Europa: West-Nil-Fieber breitet sich aus

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Europa: West-Nil-Fieber breitet sich aus.

(03.09.2010) Das West-Nil-Fieber ist auf dem Vormarsch. Über Siebzig Jahre nach seiner Entdeckung im West-Nil-Distrikt von Uganda (1937) werden nun auch aus den USA und Europa vermehrt Ausbruchswellen gemeldet. So haben bei der jüngsten Infektionswelle in Griechenland und Rumänien bereits dreizehn Menschen ihr Leben verloren und in den USA sterben seit 2002 jährlich durchschnittlich mehr als hundert Menschen am West-Nil-Fieber. Experten befürchten, dass der Erreger sich auch in Europa weiter ausbreiten wird und erwarten in Deutschland ebenfalls steigende Infektionszahlen.

In Nord-Griechenland (Zentralmakedonien) hat das West-Nil-Fieber im August bei 150 schweren Fällen elf Tote gefordert und in Rumänien sind von sieben Erkrankten zwei verstorben. 114 Patienten befinden derzeit noch in Griechenland mit Zeichen einer Hirnentzündung in stationärer Behandlung, 80 Verdachtsfälle werden noch in Rumänien untersucht. Jedoch ist bei nur rund einem Prozent der Infizierten der Krankheitsverlauf so schwer, dass eine Behandlung notwendig wird. Daher liegt die Zahl der tatsächlichen Erkrankungen zum Beispiel in Griechenland wahrscheinlich bei etwa 15.000 Personen.

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Meist leiden die Betroffenen an Kopfschmerzen und Gliederschmerzen häufig begleitet von Erbrechen und Durchfall. Bei besonders schwerem Krankheitsverlauf (etwa 0,7 Prozent der Fälle) kann zudem eine Enzephalitis (Gehirnentzündung) oder Meningitis (Hirnhautentzündung) auftreten, da das Virus in der Lage ist die Blut-Hirn-Schranke zu passieren . Tödlich endet die Erkrankung meist nur bei bestimmten Risikopatienten wie z. B. älteren Menschen, deren Immunsystem bereits durch eine andere Krankheit geschwächt ist. Etwa 13 bis 14 Tagen nach der Infektion treten die ersten Symptome auf, wobei bisher keine wirksame Behandlung bekannt ist – Medikamente oder Impfstoffe gibt es nicht. Der einzige Vorteil ist, dass viele Patienten nach einer Erkrankung anschließend immun gegen den Erreger sind, d. h. die Wahrscheinlichkeit einer Epidemie sich von Ausbruch zu Ausbruch verringert.

Dennoch treten immer wieder lokale Epidemien auf, wie z. B. bereits 1996 in Bukarest, 1999 in Russland und 2008 in Ungarn, welche den Vormarsch der Krankheit in Richtung Nord-Europa verdeutlichen. So erklärt auch Jürgen May vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg, dass "die Zahl der Fälle (…) in Europa wahrscheinlich zunehmen" wird. Laut May breitet dich das Virus ungebremst nach Norden aus „und nichts spricht dagegen, dass auch Deutschland betroffen sein wird." Ähnlich sieht es auch Klaus Stark vom Robert-Koch-Institut in Berlin, wobei in Europa die Grundbedingungen für eine massive Virenausbreitung wie z. B. in den USA jedoch nicht gegeben sind.

Nachdem 1999 das West-Nil-Virus bei Vögeln im Central Park in New York erstmals in den USA identifiziert wurde, breitete sich der Erreger schnell über die verschiedenen Bundesstaaten aus und hat von 2002 bis 2007 jährlich mehrere hundert Menschen das Leben gekostet. Seitdem ist die Zahl auf etwa 50 Todesfälle im Jahr gesunken, da die Amerikaner im Zuge von Aufklärungskampagnen über die Krankheit und mögliche Schutzmaßnahmen informiert wurden. 2009 verzeichnete das Center for Disease Control (CDC) noch 720 Erkrankungen mit 373 Fällen von Enzephalitis oder Meningitis und 30 Todesfällen.

Zugvögel fungieren für den Erreger oft als Reservoir und Mücken sind die häufigsten Überträger des Virus. Insbesondere Mücken der Culex-Gattung und die Asiatische Tigermücke, welche Vögel und Menschen stechen, gelten als Brückenvektor bei der Verbreitung des West-Nil-Fiebers. So wurden z. B. in den USA großflächig Insektenvernichtungsmittel eingesetzt, um gegen die Krankheit vorzugehen. Ein effektiver Mückenschutz (Insektenschutzmittel und körperbedeckende Kleidung) bietet jedoch auch eine gute Möglichkeit um sich vor einer Erkrankung zu schützen.

Auch Europa ist in wachsendem Maße betroffen. "Infektionen von Menschen kennen wir zum Beispiel auch aus Italien oder Portugal, aber das waren immer kleinere Ausbrüche oder Einzelfälle", erklärt Klaus Stark vom Robert-Koch-Institut. "Und der Erreger dürfte über Zugvögel in der Vergangenheit auch vereinzelt schon nach Deutschland eingeschleppt worden sein." Da die heimischen Mücken in dieser Hinsicht jedoch nicht als Überträger dienen konnten, ist bislang kein Ausbruch der Krankheit in Deutschland zu verzeichnen. Mit der Ausbreitung einiger Clulex-Gattungen und der Asiatischen Tigermücke (Buschmücke) hat sich dies allerdings geändert und so ist mittlerweile das Infektionsrisiko auch hier zu Lande durchaus gegeben. (fb)