Im Osten mehr Todesfälle durch Herzkrankheiten

Sebastian

In Ostdeutschland ist die Sterberate bei einem Herzinfarkt höher als im Westen

29.01.2014

Im Osten Deutschlands sterben Menschen häufiger an Herzerkrankungen als Patienten im Westen. Das ist das Ergebnis einiger Untersuchungen die im Deutschen Herzbericht veröffentlicht wurden. Nur in Berlin zeigt sich dieser Unterschied nicht.

Zwar versterben immer weniger Menschen an einem Herzinfarkt, allerdings ist die Sterberate in Ostdeutschland besorgniserregend hoch. Die meisten Todesfälle ereigneten sich in dem Bundesland Sachsen-Anhalt. Hier starben 104 Menschen je 100.000 Einwohner an einem Infarkt. Die wenigsten Infarkt-Todesfälle wurden in dem Land Bremen erfasst. Hier lag die Quote bei 35 zu 100.000 Bremern. Die Zahlen berufen sich auf Studien aus dem Jahre 2011. Möglich sei, so die Ärzte, dass in Strukturschwachen Gegenden weniger spezialisierte Kardiologen niedergelassen sind. Zudem bestehe in zahlreichen Regionen eine geringeres Gesundheitsbewusstsein und ein weniger ausgeprägtes Fachwissen.

Herzinfarkt mit die häufigste Todesursache in Deutschland
Die mit am häufigsten festgestellte Todesursache in Deutschland ist der Herzinfarkt. Allerdings sterben heute immer weniger Menschen an einem Herzanfall als dies noch vor 30 Jahren der Fall war. Zum Vergleich: Im Jahre 2011 ereilte dieses Schicksal etwa 52.000 Menschen. Im Jahre 1980 waren es noch 92.800.

Nach Ansicht des Vorsitzenden der Deutschen Herzstiftung, Prof. Dr. med. Thomas Meinertz liege dies an der verbesserten Diagnostik, Behandlung und Vorbeugung. Auch würden immer mehr Menschen eine gesündere Lebensweise bevorzugen. Dennoch treibe ein Drittel der Deutschen noch immer zu wenig Sport. Auch zögern viele Menschen zu lange mit ihren Beschwerden zu einem Facharzt zu gehen. Bei akuten Herzanfällen rufen zudem viele zu spät die Notrufnummer 112. Dadurch vergehe zu viel wertvolle Zeit, um einem Patienten ein Überleben zu ermöglichen. Auf dem Land dauere es zudem zu lange, bis der Krankenwagen bei dem Betroffenen ankommt. „Bei langen Wegen in die Klinik kann dies tödlich enden.“

Trotz insgesamt sinkender Zahlen bei den Herzerkrankungen mit Todesfolge würden dem Bericht nach nach wie vor deutliche regionale Unterschiede bestehen. Demnach bestehe für Herz-Patienten im Osten ein deutlich höheres Risiko, einem Herzinfarkt zum Opfer zu fallen als Patienten in den westlichen Bundesländern. Am höchsten sei die Sterbeziffer in Sachsen-Anhalt, denn hier würden 372 Todesfälle auf 100 000 Einwohner verzeichnet, dicht dahinter folgen Thüringen mit 352. In Berlin liegt die Sterberate auf 100.000 Einwohnern bei 185, in Hamburg 213 und in Baden-Württemberg bei 219.

Eine Hauptfoderung der Herzstiftung ist daher die Versorgung in die strukturschwachen Gegenden zu verbessern. Es fehlen oft qualifizierte Herznotfallambulanzen und Kardiologen. In Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel gebe es nur ein Kardiologe für 37.000 Einwohner. Zum Vergleich: in Bremen ist ein Herzspezialist für gerade einmal 19.500 Menschen zuständig.

Deutliche Verbesserung bei der Akutversorgung
Nach Angaben der DGK ist die Akutversorgung von Herzinfarkt-Patienten auf einem sehr guten Niveau. Bei fast 90 Prozent der Patienten lässt sich die Durchblutung des Herzmuskels wiederherstellen. Der einzige Wermutstropfen: immer mehr Menschen erreichen ein immer höheres Alter und damit steigt auch das Risiko eine Herzmuskelschwäche zu entwickeln. Die Experten warnen auch davor, dass der Trend zu einem ungesünderen Lebensstil den Fortschritten in der Früherkennung und Behandlung zunichte macht. "Übergewicht und Diabetes nehmen erschreckend zu, der Anteil von Rauchern geht insgesamt kaum zurück", erklärte Hamm. Die Erfolge, die zum Beispiel durch Medikamente bei der Blutdrucksenkung oder den Blutfettwerten erreicht werden können, werden dadurch relativiert. Daher müssen verstärkt Präventiosprogramme entwickelt werden, die Patienten bei der Änderung ihres Lebensstils unterstützen.

Zu wenig Herz-Spenderorgane
Viel zu wenig Spenderorgane würden nach Angaben der Mediziner zur Verfügung stehen. Im Jahre 2012 wurden gerade einmal 346 Herzen transplantiert. Das sind trotz einem sehr viel höherem Bedarf gerade einmal so viele wie im Jahre 1995. Laut Prof. Anno Diegeler von der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie stehen jedoch „rund 900 Patienten auf der Warteliste“. Für viele Patienten bedeute diese Tatsache der Tod.

Es gibt auch positive Meldungen: Immer mehr ältere Patienten können heute neue Herzklappen per Schlüsselloch-Chirurgie und Katheter eingesetzt bekommen. Diese Verfahren sind sehr viel schonender. Dadurch erhöht sich ebenfalls die Überlebensrate. Im Jahre 2012 fanden 9000 Patienten wurden diesem Verfahren unterzogen. Etwa 11.700 Menschen unterzogen sich einer konventionellen Operation. Die Sterberate liegt gerade einmal bei 3 Prozent.

Mehr Kinder konnten gerettet werden
Eine weitere Verbesserung ist die schonendere Operationsmöglichkeit von Säuglingen und Kindern mit einem angeborenen Herzfehler. Die Verfahren heute sind wesentlich effektiver. 85 bis 90 Prozent der operierten Kinder können heutzutage die Volljährigkeit erreichen. Bei Kleinkindern hat sich somit die Sterberate um 70 Prozent (Vergl. Vor 20 Jahren) verringert. (sb)

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