Gesundheitsausgaben erreichen Rekordhoch

Fabian Peters

287 Milliarden Euro Gesundheitsausgaben im Jahr 2010

05.04.2012

Die Gesundheitsausgaben haben im Jahr 2010 mit 287 Milliarden Euro ihr bisheriges Rekordhoch erreicht. Pro Kopf wurden in Deutschland rund 3.510 Euro für die Gesundheit ausgegeben, teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) in Wiesbaden anlässlich des heutigen Weltgesundheitstages mit.

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Die Gesundheitsausgaben im Jahr 2010 entsprachen laut dem Statistischen Bundesamt einem Anteil von 11,6 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland. Gegenüber dem Jahr 2009 seien die Ausgaben um 8,9 Milliarden Euro beziehungsweise 3,2 Prozent gestiegen, so die Mitteilung von Destatis. Bezogen auf die Gesundheitsausgaben je Einwohner sei ein Zuwachs von 3.400 Euro im Jahr 2009 auf 3.510 Euro im Jahr 2010 zu beobachten gewesen.

Gesundheitsausgaben erreichen ihren bisherigen Höchstwert
Mit 287,3 Milliarden Euro haben die Gesundheitsausgaben im Jahr 2010 ihren bisherigen Höchstwert erreicht. Zwar bewege sich der Zuwachs von 3,2 im Rahmen des durchschnittlichen Ausgabenanstiegs aus den Jahren 2000 bis 2009 (drei Prozent), doch langfristig drohen die Kosten im Gesundheitswesen zu einer ernsthaften Belastungsprobe für unser Gesellschafts- und Wirtschaftssystem zu werden. So liegen die Ausgabenzuwächse deutlich über dem jährlichen Wirtschaftswachstum (Anstieg des BIP), so dass hier zwangsläufig irgendwann die Grenze des Leistbaren erreicht wird. Den größten Anteil der derzeitigen Gesundheitsausgaben trugen laut Mitteilung des Statistischen Bundesamtes die gesetzlichen Krankenkassen. 165,5 Milliarden Euro beziehungsweise 59 Prozent der Gesundheitsausgaben zahlten die gesetzliche Krankenversicherungen, wobei ihre Ausgaben im Vergleich zum Vorjahr um 2,9 Prozent beziehungsweise knapp fünf Milliarden Euro stiegen.

Massiver Ausgabenzuwachs bei der sozialen Pflegeversicherung
Der insgesamt höchste Ausgabenzuwachs im Gesundheitswesen war laut Angaben des Statistischen Bundesamtes mit sechs Prozent (Anstieg um 1,2 Milliarden auf 21,5 Milliarden Euro) bei der sozialen Pflegeversicherung zu verzeichnen. „Den zweitstärksten Anstieg zeigten die privaten Haushalte und privaten Organisationen ohne Erwerbszweck“, berichtet Destatis in der Meldung „Gesundheitsausgaben 2010 auf rund 287 Milliarden Euro gestiegen“. Hier war ein Anstieg der Ausgaben um rund 1,6 Milliarden Euro (4,3 Prozent gegenüber 2009) auf 39 Milliarden Euro im Jahr 2010 zu verzeichnen. Bei den Empfängern der Zahlungen standen die Einrichtungen der ambulanten Gesundheitsversorgung mit Abstand an der Spitze. So wurde fast „jeder zweite Euro der Ausgaben für Güter und Dienstleistungen im Gesundheitswesen in Einrichtungen der ambulanten Gesundheitsversorgung ausgegeben“, so die Mitteilung des Statistischen Bundesamtes. Unter den ambulanten Einrichtungen gingen 43,1 Milliarden Euro an die Arztpraxen und 40,9 Milliarden Euro an die Apotheken. Vom Gesamtvolumen der Ausgaben eher unbedeutend, jedoch mit den stärksten prozentualen Ausgabenzuwächsen gegenüber dem Jahr 2009 waren die ambulanten Pflegeeinrichtungen (plus 7,6 Prozent) und die Praxen sonstiger medizinischer Berufe (zum Beispiel Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden) mit plus 5,2 Prozent.

Stationäre Versorgung wesentlicher Kostenfaktor
Zu einem der wesentlichen Kostenfaktoren im Gesundheitswesen zählt auch der stationäre Bereich, in den die Krankenhäuser, die Pflegeeinrichtungen sowie die Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen fallen. Insgesamt sind hier die Ausgaben laut Destatis um vier Prozent auf 104,2 Milliarden Euro gestiegen und die (teil-) stationären Einrichtungen bilden heute einen Anteil von 36 Prozent an den gesamten Gesundheitsausgaben, wobei ein Großteil auf die Kliniken (74,3 Milliarden Euro) entfällt. Die Ausgaben im Bereich der Kliniken waren jüngst mehrfach Anlass für Kontroversen über die zukünftige Struktur der medizinischen Versorgung in Deutschland. Dabei hatte verschiedene Experten auch eine stärkere Vernetzung der ambulanten und stationären Versorgung gefordert und die Schließung von Kliniken zu Kostensenkung thematisiert.

Vergleichbarkeit der Gesundheitsausgaben
Die vom Statistischen Bundesamt vorgestellten Daten entsprechen dem von „der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Statistischen Amt der Europäischen Union (Eurostat)“ entwickelten Konzept, dass eine internationale Vergleichbarkeit der Gesundheitsausgaben ermöglichen soll, berichtet Destatis. Bei den Ausgaben werden demnach „sämtliche Güter und Leistungen mit dem Ziel der Prävention, Behandlung, Rehabilitation und Pflege, die Kosten der Verwaltung sowie Investitionen der Einrichtungen des Gesundheitswesens“ berücksichtigt. Ausgaben, die für die Forschung, Ausbildung oder zur Deckung krankheitsbedingter Folgekosten aufgewendet werden, finden hier keine Berücksichtigung. Aus diesem Grund „weichen die Gesundheitsausgaben in der Gesundheitsausgabenrechnung von den Ausgaben der einzelnen Sozialversicherungsträger, insbesondere der gesetzlichen Krankenversicherung, ab“, so die Mitteilung des Statistischen Bundesamtes. (fp)

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