Homöopathie: Demnächst keine Kassenleistung mehr?

Thorsten Fischer

Demnächst keine Krankenkassen Leistungen für Homoöpathie?

(12.07.2010) Um Einsparungen vornehmen zu können, werden von Verantwortlichen in aller Regel zuerst Wege gewählt, wo möglichst wenig Widerstand zu erwarten ist. Im Gesundheitssystem soll es nun der Homöopathie an den Kragen gehen. Nach Vorstellungen des CDU- Verantwortlichen für den Gesundheitssektor, Jens Spahn, werden zukünftig homöopathische Leistungen und Naturheilverfahren nicht mehr im Katalog der gesetzlichen Krankenkassen enthalten sein. Unterstützung bekam Spahn dabei von seinem SPD- Pendant Karl Lauterbach. Einzig die Grünen widersprechen den Plänen und lehnen die Herausnahme der Homöopathie aus den Leistungen der gesetzlichen Kassen ab.

Lauterbach will es nach einem Bericht des Magazins „Der Spiegel“ allen Kassen grundsätzlich verbieten, zukünftig Homöopathie Leistungen zu übernehmen, obwohl sowieso nur etwas über die Hälfte der Kassen sie bezahlen. Lauterbach ist der Meinung, dass durch die Übernahme der homöopathischen Leistungen die Kassen der Homöopathie zu einer Legitimation bei den Menschen verhelfen würden, denn "die Patienten glauben, die Kassen zahlen nur das, was auch nachweisbar hilft."

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Die Ausgabe des Spiegel 28/2010 widmet sich schon auf dem Titelblatt der Homöopathie. „Homöopathie: Die große Illusion“, heisst es dort. Und in dem Artikel „Krankenkassen sollen sich Homöopathie sparen“ wird zusätzlich zu den Aussagen von Lauterbach darauf hingewiesen, dass die Homöopathie mittlerweile ein Milliardengeschäft sei.

Ob sich daran etwas ändern wird, wenn es nach dem Willen von Spahn und Lauterbach geht, ist fraglich. Denn da nur die Hälfte der Kassen die Kosten bisher bezahlen und die Globuli nicht besonders teuer sind, sind hier keine großen Einsparungen zu erwarten. Eine Art durch Lauterbach beschriebene „Adelung der Homöopathie“, wie es das Portal „Themen der Zeit“ in seinem Artikel „Homöopathie und Politik“ beschreibt, solle kein Entscheidungs- Kriterium sein, da die Menschen nur Mittel kaufen, die auch helfen und nicht umgekehrt.

Der Autor und Publizist Claus G. Fritzsche weist in seinem Blog H.Blog: Homöopathie & Forschung daraufhin, dass die öffentliche Darstellung der wissenschaftliche Situation zur Nachweisbarkeit der Homöopathie sehr von ideologischen Gesichtspunkten geprägt ist.

Der Rechts- und Politikwissenschaftler und seit 2005 tätige Obmann der CDU/CSU-Fraktion im Gesundheitsausschuss, Jens Spahn, wies weiter darauf hin, dass die Wahltarife für Naturheilverfahren unter der rot- grünen Bundesregierung eingeführt worden waren und er sie nun gerne rückgängig machen würde. Spahn kündigt schon seit längerem an, dass mehr „Reformen“ und Einsparungen im Gesundheitssystem notwendig seien. Dazu gehört für ihn unter anderem eine weitere Anhebung der Zusatzbeiträge als jetzt von der Koalition beschlossen wurde.

Kritiker, nicht nur aus dem Bereich der Naturheilkunde, weisen daraufhin, dass die Einsparungen im Bereich der Naturheilverfahren eher gering seien. Der erst kürzlich angetretene Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Dr. Jürgen Windeler, beklagte Mitte Juni öffentlich, dass viele Arzneien wirkungslos seien. Nach einem Arzneimittelreport der Krankenkasse Barmer GEK liegt der Anteil von neuen Medikamente ohne zusätzlichen Nutzen bei etwa 40 Prozent. (tf)

Bild: Marco Korf/ Pixelio.de