Kopfschmerzen: Ursachen und Behandlung

kopfweh
Heilpraxisnet

Kopfschmerzen: Ursachen, Symptome und Behandlung

Eine der häufigsten menschlichen Schmerzformen sind die Kopfschmerzen. Der Kopfschmerz, auch als Zephalgie bezeichnet, kann primär, d.h. als eigenständiges Beschwerdebild oder sekundär als Symptom einer zugrunde liegenden Erkrankung auftreten. In ungefähr 90% der Fälle werden primäre Kopfschmerzen diagnostiziert, die sich vor allem in Form von Migräne und Spannungskopfschmerzen zeigen und chronisch verlaufen. Die restlichen zehn Prozent treten sekundär auf, zum Beispiel als Begleiterscheinung bei Bluthochdruck oder Diabetes. Vorübergehend kann Kopfschmerz auch als „Katerkopfschmerz“ nach übermäßigem Alkohol- und Tabakkonsum, bei Wetterfühligkeit oder als Begleiterscheinung von Erkältungsinfekten auftreten. Wiederholt auftretende und sehr starke akute Schmerzen sollten immer sorgfältig untersucht und diagnostisch abgeklärt werden.

Inhaltsverzeichnis

Diagnose
Schmerzort: Wo tut es weh?
Schmerzcharakter: Wie tut es weh?
Schmerzauslöser: Wann tut es weh?
Formen von Kopfschmerzen
Migräne (Hemikranie)
Spannungskopfschmerz
Kopfschmerzen und Wirbelsäule
Cluster-Kopfschmerz (Bing-Horton-Syndrom)
Trigeminusneuralgie mit Gesichtsschmerzen
Kopfschmerzen als Krankheitssymptom
Konventionelle Therapie von Kopfschmerzen
Kopfschmerzen Behandlung Naturheilkunde
Allgemeine Naturheilkunde und Kopfschmerzen
Kopfschmerzen in der Hildegard-Medizin
Homöopathie bei Kopfschmerzen
Hypnosetherapie bei Kopfschmerzen
Manuelle Therapie bei Kopfschmerzen: Osteopathie

Diagnose

Kopfschmerzen können akut oder chronisch verlaufen, Schädel, Gesicht, die oberen Halswirbelsäule betreffen und mit Begleitsymptomen einhergehen. Verlauf, Lokalisation und Schmerzcharakter, Auslöser und begleitende Symptome geben wichtige Hinweise auf die Ursache. Einer wirksamen Behandlung sollten deshalb eine gute Beobachtung sowie eine sorgfältige Befragung durch den Behandler vorausgehen, wonach dieser –je nach therapeutischer Ausrichtung- gezielt und individuell einen Therapieplan erarbeiten kann. Kann keine eindeutige Diagnose gestellt werden, können weitere Untersuchungen, z.B. Schichtaufnahmen des Gehirns, Aufschluss über die Ursache geben.

Schmerzort: Wo tut es weh?

Die Schmerzen unterscheiden sich zunächst in der Lokalisation des Schmerzes. Dieser kann ein- oder beidseitig auftreten, im Schwerpunkt Stirn, Schläfen oder Hinterkopf betreffen, er kann wandern, ausstrahlen oder auf einen Punkt beschränkt sein. Häufig beschreiben Betroffene zum Beispiel Kopfschmerzen, die in den Hinterkopf ausstrahlen, was für die Behandlung von Bedeutung sein kann. Intuitiv verweisen die Betroffenen körpersprachlich sehr genau auf die schmerzenden Bereiche, indem schmerzende Stellen gehalten bzw. mit dem Finger der Schmerzverlauf nachgefahren wird. Diese wichtigen Informationen können therapeutisch effektiv genutzt werden. So richtet sich die Behandlung nach dem Faszien-Distorsions-Modell (FDM) ausschließlich nach körpersprachlichen Hinweisen durch den Betroffenen.

Funktionsweisen des Gehirns und Auslöser für Kopfschmerzen
Funktionsweisen des Gehirns und Auslöser für Kopfschmerzen. Bild: Bilderzwerg/fotolia

Schmerzcharakter: Wie tut es weh?

Die Beschwerden werden als stark, mittel oder leicht empfunden und weiterhin qualitativ als hell, dumpf, stechend, drückend, pochend, hämmernd oder ziehend beschrieben. Zum einen können diese Beschreibungen manchmal bereits Hinweis auf die Ursache geben. Zum Tragen kommen solche individuelle Empfindungen jedoch vor allem bei bestimmten Behandlungsformen, beispielsweise beim eingangs erwähnten FDM, imaginativen Verfahren und der Hypnotherapie, wo ebenfalls mit den Bildern der Betroffenen gearbeitet wird.

Schmerzauslöser: Wann tut es weh?

Hinweise auf die Entstehung der Schmerzen sind durch Häufigkeit und Situation zu bekommen. Gibt es Regelmäßigkeiten beim zeitlichen Auftreten, beginnen die Schmerzen unter Stress, nach Anstrengung oder treten sie am Wochenende bzw. in Entspannungsphasen auf? Kann ein Zusammenhang mit Nahrungsmitteln, Beschäftigungen oder gar Personen festgestellt werden? Fallen sonstige spezielle Auslöser auf, beispielsweise Berührung, Schlafen bei geschlossenen Fenstern oder Liegen in bestimmter Position? Nicht selten sind chronische Kopfschmerzen auch psychogen bedingt. Seelische Belastungen, die sich aus der beruflichen Situation oder zwischenmenschlichen Beziehungen ergeben, können also für die Wahl der optimalen Therapie eine wichtige Rolle spielen.

Formen von Kopfschmerzen

Die medizinische Literatur teilt verschiedene Kopfschmerzformen nach häufig vorkommenden Auslösern, Verläufen, Ursachen, Haupt- und Begleitsymptomen ein. In der Praxis werden diese Beschreibungen natürlich durch individuell erlebte Empfindungen und Beobachtungen der betroffenen Menschen ergänzt und manchmal kann aufgrund der individuellen Ausprägung keine Zuordnung vorgenommen werden. In der Naturheilkunde werden diese Einteilungen ebenfalls berücksichtigt, es kommen jedoch grundsätzlich weitere Hypothesen zu den Ursachen in Frage, sodass neben der konventionellen Therapie der Symptome alternative Behandlungsansätze zur Wiederherstellung der physiologischen Selbstorganisation des Organismus bestehen und weiter entwickelt werden.

Im Folgenden sollen die häufigsten Formen von primären Schmerzen am und im Kopf dargestellt werden und einige Erkrankungen genannt werden, bei denen (sekundäre) Kopfschmerzen als Symptom auftreten können.

Migräne (Hemikranie)

Mit Migräne bezeichnet man anfallsartige Schmerzen, die meist einseitig auftreten (hemi= halb; Kranium= Kopf) und die in ihrer Qualität vielfach als pulsierend, stechend oder pochend beschrieben werden. Migräneanfälle treten i.d.R. periodisch auf und können Stunden bis Tage (4-72 Stunden) andauern. Als Begleitsymptome finden sich regelmäßig Übelkeit und Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Viele Menschen müssen den Anfall im abgedunkelten Raum liegend abwarten. Die Migräne kann zudem mit einer sogenannten Aura auftreten, die mit vorübergehenden visuellen Phänomenen (Lichtblitze, Flimmern) sowie neurologischen Ausfallerscheinungen (Halbseitenlähmung, Aphasie) einhergehen kann. Die Ursachen von Migräne gelten immer noch weitgehend als unbekannt. Als Auslöser für einen Migräneanfall werden vielfach psychischer Stress und Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus genannt, aber auch der Verzehr bestimmter Nahrungs- und Genussmittel, z.B. von Alkohol, Schokolade und Käse. Migräneanfälle können bereits im Kindesalter auftreten, wie bei älteren Menschen sind auch bei Kindern die Attacken von kürzerer Dauer. Frauen sind insgesamt häufiger von Migräne betroffen als Männer.

Häufig steckt hinter Stirnschmerzen eine Migräne. (Henrie/fotolia)
Häufig steckt hinter Stirnschmerzen eine Migräne. (Henrie/fotolia)

Spannungskopfschmerz

Der chronische Spannungskopfschmerz wird beinahe ebenso häufig diagnostiziert wie die Migräne. Im Unterschied zu dieser wird der chronisch bestehende oder wiederkehrende Spannungskopfschmerz jedoch überwiegend als diffuser, dumpfer Schmerz im gesamten Kopf beschrieben. Er wird auch als vegetativ-vasomotorischer Kopfschmerz bezeichnet, was bedeutet, dass es durch Dysregulation des vegetativen Nervensystems zu Gefäßverengungen im Kopfbereich kommt, die dann die Schmerzen bewirken. Als Auslöser werden immer wieder vor allem Stress, Nackenverspannungen, klimatische Faktoren, Schlafmangel, Rauchen und Alkoholkonsum genannt. Die Schmerzen bestehen meist isoliert, d.h. ohne begleitende Symptome wie Übelkeit oder Erbrechen. Insbesondere Frauen sind nach der Symptombeschreibung jedoch häufig von einer Kombination aus Migräne und Spannungskopfschmerz betroffen, sodass Zusammenhänge zwischen den beiden Kopfschmerzformen diskutiert werden.

Kopfschmerzen und Wirbelsäule

Der Nerv, der meist die Spannungskopfschmerzen auslöst, weil er über den Kopf läuft, kommt vom zweiten Halswirbel. Nach dem Austreten aus dem Wirbelkanal muss er am Hinterkopf durch die Muskulatur, wo er vermutlich durch eine hohe Spannung abgeklemmt werden kann. In der Chiropraktik geht man unter anderem davon aus, dass Blockierungen des ersten oder zweiten Halswirbels den Nerv beeinträchtigen und Schmerzen auslösen können. Die ungünstigen Spannungsverhältnisse an und um die Halswirbelsäule herum, schiebt man auf alte Verletzungen, z.B. durch Autounfälle mit Schleudertrauma und ungünstiges dauerhaftes Nach-Vorne-Schieben des Kopfes im Rahmen von Bildschirmarbeit.

Cluster-Kopfschmerz (Bing-Horton-Syndrom)

Der Cluster-Kopfschmerz tritt wiederholt, anfallsartig und akut auf. Dabei werden die Schmerzen sehr intensiv und manchmal als unerträglich wahrgenommen. Die Schmerzepisoden werden in den meisten Fällen von schmerzfreien Intervallen abgelöst, die Monate andauern können. Die Kopfschmerzen werden in der Regel als konstant einseitig beschrieben, wobei Stirn- und Schläfenschmerzen dominieren. Meist erwachen die Betroffenen nachts zur immer gleichen Zeit mit heftigen Schmerzattacken, die 30 – 120 Minuten andauern und tagsüber noch zwei- bis siebenmal wiederkehren können (engl. cluster= Gruppe, Anhäufung). Begleitend treten mitunter vermehrter Tränenfluss, Nasenlaufen, Schwellung der Nasenschleimhaut, ein hängendes Oberlid und gerötete Bindehäute (Augenrötung) auf. Typisch ist das Vermeiden von Liegepositionen. Die Ursachen für Clusterkopfschmerzen sind nicht bekannt, als Auslöser gelten Nikotin- und Alkoholgenuss sowie Histamininjektionen.

Im Vergleich zur Migräne kommt der Clusterkopfschmerz wesentlich seltener vor und tritt gehäuft bei Männern im Alter zwischen 20 und 30 Jahren auf. Auch Kinder und ältere Menschen können betroffen sein. Eine ähnliche Symptomatik zeigt sich auch beim Sunct-Syndrom, bei dem jedoch die Attacken mit stechenden, pulsierenden Schmerzen eine Frequenz von 3 bis 200 pro Tag aufweist.

Trigeminusneuralgie mit Gesichtsschmerzen

Eine Trigeminusneuralgie tritt mit wiederholten Anfällen sehr intensiver Schmerzen oftmals einseitig im Gesicht auf. Die Schmerzen tauchen blitzartig auf und halten einige Sekunden konstant an einer Stelle an. Die Attacken können täglich bis zu einhundertmal vorkommen. Viele Betroffene entwickeln als Reaktion auf die wiederkehrenden Attacken mit stechend-bohrenden, vernichtenden Schmerzen Depressionen, die nicht selten mit Suizidalität einhergehen.
Ausgelöst werden die Schmerzattacken, die den 2. und 3. Ast des Trigeminusnervs betreffen, mitunter durch Berührung von Triggerpunkten oder beim Kauen, Schlucken und Sprechen. Die Ursachen sind ungeklärt, vermutet werden neurale Kurzschlüsse zwischen taktilen und schmerzleitenden Fasern. Selten besteht eine mechanische Reizung der Nervenwurzel durch einen Tumor, Aneurysma o.ä.. Frauen sind häufiger betroffen, insbesondere ab dem 50. Lebensjahr.

Kopfschmerzen als Krankheitssymptom

Wenn die Beschwerden als Symptom einer bestehenden Grunderkrankung oder anderer bekannter Ursachen (Verletzung, Medikamente) in Erscheinung treten, ist die Rede von sekundären Kopfschmerzen.

Hochakuter Kopfschmerz tritt beispielsweise bei Gehirnblutungen, Hirninfarkt, Hirnvenenthrombosen auf aber auch bei Hirndruck durch rasch wachsende Hirntumoren oder Entzündungen der Gehirnhäute (z.B. bei FSME). Oftmals kommt es dabei früher oder später zu Bewusstseinsstörungen.
Bei traumatisch bedingten Beschwerden durch Gehirnerschütterung, Schleuder- oder Schädelhirntrauma sind begleitend vielfach Übelkeit und Erbrechen sowie ein steifer Nacken anzutreffen. Treten auch noch Jahre nach einer Gehirnerschütterung Kopfschmerzen auf und gibt es keinen organischen Befund, kann es sich dabei evtl. um eine psychische Fehlverarbeitung des erlittenen Traumas handeln.

Paradoxerweise kann die regelmäßige Anwendung von Schmerzmedikamenten über einen längeren Zeitraum wiederum zu toxisch bedingtem Dauerkopfschmerz führen. Ebenso gelten Schlafmittel und hormonell wirksame Verhütungsmittel („Antibabypille“) als potentielle Verursacher . Innere Vergiftungen, die zu Kopfschmerzen führen, sind häufig auf Nieren- und Lebererkrankungen, auf Gastritis oder chronische Verstopfung zurückzuführen. Dabei verbleiben Giftstoffe im Körper, die bei gesunder Funktion der ausleitenden Organe eingeschränkt ist. Ebenso können Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes mellitus oder Hyperthyeose mit Kopfschmerzen einhergehen (metabolischer Kopfschmerz).

Schmerzen im Gesichtsbereich und Wangenschmerzen können u.a. auf einen Glaukomanfall, Erkältungsinfekten mit Schnupfen, Kieferhöhlen- und Nasennebenhöhlenentzündungen, Tumoren, Zahnerkrankungen, Augenstörungen, Multiple Sklerose (beidseitig) aber auch Zosterneuralgie zurückzuführen sein.

Kopfschmerzen treten weiterhin bei Hypotonie und Bluthochdruck, beim Phäochromozytom sowie nach Punktion von Rückenmarksflüssigkeit auf. Auch als Symptom des klimakterischen, prämenstruellen und depressiven Syndroms und nach starkem Husten kommen sie oftmals vor.

Konventionelle Therapie von Kopfschmerzen

Die konventionelle Therapie richtet sich nach der gestellten Diagnose. Fast immer steht die Therapie mit Schmerzmitteln im Vordergrund. Die Behandlung von Migräne besteht einerseits in der medikamentösen Linderung der Symptome im akuten Anfall mit schmerzstillenden, gefäßverengenden und Übelkeit vermindernden Wirkstoffen. Bei leichteren Beschwerden werden Ibuprofen, Acetylsalicylsäure oder Paracetamol empfohlen, die frei in der Apotheke erhältlich sind und auch gegen Spannungskopfschmerzen eingesetzt werden. Bei schweren Migräneattacken verschreiben Ärzte Triptane, Ergotamine und zusätzlich Antiemetika (Medikamente gegen Übelkeit). Zur Prophylaxe und Verminderung der Anfallshäufigkeit werden zwischen den Attacken Betablocker, Antiepileptika und Kalziumantagonisten verabreicht. Der Cluster-Kopfschmerz wird im akuten Anfall durch Sauerstoffinhalation sowie der Gabe von Mutterkornalkaloiden oder Methysen unterbrochen, prophylaktisch werden Lithium und Verapamil als Langzeitmedikation eingesetzt.

Behandlung in der Naturheilkunde

Zwar ist der schnelle und wiederholte Griff zu Schmerzmitteln insbesondere bei starken Kopfschmerzen nachzuvollziehen, unangenehme Nebenwirkungen und Medikamentenabhängigkeit werfen jedoch immer wieder die Frage nach alternativen Behandlungsformen auf. Hier sollen beispielhaft einige allgemeine und spezielle Ansätze und Verfahren aus Naturheilkunde und Alternativmedizin vorgestellt werden, mit denen die Beschwerden professionell behandelt werden können. Für die Selbstbehandlung leichterer Beschwerden stehen außerdem zahlreiche Hausmittel bei Kopfschmerzen aus der Naturheilkunde, insbesondere der Pflanzenheilkunde, zur Verfügung.

Allgemeine Naturheilkunde

In der allgemeinen Naturheilkunde macht man eine Verschlackung des Gewebes (mit)verantwortlich für die Entstehung von chronischen Kopfschmerzen. Als Mittel der Wahl wird nicht nur von Prof. Brauchle in „Das große Buch der Naturheilkunde“ aus dem Jahre 1957 einleitend eine Fastenkur mit Saft bzw. eine Rohkostkur zur „Ausleerung der Schlackenspeicher“ empfohlen, die dann in eine umgestellte Ernährungsweise mündet. Diese sollte einen hohen Anteil an Gemüse enthalten, also vorzugsweise fleischarm, vollwertig und abwechslungsreich sein. Auf Weißmehl, Industriezucker, Alkohol, Koffein, Fertigprodukte und –gerichte mit Konservierungsstoffen und Geschmacksverstärkern sollte genauso verzichtet werden wie auf zuviel Salz, Zitrusfrüchte und künstliche Süßstoffe.

Verdauungsstörungen und Nahrungsmittelallergien bzw. Nahrungsmittelunverträglichkeiten, hinter denen eine Fehlbesiedelung der Darmflora mit Leaky-Gut-Syndrom vermutet wird, spielen bei der Betrachtung in der Naturheilkunde eine wichtige Rolle, was sich in vielen Therapieansätzen widerspiegelt. Bestehen außerdem Durchblutungsstörungen und sind kalte Füße ein ständiges Begleitsymptom, so müsse nach Brauchle (s.o.) zunächst die Fußkälte beseitigt werden, da „von den Füßen aus […] nervöse Fernwirkungen zum Kopf [laufen]“. Dazu dienen z.B. Wechselfußbäder und pflanzliche Fertigarzneimittel.
Bei Verspannungen und Verhärtungen im Nackenbereich sollen außerdem durch unblutiges Schröpfen oder großflächiger Schröpfmassage lokal und reflektorisch über Schröpfreflexzonen Heilungsvorgänge angekurbelt werden. Weiterhin werden bei chronischem Kopfschmerz ein Klimawechsel, z.B. ins waldreiche Mittelgebirge, sowie sportliche Betätigung an der frischen Luft und Kneipp´sche Anwendungen empfohlen. Dazu gehören tägliche kalte Ganzwaschungen, Wassertreten und Unterschenkelgüsse. Vor allem bei vegetativ-vasomotorischen Spannungskopfschmerzen ist diese Form des „Gefäßtrainings“ sinnvoll.

Kopfschmerzen in der Hildegard-Medizin

In der Hildegard Heilkunde wird für die Entstehung von Krankheit eine Disharmonie der natürlichen Körpersäfte durch Vermehrung von Krankheitssäften verantwortlich gemacht. Im Falle von Kopfschmerzen sind aus der Hildegard-Medizin fünf Ursachen bekannt, die für eine übermäßige Ausschüttung schwarzer Galle sorgen und dadurch die Beschwerden auslösen können. Dazu gehören fieberhafte und Erkältungsinfekte, Stoffwechselstörungen, Diätfehler, z.B. die vier Hildegard´schen Küchengifte, Rohkost und Birnensaft; weiterhin Unfälle sowie ungünstige Lebens- und Arbeitsweise mit Stress und Sorgen.

Speziell bei Migräne werden in der Hildegard-Praxis das Hildegard-Schröpfen sowie der Hildegard-Aderlass angewendet, wodurch die schlechte Mischung der Körpersäfte (Dyskrasie), die aus Regulationsstörungen von Stoffwechsel und Hormonsystem entstanden ist, beseitigt werden soll.

Homöopathie bei Kopfschmerzen

Aus der Homöopathie sind zahlreiche Mittel bekannt, die bei Kopfschmerz wirksam sein können. Eine ausführliche Anamnese bei einer Homöopathin ist deshalb angeraten, vor allem weil bei chronischen Schmerzen auch die Entwicklung der Beschwerden eine Rolle spielt. Das Mittel wird in der professionell-homöopathischen Praxis außerdem als Hochpotenz verabreicht, sodass tiefgreifende Veränderung, nicht nur auf körperlicher Ebene, eintreten kann. Bei leichteren, akuten Beschwerden werden zur Selbstbehandlung bewährte Mittel, meist als Urtinktur bzw. in den Potenzen D4, D6 und D12, empfohlen. Dazu gehört Belladonna (Tollkirsche), v.a. bei pochendem Grippekopfschmerz sowie Bryonia (Zaunrübe), wenn bitterer Geschmack im Mund besteht, wenn Bewegung vermieden und ein ruhiger Raum verlangt wird. Berstenden, pulsierenden Schmerzen im Kopf soll man mit Melilotus officinalis (Steinklee) begegnen können. Auch sekundäre Kopfschmerzen werden mit dem passenden homöopathischen Mittel erfasst, z.B. wenn der Schmerz im Rahmen von Regelschmerzen vorkommt. Neben den klassischen Einzelmitteln gibt es heute verschiedene homöopathische Komplexmittel zur äußeren und inneren Anwendung sowie zur Injektion (durch Heilpraktikerin oder Arzt).

Hypnosetherapie bei Kopfschmerzen

Hypnose kann bei unterschiedlichen Kopfschmerzformen eingesetzt werden. Gearbeitet wird mit Entspannungsübungen und Schmerzkommunikation, mit heilenden Bildern und Symbolisierungen. Indem dem Schmerz eine Gestalt (Form, Farbe u.s.w.) gegeben wird, kann er konkretisiert und anschließend evtl. verändert werden. Ein Aspekt, der eine große Rolle spielt, ist die mangelnde Wahrnehmung von Körpersignalen, die von wiederholten Überforderungssituationen (unterschiedlicher Art) herrühren. Vielfach ist der natürliche Rhythmus von Anspannung und Entspannung bei Menschen mit chronischem Kopfschmerz gestört, was bei Spannungsschmerzen zu einer dauerhaften Fehlregulation der Muskelspannung führen kann. Bei Migränepatienten fallen in diesem Zusammenhang die starken Stimmungswechsel vor und nach dem Anfall auf. Wie bei der Arbeit mit Biofeedback-Geräten sollen Reaktionsweisen (wieder)erlernt werden, die den Schmerz positiv beeinflussen. Weitere, in diesem Sinne wirksame Maßnahmen, die auch ergänzend zur Hypnotherapie eingesetzt werden können, sind die Progressive Muskelentspannung oder regelmäßig geübtes Yoga.

Es existieren verschiedene wissenschaftliche Studien, z.B. eine 2002 veröffentlichte Studie von Faran („Pharmacological and Psychological Approaches of Migraine Treatment“), in der medikamentös bzw. hypnotherapeutisch orientierte Behandlungsverläufe bei Migränepatienten verglichen wurden. Dabei konnte u.a. eine signifikante Verminderung der Frequenz und Dauer der Migräneattacken sowie die subjektiv empfundenen Schmerzen verzeichnet werden.

Manuelle Therapie bei Kopfschmerzen: Osteopathie

Die Osteopathie und das Rolfing sehen den ganzen Körper als relevant für Diagnose und Behandlung an. Ein recht häufig auftauchender Zusammenhang besteht zum Kiefergelenk durch erhöhte Mundschließerspannung, Asymmetrien und anderen Faktoren.

Auch Beckenschiefstände oder Festigkeiten in der Brustwirbelsäule werden beispielsweise zur besseren Funktion und zum Ausgleich der Spannungsverhältnisse am Kopf herangezogen. Im Fasziendistorsionsmodell (FDM) spielen die anatomischen Modelle keine Rolle: Letztendlich entscheiden die Aussagen und Körpergesten der Patienten über Diagnose und Behandlung.

Die ziehenden Schmerzen über den Kopf werden genauso durch Abfahren mit dem Daumen behandelt- die ziehenden brennenden Schmerzen werden als Verdrehungen der Galea aponeurotica, einer derben Bindegewebsplatte am Kopf, gesehen. Punktuelle Kopfschmerzen werden als Störungen im Knochen- Weichteilgewebe- Übergang (sogenannte Kontinuum Distorsionen) gesehen, die mit starkem Daumendruck behandelt werden müssen. Großflächige Kopfschmerzen werden als Verdrehung der oberflächlichen Faszie gesehen und meist durch Zug an den Haaren nach diagonal oben behandelt. (jvs)

Advertising