Zahlreiche Risikofaktoren verursachen Diabetes

Fabian Peters

Viele Ursachen: Jeder Mensch kann Diabetes bekommen

28.07.2011

Ungesunde Ernährung, Übergewicht und mangelnde Bewegung galten bis vor kurzem als die wesentlichen Ursachen der Diabetes. Doch mittlerweile haben unzählige Studien belegt, dass die sogenannte Zuckerkrankheit weit komplexer ist, als ursprünglich angenommen. Übergewicht und Bewegungsmangel sind demnach nur zwei von zahlreichen Risikofaktoren, die eine Diabetes-Erkrankung bedingen können.

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Sechs Millionen Menschen leiden heute in Deutschland an Diabetes, wobei Übergewicht und Bewegungsmangel bisher stets als Hauptursachen genannt wurden. Doch der Professor für Diabetologie an der Uniklinik in Tübingen und Pressesprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft, Andreas Fritsche, weist nun in einer aktuellen Mitteilung darauf hin, dass diese relativ einfach Erklärung der Diabetes-Erkrankungen heute nicht mehr gelten könne. Bei den Risikofaktoren für eine Diabetes-Erkrankung sind dem Experten zufolge zum Beispiel auch Schlafmangel, Schichtarbeit, Luftverschmutzung und Kontakt mit verschiedenen Chemikalien zu nennen. „Es wirkt so banal, wenn wir bei den Vorbeugemaßnahmen gesunde Ernährung und mehr Bewegung nennen, aber leider profitiert nicht jeder Betroffene davon“, betonte der Professor für Diabetologie.

Insulin vor 90 Jahren erstmals zur Diabetes-Behandlung eingesetzt
Rund 90 Jahre liegt die erstmalige erfolgreiche Behandlung eines Diabetes-Patienten mit Insulin zurück. 1922 gelang es dem kanadischen Orthopäden Frederick Grant Banting und seinem Student Charles Herbert Best das Insulin aus der Bauchspeicheldrüse zu isolieren, um damit einem dreizehnjährigen Patienten das Leben zu retten. Die Hoffnung im Anschluss an die erfolgreiche Behandlung war groß und die Wissenschaftler waren sich sicher, Diabetes schon bald heilen zu können. Doch bis heute besteht bei Diabetes nur die Möglichkeit zur Linderung der Symptome, jedoch nicht zur Heilung der Krankheit an sich. Zudem sind die Ursachen der Erkrankung weiterhin nicht abschließend geklärt und je intensiver die Forscher versuchen, diesen auf den Grund zu gehen, um so mehr Risikofaktoren scheinen sie zu entdeckten. Das Fazit von Martin Hrabé de Angelis, Direktor des Instituts für Experimentelle Genetik am Helmholtz Zentrum München: „Wir haben lange Zeit die Komplexität der Erkrankung unterschätzt.“

Nur wenige Diabetiker leiden unter Typ-1-Diabetes
Dabei sind die Risikofaktoren je nach Diabetes-Typ von sich aus unterschiedlich. Die Typ-1-Diabetes, an der rund fünf Prozent der Diabetiker in Deutschland leiden, wird durch einen absoluten Mangel am Hormon Insulin bedingt. Diese Form der Diabetes tritt meist schon im Kindes- und Jugendalter auf, wobei das Immunsystem sich gegen die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse richtet und diese zerstört. Der daraus resultierende Insulinmangel bedingt die Diabetes-Erkrankung. Wieso das Immunsystem die eigenen Körperzellen angreift, ist bislang jedoch ungeklärt. Die Typ-1-Diabetes ist bis heute nicht heilbar, kann jedoch relativ gut mit Insulin behandelt werden. Zur Einstellung ihres Blutzuckerspiegels sind die Betroffenen ihr Leben lang auf die Verabreichung von Insulin angewiesen, nicht zuletzt um Folgeerkrankungen wie Augenkrankheiten (Diabetische Retinopathie), Gefäßerkrankungen (Arteriosklerose), Nervenschäden und Nierenkrankheiten zu vermeiden.

Typ-2-Diabetes durch zahlreiche Risikofaktoren beeinflusst
Den Großteil der Diabetes-Erkrankungen bilden mit etwa 90 Prozent die umgangssprachlich auch häufig als Altersdiabetes bezeichneten Typ-2-Diabetes-Erkrankungen. Grundsätzlich kann diese Erkrankung zwar auch junge Menschen ereilen, doch mit dem Lebensalter steigt das Risiko erheblich – daher der Name. Typ-2-Diabetes entwickelt sich meist erst im Verlauf des Lebens und wird dabei durch unterschiedlichste Risikofaktoren begünstigt. Hierzu zählen auch die bereits erwähnte, ungesunde Ernährung, der Bewegungsmangel, Übergewicht, Schlafmangel, Schichtarbeit und die Luftverschmutzung. Auch die Typ-2-Diabetiker müssen sich unter Umständen ihr Leben lang Insulin spritzen und eine Heilung ist bislang ebenfalls ausgeschlossen. So hat sich an der Behandlung der Diabetes in den vergangen 90 Jahren nur wenig geändert. Lediglich die Konzentration der Wirkstoffe und die Form beziehungsweise Handhabung der Spritze wurde mehrfach angepasst. Im Laufe der Jahre habe sich jedoch die Wahrnehmung der Erkrankung in der Öffentlichkeit spürbar gewandelt, erklärte der Professor für Diabetologie, Andreas Fritsche. „Diabetes wird oft fälschlicherweise als nicht behandlungsbedürftige Krankheit gesehen und von Ärzten und Patienten unterschätzt“, bemängelte der Experte und betonte, dass Diabetes „eine chronische Erkrankung“ sei, welche über die Jahre „immer schlimmer“ werde, wenn keine angemessene Behandlung erfolgt.

Genetische Ursachen der Diabetes
Dabei sind sich die Forscher jedoch einig, dass nach dem heutigen Forschungsstand nicht eine Therapie für alle Diabetiker gelten kann, sondern je nach Krankheitsbild und Patient individualisierte Behandlungsmethoden, die gezielt auf die Diabetes-Patienten und ihre Lebenssituation angepasst sind, abgeleitet werden sollten. Außerdem erhoffen sich die Experten in den nächsten Jahren erhebliche Fortschritte im Bereich der genetischen Ursachenforschung zur Diabetes. „Wir haben gerade 40 Gene kennengelernt, von denen wir wissen, dass man sie mit Diabetes assoziieren kann“, betonte der Direktor des Instituts für Experimentelle Genetik am Helmholtz Zentrum München, Hrabé de Angelis. Die Wissenschaftler sind sich jedoch bewusst, dass nicht alle Antworten aus der Genetik kommen können, sondern auch im Bereich der Umweltfaktoren weitere Forschungsarbeit geleistet werden muss. (fp)