Herzanfall – Symptome, Anzeichen und Therapie

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Fabian Peters

Herzanfall: Akutes Koronarsyndrom

Herzleiden wie ein Herzanfall oder Herzinfarkt zählen zu den häufigsten Todesursachen in den modernen Industrienationen. Ungesunde Ernährung, zu wenig Bewegung und Übergewicht gelten hier als maßgebliche Ursachen für den deutlichen Anstieg der tödlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den vergangenen Jahrzehnten. Durch einige einfach umzusetzende Gegenmaßnahmen lässt sich das individuelle Erkrankungsrisiko deutlich reduzieren.

Abgrenzung zwischen Herzanfall und Herzinfarkt

Während umgangssprachlich kaum ein Unterschied zwischen der Verwendung der Begriffe „Herzanfall“ beziehungsweise „Akutes Koronarsyndrom“ und „Herzinfarkt“ besteht, werden diese in der medizinischen Fachwelt zur Beschreibung unterschiedlicher Schweregrade akuter Herzbeschwerden verwendet. Wesentlicher Unterschied ist, dass die allgemeinere Bezeichnung Beschwerden beschreibt, die auch ohne bleibende Schäden am Gewebe des Herzens verlaufen können, während ein Herzinfarkt immer eine irreversible Schädigung des Herzmuskelgewebes mit sich bringt. Jeder Herzinfarkt ist auch ein Anfall, aber nicht jeder Herzanfall wird zu einem Herzinfarkt. Die Durchblutungsstörungen des Herzens, welche Ursache für die potentiell tödlichen Herzleiden sind, zeigen sich bei anderen Formen eines Herzanfalls weniger ausgeprägt, als bei einem Herzinfarkt, ansonsten bestehen jedoch sowohl in der Symptomatik als auch bei den Auslösern kaum Unterschiede.

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Ein Herzanfall ereilt die Betroffenen oft in völlig unerwarteten Situationen. (Bild: Robert Kneschke/fotolia.com)

Symptome

Ein Herzanfall wird ebenso wie der Herzinfarkt in erster Linie durch ein massives Stechen in der Brust gekennzeichnet. Die akuten Brustschmerzen beziehungsweise Herzschmerzen können dabei auch in Arme, Nacken, Unterkiefer, Bauch und Rücken ausstrahlen. Begleitet werden die Schmerzen von einem heftigen Druck- und Engegefühl hinter dem Brustbein. Herzrasen, Herzstolpern und Herzrhythmusstörungen sind weitere typische Begleiterscheinungen. Die akuten Beschwerden führen bei den Betroffenen zu einer wachsenden inneren Unruhe, die sich bis zu Todesangst steigern kann. Die Herzanfall-Patienten haben meist eine blass-fahle Gesichtsfarbe und beginnen stark zu schwitzen. Einige Patienten leiden auch an eher unspezifischen Begleitsymptomen, wie beispielsweise Atemnot oder Übelkeit und Erbrechen. Die Intensität der Beschwerden hängt stets von dem Schweregrad der Durchblutungsstörung des Herzens ab, die dem Anfall zugrunde liegt. Dies ist auch der Gradmesser an dem die medizinische Unterscheidung zwischen einem Herzanfall und einem Herzinfarkt erfolgt. Das Spektrum eines Akuten Koronarsyndroms reicht dabei von der instabilen Angina pectoris aufgrund einer kurzfristigen Durchblutungsstörung des Herzens bis hin zum Herzinfarkt.

Ursachen

Ursachen der akuten Thoraxschmerzen können verschiedene Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sein, die eine Minderdurchblutung der Herzmuskulatur bedingen. Hier sind in erster Linie eine Arterienverkalkung und die Koronare Herzkrankheit zu nennen, doch auch andere Auslöser, wie beispielsweise eine Embolie oder eine Endokarditis (Entzündung der Herzinnenhaut), kommen als Ursachen des Herzanfalls in Betracht. Zudem sind zahlreiche Risikofaktoren bekannt, die zu einer erhöhten Anfälligkeit für die akuten Herzbeschwerden führen.

Arteriosklerose (Arterienverkalkung) führt zur Ablagerung sogenannter Plaques an den Gefäßinnenwänden, wodurch sich der Querschnitt der Arterien verengt und der Blutdurchfluss behindert wird. Schlimmstenfalls bildet sich ein Thrombus, der die Blutgefäße vollständig verschließt. Bei Arterienverkalkungen im Bereich des Herzens kann unter Umständen die Blutversorgung des lebenswichtigen Organs nicht mehr im erforderlichen Maße gewährleistet werden.

Das ist das Ziel einer By-Pass-Operation. (Bild: Henrie/fotolia)
Das ist das Ziel einer By-Pass-Operation. (Bild: Henrie/fotolia)

Als weit verbreitete Risikofaktoren sind neben den Erbanlagen, eine Erkrankung an Diabetes, Bluthochdruck und Nikotinkonsum bekannt. Da Übergewicht und Bewegungsmangel in Korrelation zu zahlreichen potenziellen Ursachen für einen Herzanfall stehen, werden sie zudem als indirekte Risikofaktoren bewertet. Auch ein Zusammenhang der akuten Herzbeschwerden mit psychischen Belastungen und Stress gilt als gesichert, selbst wenn bislang kein eindeutiger wissenschaftlicher Beleg für diesen Zusammenhang besteht. Dies gilt in ähnlicher Form für das beobachtete erhöhte Risiko bei Migräne Patienten, die im Zuge der Migräne-Attacken nicht nur Kopfschmerzen, sondern auch die typischen Aura-Symptome zeigen.

Diagnose

Oft weisen die spürbaren Symptome bereits relativ eindeutig auf einen Herzanfall hin, doch kann letzterer unter Umständen auch gänzlich ohne die typischen Anzeichen verlaufen. Hier bietet die Erstellung eines Elektrokardiogramms (EKG) beziehungsweise die Elektrokardiografie in der Regel das Diagnoseverfahren der Wahl. Allerdings bedarf die Durchführung eines EKG gewisser Zeit und jede Minute zählt. Um Schneller zu einer Einschätzung zu gelangen , wird daher unter Umständen eine ergänzende echokardiografische Untersuchung (Ultraschalluntersuchung) des Herzens durchgeführt. Zudem können Blutuntersuchungen beziehungsweise bestimmte Biomarker im Blut Hinweise auf einen möglicherweise vorliegenden Herzinfarkt liefern, doch bedürfen diese in der Regel ebenfalls einiger Zeit und können nur Ergebnisse liefern, wenn bereits Gewebe abgestorben ist.

Ermöglichen die bisher genannten Diagnoseverfahren keine eindeutige Aussagen, bleibt eine sogenannte Angiografie der Herzkranzgefäße, bei der den Patienten ein Kontrastmittel injiziert wird und anschließend eine Röntgenuntersuchung erfolgt, als weitere Diagnosemöglichkeit. Doch wird der Organismus hier relativ hohen Strahlenbelastungen ausgesetzt, so dass dieses Verfahren äußerst sparsamen angewendet werden sollte. Letztendlich bildet bis heute ein schnellstmöglich anzufertigendes EKG bei Verdacht auf einen Herzinfarkt das Diagnoseverfahren der Wahl.

Behandlung

Generell ist der Zeitraum unmittelbar nach Einsetzen der Durchblutungsstörung des Herzens für den Erfolg der Behandlung beziehungsweise das Überleben der Patienten häufig entscheidend. Wird in der ersten Minuten des Anfalls adäquate Erste Hilfe geleistet, verbessern sich die Aussichten der Patienten deutlich. Schnellstmöglich den Rettungsdienst alarmieren, lautet zudem bei Verdacht auf einen Herzanfall die oberste Devise. Denn nach spätestens einer halben Stunde beginnt des Herzgewebe abzusterben. Idealerweise wird bereits zuvor ein Krankenhaus erreicht und dort eine Behebung des bestehenden Gefäßverschlusses mittels Lysetherapie oder Herzkatheterbehandlung eingeleitet.

Sollte im Zuges des Anfalls ein Herzstillstand eintreten, ist umgehend mit einer Herz-Lungen-Wiederbelebung zu beginnen. Dies gilt auch für die Ersthelfer, solange der Rettungsdienst noch nicht eingetroffen ist. Im Rettungswagen und Krankenhaus besteht zudem die Möglichkeit bei möglicherweise vorliegendem Kammerflimmern den Herzschlag mittels eines Defibrillators wieder zu stabilisieren. Auch werden im Zuges des Herzanfalls verschiedene Medikamente eingesetzt, die einer weiteren Blutgerinnselbildung entgegenwirken sowie die Durchblutung und Sauerstoffversorgung des Herzens verbessern sollen. Begleitend kommen in der Regel schmerzlindernde Medikamente zur Anwendung. In manchen Fällen erhalten die Patienten auch starke Beruhigungsmittel.

Bestätigt sich bei den anschließenden Untersuchungen der Verdacht auf einen Verschluss der Herzkranzgefäße bleibt unter Umständen nur die Möglichkeit eines invasiven Eingriffs, um das Leben der Patienten zu retten. Die sogenannte primäre perkutane koronare Intervention mittels Stent beschreibt hier nichts anderes als eine Operation, bei der die verschlossenen Gefäße wieder geöffnet oder durch eine neues (künstliches) Hohlorgan ersetzt werden. Bedauerlicherweise sind jedoch selbst frühzeitig eingeleitet Gegenmaßnamen unter Umständen nicht von Erfolg gekrönt und die Betroffenen versterben. Ist der akute Herzanfall überstanden, bedeutet dies zudem keineswegs, dass die Gefahr endgültig vorüber ist. Oft müssen die Betroffenen ein Leben lang blutverdünnende, gerinnungshemmende und Blutdruck-regulierende Arzneien einnehmen. Auch kann die Implantation eines Herzschrittmachers oder gar eine Herztransplantation langfristig erforderlich werden.

Naturheilkunde als Ergänzung

Die Naturheilkunde bietet zahlreiche Behandlungsoption, die ergänzend zu den bisher genannten Therapien angewandt werden und einen äußerst positiven Beitrag zur Linderung der Beschwerden aber auch zu Vermeidung eines erneuten Herzanfalls leisten können. Hier sind zum Beispiel Homöopathika wie Aconitum, Arnica, Arsenicum album, Aurum metallicum, Kalium carbonicum und viele mehr zu empfehlen. Die Auswahl der geeigneten Präparate sollte dabei grundsätzlich Experten überlassen werden. Die Homöopathika stellen zudem keineswegs eine Alternative sondern lediglich eine Ergänzung der herkömmlichen Herzanfall-Behandlung dar. Dies gilt auch für die ebenfalls des öfteren bei Herzbeschwerden angewandten Schüssler Salze.

Da Stress eine negative Wirkung auf das Herz nachgesagt wird, spielen im Rahmen der naturheilkundlichen Behandlung auch Maßnahmen zur Stressvermeidung, wie Autogenes Training oder Yoga, häufig eine Rolle. Bachblüten werden ebenfalls zur Behandlung von psychisch bedingten Herzproblemen beziehungsweise seelischen Leiden angewandt. es Weiteren ist aus dem Bereich der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) Weißdorn aufgrund seiner stimulierenden Wirkung auf die Herzfunktion zu erwähnen. Zudem soll Ginko eine durchblutungsfördernde Wirkung entfalten und Knoblauch die Gefäße schützen. Die sogenannte Orthomolekular-Medizin setzt ergänzend auf die Behandlung der Herzpatienten mir hochdosierte Vitaminen und Mineralstoffen, wie beispielsweise mit Vitamin B, Vitamin C und Magnesium.

Ernährungstherapien können vor allem im Sinne der Prävention einen wesentlichen Beitrag leisten, wobei eine cholesterinarme ausgewogene Ernährung empfehlenswert erscheint. Basische Lebensmittel bieten zudem einen guten Ansatz, um einer möglicherweise bestehenden Übersäuerung des Organismus entgegenzuwirken beziehungsweise einen Ausgleich im Säure-Basen-Haushalt zu erreichen. Im Zuge der Ernährungstherapie sollte auch ein Abbau des eventuell vorliegenden Übergewichts angestrebt werden. Hier kann eine begleitende Bewegungstherapie durchaus hilfreich sein. Diese entfaltet in der Regel auch eine positive Wirkung auf das gesamte Herz-Kreislauf-System. Spezielles Herz-Kreislauf-Training (Cardiotraining) kann ebenfalls einen wesentlichen Beitrag zur Herzanfall-Prävention leisten. Allgemein bieten sich Ausdauersportarten zur Verbesserung der Herz-Kreislauf-Funktionen an, doch sollten die Herzpatienten insbesondere unmittelbar nach dem Herzanfall ihren Körper nicht zu stark fordern. Ein sachter Einstieg mit langsamer Steigerung der Beanspruchung ist hier angeraten. Schon eine halbe Stunde Spazierengehen am Tag kann im Sinne der Herzanfall-Prävention eine äußerst erfreuliche Wirkung entfalten. (fp)