Forscher: Schon mindere Kopfverletzungen bei Kindern können zum Frühtod führen

Gerade bei Kinder sind Gehirnerschütterungen und Kopfverletzungen besonders häufig. Forscher stellten jetzt fest, dass solche Verletzungen ernsthafte Spätfolgen haben können. (Bild: jörn buchheim/fotolia.com)
Alexander Stindt
Schon leichte Gehirnerschütterungen in der Kindheit haben ernste Langzeitfolgen
Kinder sind bekanntlich meist nicht besonders vorsichtig. Aus diesem Grund können beispielsweise Stürze oft zu kleinen Verletzungen am Kopf führen. Forscher fanden jetzt heraus, dass bereits ein einzelne leichte Erschütterung des Kopfes verheerende Folgen haben kann. Schon eine leichte Gehirnerschütterung in der Kindheit kann die schulische Leistung vermindern. Außerdem erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für psychische Erkrankungen und sogar ein verfrühter Tod ist möglich.

Wissenschaftler der international anerkannten Oxford University stellten jetzt bei einer Untersuchung fest, dass bereits leichte Hirnverletzungen nachhaltige Probleme verursachen können. Durch Erschütterungen des Kopfes in der Kindheit steigt die Wahrscheinlichkeit für psychische Erkrankungen und einen verfrühten Tod. Die Experten veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „PLOS one“.

Gerade bei Kindern sind Gehirnerschütterungen und Kopfverletzungen besonders häufig. Forscher stellten jetzt fest, dass solche Verletzungen ernsthafte Spätfolgen haben können. (Bild: jörn buchheim/fotolia.com)
Gerade bei Kindern sind Gehirnerschütterungen und Kopfverletzungen besonders häufig. Forscher stellten jetzt fest, dass solche Verletzungen ernsthafte Spätfolgen haben können. (Bild: jörn buchheim/fotolia.com)

Bereits leichte Gehirnerschütterungen können schwere Langzeitfolgen haben
Eine Erkenntnis aus der neuen Studie ist, dass nicht nur schwere Hirnverletzungen ernste gesundheitliche Probleme erzeugen können, erläutern die Forscher. Mediziner sollten sich über dieses Tatsache bewusst sein. Auch leichte Gehirnerschütterungen können Langzeitfolgen haben.

Bestimmte Sportarten weisen ein erhöhtes Risiko auf
Das Ergebnis macht klar, dass Veränderungen bei der Gestaltung von Spielplätzen vielleicht angebracht wären. Außerdem sollte es strengere Regeln für bestimmte Sportarten geben, bei denen öfter Kollisionen zwischen den Teilnehmern auftreten, raten die Wissenschaftler. Zu diesen Sportarten gehört beispielsweise auch Fußball. Mediziner warnten bereits zuvor vor dieser Gefahr für eine Gehirnerschütterung. Zusammenstöße beim Sport sollten untersucht werden, um spätere Langzeitschäden zu vermeiden.

Etwa zehn Prozent der Kinder erleiden mindestens eine Verletzung des Kopfes
Die Studie konzentrierte sich auf sogenannte Schädel-Hirn-Verletzungen. Außerdem wurden die Auswirkungen von Schlägen auf den Kopf untersucht, welche stark genug sind Schwindelgefühle und Benommenheit auszulösen. Alleine in Großbritannien erleiden etwa zehn Prozent der Kinder eine solche Verletzung in der Kindheit, mutmaßen die Forscher.

Forscher untersuchen die Daten von mehr als einer Million Probanden
Für ihre Studie analysierten die Wissenschaftler die Daten von mehr als einer Million schwedischen Probanden. Die Teilnehmer wurden alle zwischen dem Jahr 1973 und 1985 geboren, sagen die Wissenschaftler. Es konnte festgestellt werden, dass etwa 9,1 Prozent der Probanden eine traumatische Gehirnverletzung vor ihrem 25 Geburtstag erlitten. Einige der Schläge auf den Kopf waren so stark, dass die betroffenen Patienten Monate auf der Intensivstation verbringen mussten. Die meisten der Verletzungen waren allerdings nur milde Gehirnerschütterungen, sagen die Forscher.

Menschen mit traumatischer Gehirnerschütterung verlassen die Schule häufig ohne Abschluss
Betroffene einer traumatischen Gehirnerschütterung verließen zu 58 Prozent häufiger die Schule ohne einen Abschluss, verglichen mit Menschen ohne Kopfverletzung. Außerdem war ihre Wahrscheinlichkeit für eine Krankenhausbehandlung von psychiatrischen Problemen fast doppelt so hoch. Das Risiko vor dem 41. Lebensjahr zu versterben war sogar um 72 Prozent erhöht, sagen die Autoren. Mehrere Gehirnerschütterung erhöhten das Risiko noch zusätzlich. Eine traumatische Gehirnerschütterung war in den späteren Jahren als Teenager gefährlicher als im jüngeren Alter.

Warnzeichen für eine traumatische Gehirnverletzung
Sie sollten eine Notaufnahme aufsuchen, wenn ihr Kind diese Symptome aufweist:

  • Eine Pupille ist größer als die andere
  • Ständige Schläfrigkeit
  • Immer stärker werdende Kopfschmerzen
  • Allgemeine Schwäche, Taubheit und verminderte Koordination
  • Wiederholtes Erbrechen oder Übelkeit
  • Krämpfe oder Anfälle (Zittern oder Zuckungen)
  • Ungewöhnliches Verhalten, Unruhe oder Aufregung
  • Verlust des Bewusstseins

Bessere Prävention gefordert
Die Lösung für das Problem ist die Prävention. Natürlich sollten wir deswegen jetzt kein völlig risikofreies und übervorsichtiges Leben führen und Sport und Bewegung vernachlässigen. Mangelnde Aktivität kann sich ebenfalls negativ auf unsere spätere Gesundheit auswirken, erläutern die Experten. Wir sollten daher nicht generell alle Sportarten mit Körperkontakt verbieten. Wir müssen eher sicherstellen, dass Regeln besser befolgt werden. Beispielsweise entstehen mehr als 20 Prozent der Gehirnerschütterungen beim Rugby durch einen Regelverstoß, fügen die Forscher hinzu.

Leichte Hirnschädigungen müssen schneller erkannt werden
Die Ergebnisse sollten als klare Warnung aufgefasst werden, dass eine Hirnschädigung zu physischen und psychosozialen Auswirkungen für den Rest des Lebens führen kann. Es ist wichtig, dass generell ein bessere Verständnis für die Auswirkungen von traumatischen Gehirnerschütterungen geschaffen wird. Nur so können Probleme schon im möglichst frühen Stadium erkannt werden, wodurch die langfristigen Auswirkungen verhindert werden können, sagen die Experten.

Leider gibt es oft nur eine unzureichende Behandlung bei Gehirnerschütterungen. Mediziner entwickeln gerade einen Bluttest der Gehirnerschütterungen zeigt. Dieser könnte in Zukunft dabei helfen, dass Gehirnerschütterungen früher erkannt und effektiver behandelt werden. (as)

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