Fehlernährung als Krebs-Risikofaktor

Fabian Peters

Ernährungsgewohnheiten als maßgeblicher Risikofaktor für Krebs?

04.02.2014

Ungesunde Ernährung und Übergewicht entwickeln sich nach Einschätzung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg zu einem der maßgeblichen Krebsrisikofaktoren. „Wir haben immer mehr Hinweise dafür, dass unser westlicher Lebensstil mit Überernährung, Übergewicht und Stoffwechselstörungen zu einer erheblichen Zunahme von Krebserkrankungen führt“, zitiert die Nachrichtenagentur „dpa“ den DKFZ-Vorstandsvorsitzenden Otmar Wiestler.

Weltweit ist laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in den kommenden Jahrzehnten mit einer deutlichen Zunahme der Krebserkrankungen zu rechnen. In den westlichen Industrienationen spielt dabei nach Einschätzung des DFKZ die Fehlernährung eine maßgebliche Rolle. Laut Wiestler ist „der Zusammenhang relativ klar für Krebserkrankungen im Magen-Darm-Bereich. Aber auch für Brustkrebs, Prostata- und Bauchspeicheldrüsenkrebs scheint das so zu sein.“ Zwar bleibe bis heute das Rauchen der größte Krebsrisikofaktor, doch gehe der Tabakkonsum in Deutschland seit Jahren zurück. „Es könnte durchaus sein, dass der Faktor Fehlernährung in diese Lücke stößt“, erläuterte Wiestler.

Zusammenhang zwischen der Ernährung und dem Krebsrisiko
Während der Tabakkonsum in der Bevölkerung abnimmt, leiden gleichzeitig immer mehr Menschen an Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas). Dies hat nach Einschätzung der Experten einen wesentlichen Anteil daran, dass die Krebserkrankungen in Zukunft weiterhin drastisch steigen werden. Aus den vorliegenden Studien ergeben sich laut DKFZ deutliche Hinweise darauf, dass ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen den Krebserkrankungen und der Ernährung besteht. Die Krebsforscher gehen davon aus, dass schätzungsweise 20 bis 42 Prozent der Krebserkrankungen auf falsche Ernährungsgewohnheiten zurückgehen. Offen bleibt bislang jedoch, warum ein solcher Zusammenhang besteht beziehungsweise welche molekularen Mechanismen dabei eine Rolle spielen und wie der Einzelne über die Ernährung sein persönliches Krebsrisiko beeinflussen kann, berichtete das DKFZ auf einer Pressekonferenz im Vorfeld des heutigen Weltkrebstages. Auch werde diskutiert, „wie das Mikrobiom, also die Zusammensetzung der bakteriellen Darmflora, mit dem Krebsgeschehen zusammenhängt und welche Rolle bisher nicht entdeckte Viren spielen könnten“, so die Mitteilung des Krebsforschungszentrums weiter.

Viren im Rinderblut als Risikofaktor?
Der am DKFZ tätige Virologe und Nobelpreisträger Harald zur Hausen forscht derzeit nach möglichen Zusammenhängen zwischen dem Verzehr von rotem Fleisch und dem Risiko einer Darmkrebserkrankung. Bekannt ist, dass durch den Konsum des roten Fleischs zum Beispiel das Dickdarmkrebsrisiko deutlich steigt (bis zu 30 Prozent), wobei es auffällig sei, dass in Ländern mit niedrigem Verzehr von europäisch-asiatischem Rindfleisch Darmkrebs deutlich seltener auftrete, berichtet der Experte. Hier könnten nach Einschätzung des Virologen spezielle Viren in den Rindern als Ursache in Betracht kommen. Möglicherweise würden Mensch diese aufnehmen, wenn sie das Fleisch roh oder schlecht durchgebraten verzehren. Die Suche nach entsprechenden Viren im Blut der Rinder gleicht jedoch in gewisser Weise der Suche im Heuhaufen. Zwar haben die Forscher laut Harald zur Hausen „in der Tat eine ganze Reihe neuer Viren isolieren können“, allerdings bleibe bislang unklar, „ob sie tatsächlich eine Rolle spielen beim Dickdarmkrebs.“ Außerdem sei zu bedenken, dass „keine Infektion, die zu Krebs führt, das ganz für sich allein macht – es müssen immer noch Schäden im Erbgut der betroffenen Zellen hinzukommen“, zitiert die „dpa“ den Nobelpreisträger.

Mit gesunder Ernährung des Krebsrisiko minimieren
Die Ernährung als möglicher Krebsrisikofaktor sollte laut Aussage des DKFZ-Vorstandsvorsitzenden dringend weiter erforscht werden, denn „wenn man den Zusammenhang zwischen Ernährung und Krebs versteht, kann man auch Möglichkeiten entwickeln, gezielt einzugreifen.“ Die bisherigen Erkenntnisse zeigen, dass es hier darum geht, „Menschen dazu zu bringen, sich faserreich und ballaststoffreich zu ernähren, viel Obst und Gemüse zu sich zu nehmen – und möglichst wenig gezuckerte und fettreiche Lebensmittel“, betonte Wiestler. Auch könne eine gesunde Ernährung der Entwicklung von Übergewicht entgegenwirken, so dass diese nicht als Krebsrisikofaktor in Erscheinung tritt. (fp)

Bild: Tim Reckmann / pixelio.de