Häufiger psychische Krankheiten bei Berufspendlern

Sebastian

Berufspendler sind häufiger aufgrund psychischer Leiden krankgeschrieben

26.06.2012

Pendler und Berufstätige, die häufig ihren Arbeitsplatz wechseln oder aufgrund eines neuen Jobs in eine andere Stadt umziehen müssen, sind laut des Gesundheitsreports der Techniker Krankenkasse häufiger von psychischen Krankheiten betroffen. Insgesamt betrachtet sei eine deutliche Steigerung der Diagnosen von psychischen Leiden zu beobachten.

Berufspendeln, häufiger Jobwechsel und Umzüge aufgrund eines neuen Arbeitsplatzes sind anscheinend Risikofaktoren für psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Burnout. Das ermittelte der aktuelle Gesundheitsreport 2011 der Techniker Krankenkasse (TK). Zudem sei weiterhin ein Negativtrend bei den psychischen Krankheiten zu beobachten, wie die Kasse heute erklärte. Die Zahl der Fehlzeiten am Arbeitsplatz haben aufgrund von psychischen Erkrankungen im Jahre 2011 im Vergleich zum Vorjahr erneut signifikant zugenommen. Die viel beschworene „Mobilität und Flexibilität geht den Menschen auf die Nerven", kommentierte eine Sprecherin bei der Vorstellung der Auswertung der Patientendaten.

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Häufiger Jobwechsel belastet die Psyche
Demzufolge lag die Rate der Personengruppe, die zwischen den Jahren 2009 und 2011 aus beruflichen Gründen in eine andere Region zogen, im Jahr 2011 mit statistischen 4,01 Krankheitstagen beinahe doppelt so hoch, als in den Vorjahren. Arbeitnehmer, die nicht wegziehen mussten und in der heimatlichen Umgebung ihrer Berufstätigkeit nachgingen, fehlten nur 2,11 Tage am Arbeitsplatz. Angestellte, die nah am Wohnort arbeiteten, waren im Schnitt 1,92 Tage aufgrund psychischer Leiden krank. Berufspendler hingegen waren vergleichsweise etwa 0,26 Tage länger krank (2,18 Tage) als andere.

Wer den Arbeitgeber häufiger wechselt, zeigt ebenfalls ein höheres Risiko von seelischen Krankheiten. Ab drei Jobwechseln zwischen 2009 und 2011 erhöhte sich das Erkrankungsrisiko auf etwa das Doppelte, wie die Statistischen Analysen der TK ergaben.

Anstieg der psychischen Krankheiten
Als besorgniserregend bezeichnet die Krankenkasse den weiteren Anstieg der Fehlzeiten am Arbeitsplatz aufgrund seelischer Störungen. Die ärztlichen Diagnosen seien wie in den Vorjahren im Jahre 2011 gestiegen. Zwischen den Jahren 2010 und 2011 nahm der Anteil bei Arbeitnehmern um etwa 6,3 Prozent zu. Das entspricht 0,12 Tage mehr als im Vorjahreszeitraum. Es sei ein Trend erkennbar, der sich seit etwa fünf Jahren manifestiert hat. Seit dem Jahre 2006 ist der Anteil der psychisch bedingten Fehlzeiten um satte 61 Prozent angestiegen.

Seelische Belastungen öfter in Berlin und Hamburg
Die Experten konnten zudem regionale Unterschiede feststellen. Ganz besonders betroffen sind von dem Negativtrend die Erwerbstätigen in Großstädten wie Hamburg oder Berlin. In den Auswertungen der Patientendaten zeigte sich, dass Angestellte im Dienstleistungssektor wie Callcenter, der Pflege oder erzieherischen Berufen eine erhöhtes Risiko für seelische Leiden haben. Frauen mussten häufiger krankgeschrieben werden, als Männer. Nach Ansicht der Kasse liege es daran, dass Frauen „auch häufiger in Dienstleistungsberufen arbeiten, als Männer“.

Schon Anfang Juni diesen Jahres hatte die Bundeskammer der Psychotherapeuten eine Zunahme der Krankschreibungen aufgrund psychischer Leiden festgestellt. Immer mehr Menschen leiden an dem Burnout-Syndrom, wie es hieß. Die Fehltage sind laut der Kammer seit 2004 um rund 1400 Prozent gestiegen. Vielfach klagen die Menschen über steigende Arbeitsbelastungen, Überstunden, unsichere Arbeitsverhältnisse und Mobbing.

Von den Arbeitnehmern und der Politik forderte die TK Maßnahmen zur Gestaltung von gesünderen Arbeitsbedingungen. "Es geht darum, Strategien für ein gesünderes Arbeiten zu entwickeln", sagte TK-Vorstand Norbert Klusen am Dienstag in Berlin. Beispielsweise müsste die moderne Kommunikation so genutzt werden, dass Arbeitnehmer nicht belastet werden. Die Arbeit könnte etwa durch "Home-Office" Angeboten oder Telefon- bzw. Videokonferenzen gesünder gestaltet werden.

Die Techniker Krankenkasse wertet jedes Jahr die Daten der etwa 3,7 Millionen erwerbstätigen Versicherten in Deutschland aus. Dabei nehmen Krankschreibungen, Arzneimittelverordnungen und Krankenhauseinweisungen für eine gewichtige Rolle ein. (sb)