Fasten: Gesund durch Verzicht

Fabian Peters

Fasten mit positiver Wirkung auf die Gesundheit

14.02.2013

Seit dem Aschermittwoch läuft die christliche Fastenzeit.Viele Menschen in Deutschland nutzen diese Gelegenheit, um Körper und Geist durch den gezielten Verzicht etwas Gutes zu tun. Häufig steht dabei statt dem klassischen Fasten das Weglassen von Genussmitteln wie Alkohol oder Tabak an erster Stelle. Auch üben sich viele Menschen in einem Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel, wie beispielsweise Fleisch oder Süßigkeiten, anstatt der ursprünglichen Fastentradition zu folgen.

Werden beim klassischen Fasten (Nahrungsverzicht über eine bestimmten Zeitraum) die entscheidenden Grundregeln eingehalten, kann sich tatsächlich eine äußerst positive Wirkung auf die Gesundheit einstellen. Unter medizinischen Gesichtspunkten ist beim Fasten vor allem die ausreichende Flüssigkeitsaufnahme entscheidend. Zudem wird bei Beeinträchtigungen des körperlichen Wohlbefindens eine Unterbrechung der Fastenzeit angeraten. Auch sollte das Fasten nicht als Blitzdiät missverstanden werden, sondern als Ansatzpunkt zur Verbesserung des eigenen Lebensstils. In der Naturheilkunde wird Heilfasten unter anderem zur begleitenden Behandlung von Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems (z. B. Arterienverkalkung, Koronare Herzkrankheit), und allergischen Erkrankungen (z. B. Heuschnupfen, Asthma) eingesetzt.

Vollständiger Nahrungsverzicht beim Heilfasten
Während Fasten allgemein mit dem Verzicht auf bestimmte Genuss- und Nahrungsmittel gleichgesetzt wird, ist mit dem Heilfasten eine spezielle Form des Nahrungsverzichts beschrieben. Feste Nahrungsmittel sind beim Heilfasten tabu. Die Fastenden führen dem Körper ausschließlich Flüssigkeit in Form von Wasser oder Tee zu. Bevor mit dem Heilfasten begonnen wird, sieht die Naturheilkunde eine Darmentleerung beispielsweise mittels Glaubersalz oder eines Einlaufes vor. Nach dieser provozierten Darmentleerung folgt eine bis zu zweiwöchige Fastenkur. Durch den Verzicht auf feste Nahrung wird der Organismus nach rund zwei Tagen auf den Hungerstoffwechsel umgestellt. Der Körper versorgt sich über die bestehenden Reserven. Auch beginnt der Organismus sich von Stoffwechselendprodukten – der sogenannten Schlacke – zu befreien. Um die Ausscheidung der Schlacken zu erleichtern, ist eine Flüssigkeitszufuhr von mindestens zweieinhalb Litern stilles Wasser und Kräutertee pro Tag vorgesehen. Einige Fastenkuren erlauben auch Gemüsebrühe, Säfte oder Molke.

Fasten gegen Krebs
Die wissenschaftliche Belege zu der positive gesundheitliche Wirkung des Fastens sind bislang eher begrenzt, doch konnten einige Studien überraschend erfreuliche Ergebnisse vorweisen. So hat beispielsweise im vergangenen Jahr ein Forscherteam um den Gerontologen Professor Dr. Valter Longo von der Universität South California im Fachmagazin „Science Translational Medicine“ eine Studie veröffentlicht, die Hinweise darauf liefert, dass kurzzeitiges Fasten vor Beginn einer Chemotherapie die Verträglichkeit der Behandlung und die Aussichten auf eine Heilung deutlich erhöht. Die Kombination aus Fasten und Chemotherapie habe die Metastasenbildung reduziert und zum Schrumpfen der Krebstumore geführt. In den Versuchen an Mäusen habe auch das alleinige Fasten ohne darauffolgende Chemotherapie bei fünf von acht Krebsarten Erfolge gezeigt, berichteten Prof. Longo und Kollegen vor gut einem Jahr. Fasten könnte demnach Krebs vorbeugen.

Fastenkuren nicht übertreiben
Dem Fasten werden eine Vielzahl gesundheitsfördernde Effekt unterstellt, von denen jedoch die meisten bislang nicht wissenschaftlich nachgewiesen sind. So soll Heilfasten auch allgemein das Immunsystem stärken, eine Darmsanierung unterstützen, den Körper von Schadstoffen und Ablagerungen befreien, das Bindegewebe straffen und die Blutfettwerte senken. Zudem werden positive Effekt auf die Psyche erwartet. Doch einen Beleg für derartige Annahmen gibt es bisher nicht. Allerdings ist die nachteilige Wirkung übertriebener Fastenkuren vielfach dokumentiert. Professor Dr. Georg Wechsler, Präsident des Verbandes Deutscher Ernährungsmediziner, erklärte im Interview mit dem „Stern“, dass „bei totalem Fasten lebensbedrohliche Komplikationen auftreten“ können. Dies sei bei jungen Frauen und Männern bereits nach 20 bis 30 Tagen zu erwarten. Fastenkuren, die länger als „drei, vier, fünf Tage“ dauern, seien daher „medizinisch nicht vertretbar.“ Dem Experten zufolge sollte auch „religiöses Fasten“ auf ein paar Tage begrenzt sein, da hier traditionell „keine Energie, keine Kalorien, sondern nur Wasser und Flüssigkeit“ aufgenommen werden. „Das ist naturgemäß auf einige Tage begrenzt, weil der Mensch keinen natürlichen Eiweiß-Speicher hat und wir sehr schnell sehr viel Eiweiß verlieren.“ Um die positive Wirkung des Fastens zu erreichen und keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu riskieren, sollte laut Aussage der Experten im Zweifelsfall dringend Rücksprache mit einem Arzt gehalten werden. (fp)

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