guatemala war zwei Jahrzehnte frei von Masern. Doch nun ist eine junge Frau in dem zentralamerikanischen Land an der hochansteckenden Infektionskrankheit erkrankt. Infiziert hat sie sich in Deutschland. (Bild: pit24/fotolia.com)

Krankheit von Deutschland nach Guatemala eingeschleppt

Guatemala galt seit 1998 als frei von Masern. Nach zwei Jahrzehnten ist in dem zentralamerikanischen Land erstmals wieder ein Masern-Fall gemeldet worden.

Medienberichten zufolge hatte sich eine 17-jährige Frau aus Guatemala bei einer Reise nach Deutschland mit dem hochansteckenden Virus infiziert.

Wie das Gesundheitsministerium von Guatemala in einer Mitteilung schreibt, war die junge Frau bei ihrer Rückkehr in ihr Heimatland vor wenigen Tagen noch frei von Symptomen.

Daher bestehe kein Risiko, dass die Patientin während des Flugs oder am Flughafen andere Menschen angesteckt habe.

Schutz der Bevölkerung

Den Angaben zufolge wurde mittlerweile bestätigt, dass die 17-Jährige an Masern erkrankt ist. Das Gesundheitsministerium hat nach der Diagnose weitreichende Schutzmaßnahmen ergriffen.

Wie es heißt, werden alle Schüler und Lehrer, die dieselbe Schule in Guatemala-Stadt besuchen wie die Erkrankte, geimpft.

Auch die Familie der Patientin, die Nachbarn sowie medizinisches Personal und Patienten, mit denen sie möglicherweise Kontakt hatte, sollen die Schutzimpfung erhalten.

Darüber hinaus wurden auch andere Eltern aufgefordert, ihren Nachwuchs impfen zu lassen.

Keine harmlose Kinderkrankheit

Auch in Deutschland werden Gesundheitsexperten nicht müde, dazu aufzurufen, sich impfen zu lassen.

Masern werden von manchen Menschen noch immer als harmlose Kinderkrankheit abgetan. Doch die Infektionskrankheit befällt auch Erwachsene.

Im vergangenen Jahr erkrankten hierzulande fast tausend Menschen.

Masern sind hochansteckend. Übertragen wird die Krankheit per Tröpfchen-Infektion. Sie beginnt mit grippeähnlichen Symptomen wie hohem Fieber, Husten und Schnupfen. Später folgt der charakteristische Hautausschlag.

Ganz allgemein schwächen Masern das Immunsystem. Als Folge davon kann es unter anderem zu Bronchitis, Mittelohrentzündung oder Lungenentzündung kommen. In seltenen Fällen kann die Infektion tödlich enden.

Gefährlich ist die Krankheit vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern.

Diskussionen über Impfpflicht

Im Zusammenhang mit der Infektionskrankheit wird immer wieder über eine mögliche Masern-Impfpflicht in Deutschland diskutiert. In Italien wurde eine solche im vergangenen Jahr per Gesetzesbeschluss eingeführt.

Von einer Mehrheit der Deutschen würde die Impfpflicht begrüßt werden, zahlreiche Experten sind jedoch dagegen. Sie setzen eher auf Aufklärung statt Impfpflicht.

In Deutschland wird die Masernimpfung für Kinder ab dem elften Lebensmonat empfohlen, für Säuglinge in einer Kindertagesstätte schon ab dem neunten Monat.

Auch Erwachsene sollten gegebenenfalls ihren Masern-Impfschutz überprüfen.

„Eine einmalige Impfung gegen Masern ist generell für alle Erwachsenen empfohlen, die nach 1970 geboren wurden und noch gar nicht oder nur einmal in der Kindheit gegen Masern geimpft wurden oder deren Impfstatus unklar ist“, schreibt das Robert Koch-Institut (RKI) auf seiner Webseite.

„Personen, die vor 1970 geboren wurden, haben mit hoher Wahrscheinlichkeit die Masern bereits durchgemacht“, so die Experten. (ad)