Hündin überwacht neunjährigen Diabetiker

Fabian Peters

Hündin Lulu hilft dem Diabetiker Arnold im Alltag

14.10.2011

Speziell trainierte Hunde können das Leben von Diabetikern deutlich erleichtern und mögliche gesundheitliche Risiken durch die Erkrankung minimieren. So hat der neunjährige Arnold die Hündin Lulu, die ihn fast überall hin begleitet und auf ihn aufpasst.

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Die Hündin Lulu ist mittlerweile so bekannte, dass bereits ein Buch über sie geschrieben wurde. Sie weicht nicht von Arnolds Seite und passt auf, dass die Zuckerkrankheit ihm möglichst nicht gefährlich wird. Hierfür wurde die Hündin intensiv geschult. Lulu gibt Alarm, wenn der Blutzuckerspiegel des kleinen Arnold zu weit absinkt oder zu stark ansteigt. Entweder holt sie die Eltern von Arnold oder drückt einen Notrufknopf am Telefon und ruft Hilfe herbei.

Hunde erschnüffeln den Krankheitszustand
Hunde könne mit ihrer extrem guten Nase, verschiedenste Krankheiten beim Menschen erschnüffeln. Bei Diabetes sind die Vierbeiner sogar dazu in der Lage den Blutzuckerspiegel zu riechen. Diese Fähigkeit lässt sich auch für die Ausbildung spezieller Diabetikerwarnhunde nutzen. Die beste Freundin des neunjährigen Arnold, Lulu, ist eine solche Diabetikerhündin. Bei Arnold wurde im Alter von zwei Jahren Diabetes mellitus festgestellt. Der Organismus des Jungen ist nicht dazu in der Lage ausreichend Insulin zu bilden, das als Hormon für die Verarbeitung von Kohlenhydraten erforderlich ist. Dadurch steigt sein Blutzuckerspiegel nach der Aufnahme von kohlenhydrathaltigen Nahrungsmitteln wie Kartoffeln, Getreideprodukten, Mais, Reis oder Süßigkeit stark an, was für die Gesundheit mitunter durchaus kritische Folgen haben kann.

Um dem Organismus die Verarbeitung der Kohlenhydrate zu ermöglichen, müssen die meisten Diabetiker ihrem Körper Insulin in Form von Spritzen oder Tabletten zuführen (bei besonders leichten Varianten der Erkrankung reicht die Einhaltung einer strikten Diät). Um stets rechtzeitig zu bemerken, wann Arnold Schwierigkeiten mit seinem Blutzuckerspiegel hat, begleitet Lulu den Jungen aus Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) auf Schritt und Tritt. Arnold droht nicht nur ein zu hoher Blutzuckerspiegel nach der Aufnahme kohlenhydrathaltiger Nahrung, sondern aufgrund der mangelhaften Kohlenhydrat-Verarbeitung besteht auch die Gefahr einer sogenannten Unterzuckerung, bei der Arnold zu wenig Zucker im Blut hat. Beides erkennt Lulu und alarmiert umgehend die Eltern des Jungen.

Diabetikerwarnhunde als Lebensretter
Auch während Arnold schläft, passt die Labradorhündin darauf auf, dass mit seinen Blutzuckerwerten alles in Ordnung ist. Droht Gefahr, versucht Lulu den Neunjährigen zu wecken, gelingt dies nicht, geht Lulu ins Schlafzimmer der Eltern und alarmiert diese. Dann können die Eltern umgehend reagieren und Arnold zum Beispiel im Fall einer drohenden Unterzuckerung schnell ein Stückchen Traubenzucker verabreichen, damit sein Blutzuckerspiegel wieder ins Gleichgewicht kommt. Sind Arnolds Eltern nicht zu Hause, kann Lulu im Ernstfall auch mit einem Notrufknopf am Telefon Hilfe herbeirufen. So ist Lulu nicht nur der beste Freund von Arnold, sondern auch eine Art Diabetes-Alarmanlage, die besonders feinfühlig auf die Bedürfnisse des Jungen reagiert. Die Labradorhündin begleitet Arnold nahezu überall hin – auch zur Schule und holt ihn von dort wieder ab. In Zukunft soll Lulu sogar im Unterricht neben Arnold sitzen, allerdings muss die Familie vorher noch ein wenig mit der Hündin trainieren.

Diabetikerwarnhunde beherrschen bis zu 250 Einzelkommandos
Von den Diabetikerwarnhunden hat Arnolds Familie nach eigenen Angaben aus einer Zeitschrift erfahren. Dabei sind die speziell trainierten Hunde laut Aussage des gemeinnützigen Vereins „Menschen für Hunde-Hunde für Diabetiker e.V.“ hilfreich und lebensrettend für jeden Typ1 Diabetiker der Probleme mit seinem Diabetes hat, für alle allein lebenden Diabetiker, für Diabetiker die nachts unterzuckern und für diabetische Kinder, „denen ein Diabetikerwarnhund ein Stück normales Leben ermöglicht“. Die Hunde werden speziell auf die Wahrnehmung der bei einer Hypoglykämie auftretenden chemischen Prozesse im Körper der Diabetiker trainiert, welche die Vierbeiner anhand des Atems und Schweiß riechen können. Allerdings ist den Angaben des Vereins zufolge das Erkennen von Unterzuckerungen nicht die einzige Aufgabe, die ein Diabetikerwarnhund beherrschen muss – „vielmehr lernt der Diabetikerwarnhund bis zu 250 verschiedene Einzelkommandos.“ (fp)