Forscher: Luftverschmutzung in Gebäuden tötet pro Jahr tausende Menschen

Die Luftverschmutzung in Innenräumen kann insbesondere bei Kindern leicht zu Beschwerden führen. (Bild: Robert Kneschke/fotolia.com)
Alexander Stindt
Ungeborene und kleine Kinder besonders gefährdet durch Luftverschmutzung
Die Luftverschmutzung hat in den letzten Jahrzehnten immer weiter zugenommen. Natürlich wirkt sich so etwas auch negativ auf die menschliche Gesundheit aus. Die großen gesundheitlichen Belastungen durch die Luftverschmutzung im Freien sind relativ bekannt. Weniger bekannt sind die Auswirkungen der Luftverschmutzung in Gebäuden. Es gibt beispielsweise wachsende Hinweise auf eine Schädigung der Intelligenz und der Gesundheit von Kindern durch diese Luftbelastungen.

Die Auswirkungen der Luftverschmutzung im Freien werden immer stärker und immer mehr Menschen beginnen deshalb, gesundheitliche Probleme zu entwickeln. Allerdings unterschätzen wir die Folgen von Luftverschmutzung in Gebäuden und deren ernsthafte Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Die Verschmutzung ist besonders gefährlich für die Gesundheit von Kleinkindern. Durch Luftverschmutzung in Gebäuden kann die Entwicklung von Organen, wie beispielsweise Herz und Lunge beeinträchtigt werden. Außerdem gibt es negative Auswirkungen auf das Gehirn von kleinen Kindern, so die vorläufigen Ergebnisse des Berichts „Every Breath We Take: the lifelong impact of air pollution“, den Wissenschaftler vom „Royal College of Physicians“ (RCP) und dem „Royal College of Paediatrics and Child Health“ (RCPCH) diese Woche veröffentlichen werden.

Die Luftverschmutzung in Innenräumen kann insbesondere bei Kindern leicht zu Beschwerden führen. (Bild: Robert Kneschke/fotolia.com)
Die Luftverschmutzung in Innenräumen kann insbesondere bei Kindern leicht zu Beschwerden führen. (Bild: Robert Kneschke/fotolia.com)

Welche Faktoren wirken sich auf die Luftverschmutzung in Gebäuden aus?
Jahrelang wurde vor den Auswirkungen von Luftverschmutzung im Freien gewarnt. Die Wissenschaftler betonten allerdings, dass auch die Luftverschmutzung in Gebäuden äußerst gefährlich für unsere Gesundheit sein kann. Gerade kleine Kinder seien besonders betroffen und könnten schwere gesundheitliche Schäden erleiden, zitiert die Zeitung „The Guardian“ die Mediziner. Quellen der Luftverschmutzung in Gebäuden seien beispielsweise Rauchen, Gasherde und Öfen, sowie reizende Chemikalien in neuen Möbeln und Produkten zur Reinigung des Haushaltes. Hausstaubmilben, Schimmel und Hautschuppen von Haustieren können ebenfalls die Gesundheit schädigen, zitiert „The Guardian“ die Wissenschaftler. Ein Großteil der Außenverschmutzung werde durch Kraftfahrzeuge erzeugt und verursache etwa 40.000 Todesfälle pro Jahr alleine in Großbritannien. Die Anzahl der Todesfälle, die durch Luftverschmutzung in Gebäuden verursacht wurde, ist nicht bekannt, berichtet die Zeitung unter Berufung auf den aktuellen Bericht. Schätzungsweise seien durch die Innenluftverschmutzung im Jahr 2012 99.000 Menschen in ganz Europa gestorben.

Der Bericht stellte auch fest, dass Ungeborene und Kleinkinder besonders anfällig für Luftverschmutzung sind. Die Entwicklung von Herz, Lunge, Gehirn, Hormonsystem und Immunität werde durch eine solche Verschmutzung beeinträchtigt. Laut Aussage der Experten zeigen sich Auswirkungen auf das Wachstum, die Intelligenz, Asthmaerkrankungen und die Entwicklung des Gehirns. Zusätzlich werde unsere Koordination beeinträchtigt. Der Schaden für Babys und Kinder wird Auswirkungen haben, die weit in die Zukunft reichen, erläutern die Wissenschaftler. Wir wissen jetzt, dass die Luftverschmutzung einen erheblichen Einfluss auf viele langfristige Bedingungen hat, diese erhöhen Schlaganfälle und Herzinfarkte bei empfindlichen Personen. Außerdem gibt es überzeugende Beweise dafür, dass die Luftverschmutzung mit dem vermehrten Auftreten von Asthma bei Kindern und Erwachsenen assoziiert ist, zitiert „The Guardian“ den Hauptautor Professor Stephen Holgate von der „Southampton University“.

Britische Regierung muss Luftverschmutzung bis 2020 stark reduzieren
Viele Menschen in Großbritannien sind laut Aussage der Forscher derzeit einem illegal hohen Niveau der Luftverschmutzung ausgesetzt. Die britische Regierung verlor im Jahr 2015 einen Rechtsstreit und muss jetzt einen Plan erstellen, der die Luftverschmutzung eindämmt. Sollte die Planung gelingen, wird dies die Luftverschmutzung in den meisten englischen Städten bis 2020 auf erlaubte Werte reduzieren, berichtet „The Guardian“. Dieses Ziel solle durch eine Reihe weitreichender Maßnahmen erreicht werden, einschließlich schärferer Bestimmungen gegen die Luftverschmutzung, wie der Prüfung und Begrenzung von Emissionen bei Fahrzeugen. In dem Bericht werde eine weitere Maßnahme gefordert: Die lokalen Behörden sollen die Befugnis erhalten, Straßen zu sperren oder den Verkehr umzulenken, wenn die Luftverschmutzung zu hoch wird, vor allem in der Nähe von Schulen.

Nutzen Sie öffentliche Verkehrsmitteln oder fahren Sie mit dem Rad
Das Problem der Luftverschmutzung in Gebäuden bedarf weiterer Forschung. Wir müssen in unseren Häusern, Schulen und am Arbeitsplatz Hauptrisikofaktoren und Auswirkungen der schlechten Luftqualität erkennen und verstehen, zitiert „The Guardian“ Dr. Andrew Goddard vom „Royal College of Physicians“. Nationale Aktionen zur Bekämpfung des Klimawandels werden helfen, die Luftverschmutzung zu reduzieren. Die Öffentlichkeit könne auch ihren Teil zur Reduzierung der Luftverschmutzung beitragen, so Professor Jonathan Grigg vom „Royal College of Paediatrics and Child Health“. Die Öffentlichkeit sollte mehr öffentliche Verkehrsmitteln benutzen und auch zu Fuß gehen oder Radfahren helfe gegen die Luftverschmutzung. (as)

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