Erstmals effektiven Wirkstoff gegen Erkältungen entdeckt?

Alexander Stindt

Wird es bald keine Erkältungen mehr geben?

Jeder Mensch war sicherlich schon mindestens einmal in seinem Leben erkältet. Sobald eine Erkältung im Anmarsch ist, suchen Betroffene nach Mitteln und Wegen, um diese möglichst schnell wieder loszuwerden. Forscher haben jetzt einen Wirkstoff entwickelt, welcher schnell und effektiv gegen Erkältungsviren wirkt. Dieses Mittel ist in der Lage, ein Protein im menschlichen Körper zu blockieren, welches die Erreger der Erkältung zur Vermehrung benötigen.


Die Wissenschaftler des Imperial College London stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass ein spezieller Wirkstoff in Zukunft zur Behandlung von Erkältungen eingesetzt werden könnte. Dieser blockiert ein Protein, was dazu führt, dass Erreger einer Erkältung sich nicht mehr vermehren können. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in dem englischsprachigen Fachblatt „Nature Chemistry“.

Bisher gab es keine Möglichkeiten, um die Ursache einer Erkältung zu bekämpfen. Es war lediglich möglich, die Symptome zu behandeln. Dies könnte sich in Zukunft ändern. (Bild: Rido/fotolia.com)

Was zeichnet eine Erkältung aus?

Erkältungen hat wohl jeder Mensch schon durchlebt. Typische Symptome einer solchen Erkrankung sind beispielsweise eine laufende Nase, Halsschmerzen und ständiges Husten. Die richtige Behandlung einer Erkältung kann sich als schwierig gestalten. Trotz all den medizinischen Fortschritten scheinen nach wie vor bei der Behandlung der Erkältung nur Ruhe und Hühnersuppe zu helfen.

Warum ist die Behandlung einer Erkältung schwierig?

Die Behandlung einer Erkältung ist so schwierig, weil die Erkrankung durch Hunderte von verschiedenen Viren verursacht werden kann. Bei diesen handelt es sich vor allem um Vertreter der sogenannten Rhinoviren. Es ist beinahe unmöglich gegen alle verschiedenen Viren eine Impfung zu entwickeln. Ein solches Medikament könnte bei bestimmten Stämmen von Erregern effektiv wirken, bei anderen aber absolut nichts bewirken. Zusammenfassend kann man sagen, dass Viren sich schnell entwickeln, verändern und anpassen können. Daher fällt es ihnen einfach, passende Resistenzen zu bilden, erklären die Mediziner.

Es ist nicht möglich die Ursache der Erkältung zu behandeln

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt können nur die Symptome einer Erkältung bekämpft werden, es ist allerdings nicht möglich, die Ursache einer Erkältung zu behandeln. Die Erkältung selber muss durch unser Immunsystem besiegt werden. Scheinbar können wir aber unseren Körper für die Viren einer Erkältung so unwirtlich machen, dass diese sich nicht mehr vermehren können. Der neue Wirkstoff tut genau das: Er hindert die sogenannten Rhinoviren daran sich zu vermehren.

Was bewirkt IMP-1088?

Wenn eine Erkältung in unseren Körper eindringt, greift sie eine menschlichen Proteinzelle namens N-Myristoyltransferase (NMT) an und produziert daraus eine Hülle, welche das Virus dann schützt, während dieses sich repliziert. Das Forscherteam hat entdeckt, dass ein Molekül mit der Bezeichnung IMP-1088 in der Lage ist, einen Schlüsselschritt beim Zusammenbau dieser Hülle zu blockieren und so dessen Replikation zu verhindern. Alle Viren gehen ähnlich vor und nutzen NMT auf die gleiche Weise, so dass durchaus die Hoffnung besteht, dass IMP-1088 auch bei anderen Stämmen funktioniert, erklären die Wissenschaftler.

Woher stammt IMP-1088?

Das Molekül IMP-1088 wurde von den Medizinern aus zwei bereits bekannten chemischen Bestandteilen zusammengesetzt. Kombiniert sind sie in der Lage ein menschliches Protein mit der Bezeichnung N-Myristoyltransferase (NMT) zu hemmen. Ohne dieses Protein können klassische Erkältungsviren sich jedoch nicht vermehren oder in der Wirtszelle überleben. Bei Versuchen in der aktuellen Studie konnte bereits bestätigt werden, dass der neu entwickelte Wirkstoff das Protein so blockiert, dass dieses sich nicht weiter vermehren kann. Die Replikation von sogenannten Rhinoviren wird vollständig unterbunden, sagen die Experten.

Keine Nebenwirkungen festgestellt

Das Medikament IMP-1088 scheint außerdem keine gefährlichen Nebenwirkungen zu haben. Eine mögliche Toxizität, welche sich auf die Zellen auswirkt, konnte nicht festgestellt werden, erläutern die Mediziner. Viele Ansätze zur Behandlung von Erkältungen sind bereits an solchen oder ähnlichen Nebenwirkungen gescheitert. Das neu entwickelte Medikament greift nur das menschliche Protein an, die Viren selber bleiben indes zunächst verschont. Der Ansatz am menschlichen Protein macht es unwahrscheinlicher, dass die behandelten Viren im Laufe der Zeit resistent gegen das Mittel werden, fügen die Wissenschaftler hinzu.

Menschen mit Asthma oder COPD profitieren von dem Medikament

Für die meisten Menschen ist eine Erkältung natürlich nicht wirklich bedrohlich, sie wird meist als eine Lappalie abgetan. Dennoch kann eine einfache Erkältung bei Menschen mit bestimmten Erkrankungen, wie beispielsweise Asthma und COPD ernsthafte Schwierigkeiten hervorrufen, erklärt Studienautor Edward Tate vom Imperial College London. Das neue Medikament könnte für solche Menschen sehr nützlich sein, wenn es in der frühen Phase der Infektion verabreicht wird.

Weitere Forschung ist nötig

Bisher wurden die Versuche an Tieren durchgeführt. Die Forscher hoffen, dass sich die dabei erzielten Ergebnisse künftig in Versuchen an Menschen bestätigen lassen. Das Arzneimittel könnte dann nicht nur gegen Erkältungsviren eingesetzt werden, sondern es würde wahrscheinlich auch bei verwandten Erregern wie Polioviren oder dem Auslöser der Hand-Fuß-Mund-Krankheit wirken. (as)