Heilung von Aids schon in 5 Jahren möglich

Sebastian

HIV-Fachtagung nähe München: In fünf Jahren könnte eine vollständige AIDS-Heilung möglich sein

17.03.2012

Die Immunschwäche-Krankheit Aids könnte aller Voraussicht nach bereits in gut fünf Jahren heilbar sein. Diese These vertritt der Internist und Leiter der renommierten 14. Münchner Aids- und Hepatitis-Tage, Dr. med. Hans Jäger. Wissenschaftler berichten auf dem Kongress von neuen Therapieansätzen, die schon in naher Zukunft eine Heilung der Immunschwäche-Krankheit möglich machen könnten.

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In fünf Jahren könnte Aids heilbar sein
Weltweit tragen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO rund 34 Millionen Menschen den HI-Virus in sich. Vor etwa 30 Jahren wurde der HI-Virus erstmals entdeckt. Bis zum heutigen Tage sind etwa 37 Millionen Menschen an der Aids-Erkrankung verstorben. Jedes Jahr sterben auch in Deutschland rund 500 Menschen an der derzeit unheilbaren Krankheit. Führende Wissenschaftler sehen allerdings heutzutage zahlreiche neue Ansätze, um eine Genesung von HIV-Patienten voranzutreiben. „Die Heilungsforschung hat in den letzten 12 Monaten mehr Fortschritte gemacht als je zuvor“, erklärte Jäger am Rande der Veranstaltung. Der Experte glaubt, „dass ein realistischer Zeitraum, in dem wir heilen können, fünf Jahre sind.“ Allerdings seien die Forschungsarbeiten noch nicht soweit, um einen schützenden Impfstoff zu realisieren. „Schutzimpfungen haben wir nicht und werden sie auch in den nächsten Jahren nicht bekommen“, sagt der Experte.

Erste geglückte Heilung bereits vor drei Jahren
Das die Aussagen nicht mehr so futuristisch sind, wie sie sich anhören, zeigte eine erfolgreiche Knochenmarktransplantation (KMT) im Jahre 2008 in Berlin. Spezialisten hatten am Berliner Universitätsklinikum Charité einen Patienten von dem Virus befreit. Nach der geglückten Operation befanden sich keine HI-Viren mehr in dem Blut des Patienten. Jedoch ist die eher zufällig entdeckte Behandlungsmethode zu aufwendig, um sie bei allen Betroffenen anzuwenden, erklärte Jäger. Der damals 42-jährige Patient hatte Knochenmark-Zellen von einem Spender erhalten, der offenbar immun gegen den Aids-auslösenden Virus war. Etwa ein Prozent aller Menschen haben ein körpereigenes Abwehrsystem, dass dem Aids-Virus keine Chance lässt. Eben jene Erkenntnisse beflügelte viele Forschungsansätze.

Krebsmedikament erreicht versteckte Zellen
Hoffnungsvoll macht allerdings eine Therapie, die unlängst auf einem internationalen Kongress in Seattle vorgestellt wurde. Mit dem Anti-Krebs-Wirkstoff Vorinostat sei es in umfangreichen Studien gelungen, an versteckte Zellen zu gelangen, in denen der Virus trotz medikamentöser Behandlung schlummerte. Zwar könne mit den bisher entwickelten Arzneimitteln eine Vielzahl der Viren abgetötet werden, allerdings überleben viele in sogenannten Schlummer-Zellen. „Dieses Arzneimittel hat es geschafft, aus latent infizierten Zellen Viren freizusetzen, die dann von den bekannten Medikamenten erreicht und vernichtet werden können.“

HI-Viren-Last kann mit Medikamenten klein halten
Bereits heute könnten die Mittel die Last der Viren im Blut so minimieren, dass eine Ansteckung durch Weitergabe praktisch nicht mehr möglich ist. Das sei vor allem für Paare fundamental wichtig, damit sich der nicht-infizierte Partner nicht ansteckt. Nur mit Hilfe der Medikamente könnten die Patienten ein relativ normales Leben weiterführen. Das Konzept dieser Behandlung heißt „Prävention durch Therapie“, sagt der Internist.

Präventionen und Anstrengungen dürfen nicht nachlassen
Vom 16. bis zum 18. März beraten sich Ärzte, Forscher, Rechtsanwälte, Psychologen, Sozialpädagogen, Betroffene und Pflegende über den neusten Wissens- und Forschungsstand auf den Aids- und Hepatitis-Tagen in der Nähe von München. Trotz vieler erfreulicher Meldungen über die seit einiger Zeit rückläufige Quote der HIV-Neuinfektionen in Deutschland „darf unsere Anstrengung in Sachen Prävention und Heilung nicht nachlassen“, mahnte Jäger zu Beginn der Veranstaltung. Denn weltweit nehmen die Zahlen der Infektionen und Todesfälle zu. Daher sind „intensive Forschungen und adäquate Therapien wichtiger denn je.“ Etwa 1500 Experten nehmen an dem Kongress teil. Durch eine Vernetzung soll es am Wochenende möglich sein, die neusten Wissensstände des 19. CROI (Conference of Retroviruses and Oportunistic Infections) die wenige Tage vor der Fachtagung in den USA stattfand, mit einfließen zu lassen. Neben der Weitergabe von Fachwissen sind Themen wie Homosexualität und HIV-Infektionen im Islam sowie die präventive Arbeit an Schulen dazugekommen. An der Ausrichtung der Workshops und Seminare sind neben Medizinern auch Betroffene mit eingebunden. Die Tagung findet noch bis Sonntag statt. (sb)