Gesundheit: So gut oder schlecht leben die Deutschen

Alfred Domke
Sport gut, Ernährung verbesserungswürdig: So gesund leben die Deutschen
Den meisten Menschen ist bekannt, dass es zu einem gesunden Lebensstil gehört, sich regelmäßig zu bewegen, ausgewogen zu ernähren und auf Tabak und Alkohol möglichst zu verzichten. Doch wie sieht es aus mit dem Gesundheitsverhalten der Deutschen? Experten aus dem Robert-Koch-Institut (RKI) haben darauf Antworten.

Gesundheitsverhalten in Europa im Vergleich
Falsche Ernährung, mangelnde Bewegung, Fettleibigkeit (Adipositas), Rauchen und ein hoher Alkoholkonsum – all diese Faktoren sind mitverantwortlich für nichtübertragbare, chronische Krankheiten. Doch wie gesund verhalten sich die Menschen? Essen sie ausgewogen? Betreiben sie Sport? Wie die Bundesregierung in einer Mitteilung berichtet, haben Wissenschaftler des Robert-Koch-Instituts (RKI) das Gesundheitsverhalten in Europa vergleichend betrachtet. Die Experten beziehen sich dabei auf Daten der Europäischen Gesundheitsumfrage (EHIS – European Health Interview Survey).

Experten zufolge könnte sich die Ernährung der Deutschen noch deutlich verbessern. Im europäischen Vergleich essen die Bundesbürger eher ungesund. Bei sportlichen Aktivitäten sind sie aber ganz gut. (Bild: Kurhan/fotolia.com)

Lebensstil ändern und dadurch Krankheiten verhindern
Gesunde Ernährung, ausreichende Bewegung, rauchfreies Leben: Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge könnten 80 Prozent der Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle und Diabetes Typ 2–Fälle sowie 40 Prozent der Krebserkrankungen vermieden werden.

Wer nicht raucht, körperlich aktiv ist, ausreichend Obst- und Gemüse isst und nur mäßig Alkohol trinkt, verbessert nicht nur seine Aussichten länger zu leben, sondern lebt auch als älterer Mensch besser.

Auch eine Gewichtsreduktion trägt zu einem gesünderen Leben bei. Starkes Übergewicht ist ein starker Risikofaktor für Diabetes Typ 2 und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Immer mehr Übergewichtige
Doch immer mehr Menschen weltweit leiden an Übergewicht und Fettleibigkeit – auch hierzulande: Aktuellen Zahlen der OECD zufolge leben immer mehr Übergewichtige in Deutschland.

Wie es in der Mitteilung der Bundesregierung heißt, bringen 54 Prozent der Erwachsenen zu viel auf die Waage. Männer haben demnach mit 43,3 Prozent häufiger Übergewicht als Frauen mit 28,8 Prozent. Zusätzlich sind 18,1 Prozent adipös, sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern.

Differenziert man nach dem Alter, zeigt sich: Gerade bei den Jüngeren steigt das Gewicht. 2014/ 2015 waren in der Altersgruppe 18 bis 29 Jahre von den Frauen 9,7 Prozent und von den Männern 8,9 Prozent adipös. 2010 waren es 5,5 Prozent der Frauen und 5,4 Prozent der Männer.

Frauen wie Männer bis 44 Jahre sind im EU-Vergleich häufiger übergewichtig oder adipös. Praktisch keine Unterschiede zwischen Deutschland und dem EU-Wert gibt es bei den Älteren.

Obst und Gemüse für eine ausgewogene Ernährung
Gesundheitsexperten empfehlen fünf bis zehn Portionen Obst und Gemüse pro Tag zu essen, doch Untersuchungen im vergangenen Jahr haben gezeigt, dass der Obst- und Gemüsekonsum der Deutschen stagniert, beziehungsweise viel zu niedrig ist.

In anderen europäischen Ländern sieht es offenbar besser aus. Während im EU-Durchschnitt 61,5 Prozent der Frauen und 49,4 Prozent der Männer mindestens täglich Obst verzehren, sind es in Deutschland bei den Frauen 55,6 Prozent und bei den Männern gerade mal 38,7 Prozent. Damit liegt Deutschland im unteren Drittel.

Auch Gemüse steht zu selten auf der Speisekarte. Die Deutschen liegen europaweit hinten: die Männer auf dem letzten Platz, die Frauen auf dem viertletzten.

Im EU-Durchschnitt verzehren 55,7 Prozent der Frauen und 44 Prozent der Männer mindestens einmal täglich Gemüse. In Deutschland sind es bei den Frauen 42,5 Prozent und bei den Männern nur 25,3 Prozent.

Rauchen und Alkohol steigern Krankheitsrisiken
Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge versterben täglich über 300 Deutsche vorzeitig an den Folgen des Rauchens. Dennoch lassen viele ihre Finger nicht von Zigaretten.

Europaweit rauchen 19,5 Prozent der Frauen und 28,7 Prozent der Männer. In Deutschland sind es etwas weniger: 18,8 Prozent der Frauen und 24,8 Prozent der Männer. Bei den 25- bis 34-Jährigen steigt der Anteil der Raucherinnen und Raucher in Deutschland wie europaweit. Mit zunehmenden Alter werden es wieder weniger.

In allen Altersgruppen rauchen von den deutschen Männern deutlich weniger als im EU-Durchschnitt. Bei den Raucherinnen gibt es eine Ausnahme: die 15- bis 24-Jährigen rauchen häufiger als die anderen Europäerinnen in ihrem Alter.

Während die Deutschen beim Rauchen nah am EU-Durchschnitt liegen, kommen sie beim Alkohol deutlich drüber. Hierzulande trinken die Menschen überdurchschnittlich viel Alkohol.

In allen Altersgruppen ist Rauschtrinken oberhalb des EU-Durchschnitts verbreitet. Männer trinken sich ins obere EU-Drittel, Frauen auf Platz zwei hinter Dänemark. Trinken bis zum Rausch heißt: Jeden Monat werden bei einer Gelegenheit mindestens sechs oder mehr alkoholische Getränke konsumiert.

Bewegung für ein gesundes Leben
Von der WHO wird für Erwachsene empfohlen, sich mindestens 150 Minuten pro Woche körperlich anzustrengen, beispielsweise beim Radfahren, Joggen, Fußballspielen oder Schwimmen – mindestens zehn Minuten am Stück. Wichtig ist, dass eine erhöhte Atem- und Herzfrequenz erzeugt wird.

Im Durchschnitt erreichen in der EU 26,2 Prozent der Frauen und 35,7 Prozent der Männer die WHO-Empfehlung. In Deutschland sind es 45,5 Prozent der Frauen und 51,2 Prozent der Männer. Im europäischen Vergleich liegt damit Deutschland im oberen Drittel.

Wer jünger ist, macht mehr Sport. Im mittleren Alter gehen die sportlichen Aktivitäten zurück. Die Älteren hingegen treiben in Deutschland wieder vermehrt Sport – entgegen dem EU-Trend.

Insgesamt schneiden die Deutschen beim Vergleich der sportlichen Aktivitäten überproportional gut ab. (ad)