Koriander – Heilwirkung, Anwendung und Anbau

Koriander (Coriandrum sativum) ist ein Doldengewächs, das aus der Mittelmeerregion kommt. Seit der Antike sind die Früchte als Gewürz und Arznei beliebt, und deshalb wird die Pflanze heute in weiten Teilen der Welt angebaut. Die Samen sollen gegen Verstopfung und Blähungen helfen.

Steckbrief zum Koriander

  • Wissenschaftlicher Name: Coriandrum sativum
  • Familie: Doldengewächse (Apiaceae)
  • Volkstümliche Namen: Wandläusekraut, Arabische Petersilie, Chinesische Petersilie, Indische Petersilie, Kaliander, Klanner, Gartenkoriander, Gebauter Koriander, Gewürzkoriander, Stinkdill, Schwindelkraut, Schwindelkorn, Wanzendill, Wanzenkraut, Wanzenkümmel
  • Verbreitung: Ursprünglich östliche Mediterranis, heute weltweit kultiviert
  • Anwendungsgebiete: Magenbeschwerden, Verdauung, Völlegefühl, Kosmetik, Wanzenbefall
  • Verwendete Pflanzenteile: Kraut (Blätter) und Samen (Früchte)
Korianderblätter, getrocknete und gemahlene Koriandersamen auf einem Holztisch.
Bei den Koriandersamen handelt es sich eigentlich um die Früchte des Korianders. (Bild: Elena Schweitzer/stock.adobe.com)

Die wichtigsten Fakten im Überblick

  • Koriander stammt vom östlichen Mittelmeer und wird heute weltweit angebaut.
  • Die Früchte beziehungsweise Samen enthalten eine Menge ätherisches Öl.
  • Koriander wird in der „Volksmedizin“ gegen Magenbeschwerden und Verdauungsprobleme eingesetzt.
  • Es wirkt gegen Blähungen und Völlegefühl.
  • Koriander regt vermutlich die Darmtätigkeit an und stimuliert die Magensaftproduktion.
  • In Arzneimitteln findet es sich aber vor allem wegen seines Wohlgeruchs.

Koriander – Inhaltsstoffe

Koriander enthält ätherisches Öl mit Linalool als Hauptkomponente. Andere ätherische Öle der Pflanze sind Borneol, p-Cymen, Campher, Limonen und alpha-Pinen. Hinzu kommen die Cumarine Scopoletin und Umbelliferon, Kaffeesäurederivate und der Triterpenalkohol (Coriandrinondiol).

Koriander – Wirkung

Die Früchte fördern die Verdauung, sind aromatisch und regen den Appetit an. Die Inhaltsstoffe in den Früchten wirken antiseptisch, lösen Krämpfe und lindern Blähungen. Sie haben einen schwach spasmolytischen, antioxidativen, antidiabetischen und leicht sedativen Effekt. Studien zufolge wirken sie auch gegen Pilze. Eine mögliche Heilwirkung bei Krebs wird erforscht. Untersuchungen an Ratten lassen eine Wirksamkeit gegen rheumatische Arthritis vermuten und wahrscheinlich eine generelle Aktivität gegen Entzündungen.

Umfassende Forschungsarbeiten zur genauen Wirkung von Korianderstoffen im Körper stehen noch aus. Eine valide Hypothese ist, dass Koriander die Darmtätigkeit stimuliert und die Produktion der Magensäure anregt. Vermutlich fördert die Pflanze auch die Insulinproduktion und senkt so den Blutzuckerspiegel.

Koriander Übersichtsgrafik mit einer Auflistung der Inhaltsstoffe und Wirkung.
(Bild: lindsay-moe/stock.adobe.com; eigene Bildbearbeitung Heilpraxis.de)

Anwendung von Koriander

Koriander findet sich in vielen Arzneiprodukten, zum einen wegen seiner eigenen Heilwirkungen, vor allem aber, um diesen oft schwer genießbaren Mitteln einen angenehmen Geschmack zu verleihen. Eingesetzt wird er als Heilkraut vor allem zur unterstützenden Behandlung bei Oberbauchbeschwerden, Völlegefühl, Blähungen und leichten krampfartigen Schmerzen im Magen-Darm-Bereich.

Koriandersamen werden als Tinktur oder Tee angesetzt, lassen sich aber auch „trocken“ schlucken. Innerlich eingesetzt, also durch den Mund aufgenommen, sind sie ein Mittel gegen

Auch gegen Infektionen, die durch Pilze oder Bakterien verursacht werden, lassen sich die Früchte schlucken. Die orale Einnahme ist weiterhin eine tradierte Methode gegen Diabetes, Wurmbefall, Schwellungen und Gelenkschmerzen.

Ein älterer Mann mit schmerzverzerrtem Gesicht sitzt auf dem Sofa und hält sich die Hand an den Bauch.
Koriander ist unter anderem ein bewährtes Hausmittel gegen Magenbeschwerden. (Bild: motortion/stock.adobe.com)

Unzureichende Evidenz besteht bei folgender Anwendung: Koriander ist in der asiatischen Medizin Zutat eines Tees gegen Verstopfung bei alten Menschen, gegen Darmträgheit und Stuhlverhaltung. Dieser Tee enthält neben Korianderfrüchten Orangenschale, Zimt und Ingwer.

Medizingeschichte von Coriandrum sativum

Koriander ist aus archäologischen Funden seit 7000 Jahren bekannt. In der Bibel wird die Pflanze im zweiten Buch Mose (Exodus), Kapitel 16, Vers 31 erwähnt, die antiken Griechen und Römer nutzten ihn ausgiebig als Gewürz und Heilmittel. Spätestens vor 1600 Jahren wurde er in China kultiviert und kam auch frühzeitig in die indische Küche und Medizin.

Die Römer führten die Pflanze aus Ägypten ein, bereits in der Antike wurde sie im Mittelmeerraum angebaut. Heute produzieren folgende Länder Koriander in größerem Ausmaß: Niederlande, Ungarn, Russland, Marokko, Malta, Ägypten, China, Indien, Italien, die Balkanstaaten, Bangladesch und Pakistan. Jährlich werden 300.000 Tonnen geerntet, davon ein Viertel in Indien. Mindestens ein Drittel der Ernte wird zu Öl destiliert und vor allem für Kosmetikprodukte wie Seifen verarbeitet. Um das Aroma zu verstärken, werden die Samen in Indien meist leicht geröstet.

Koriandersamen in der Küche

In Nordeuropa finden wir Koriandersamen in Brot, Keksen, Käse, Suppen und Pasteten. In Italien kommen sie in Bolognese-Sauce, in Deutschland in Leberwurst vor. In Ägypten, Indien, Pakistan und dem nördlichen Südamerika gehört Koriander zu unzähligen Gerichten, und er ist ein fester Bestandteil von Currymischungen.

Botanik

Koriander gehört zu den Doldengewächsen. Es handelt sich um eine einjährige Pflanze mit dünner Pfahlwurzel. Der Stängel ist bis zu 60 Zentimeter hoch und oben verästelt. Die langstieligen Blätter variieren in Form und Größe, teils sind sie gefiedert, teil gezähmt. Die Blütenstände bestehen aus Dolden mit bis zu zehn Blütenstielen, jeder davon trägt bis zu zwölf Blüten. Kronblätter sind entweder weiß oder rosa. Für Küche, Kosmetik und Medizin sind die Früchte am wichtigsten. Diese sind kugelig und doppelt verschlossen, die einsamigen Teilfrüchte sind an den Rändern verwachsen.

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Die kugeligen Früchte des Korianders sind bis zu fünf Millimeter groß und entwickeln sich zwischen August und September. (Bild: mates/stock.adobe.com)

Wie sicher ist Koriander?

Koriander als Lebensmittel beziehungsweise als Würzkraut im Essen ist weitgehend sicher. Auch als oral eingenommene Arznei gibt es selten unerwünschte Nebenwirkungen. Wenn Sie aber auf Korianderfrüchte, sprich Doldengewächse, allergisch reagieren, sollten Sie Koriander meiden.

Allergische Reaktionen wie Anschwellen der Nasenschleimhäute, Schwellungen in Mund und Rachen und Asthma zeigen sich besonders bei Menschen, die in der Lebensmittelindustrie arbeiten und ständig größeren Mengen der Früchte ausgesetzt sind. Selten löst Koriander im Falle von Hautkontakt – bei dafür sensiblen Menschen – entzündliche Reaktionen wie Hautrötungen aus.

Besondere Vorsicht

Es gibt zu wenig valide Studien, um eine Gefahr für Schwangere und Stillende auszuschließen. Deswegen sollten Sie in diesen Fällen Koriander meiden. Menschen, die eine Allergie gegen Gemüse oder Gewürze aus der Familie der Doldengewächse haben (zum Beispiel Fenchelsamen, Kümmel, Dill, Anissamen), reagieren mit recht hoher Wahrscheinlichkeit auch auf Koriander allergisch.

Aufpassen sollten Menschen mit zu niedrigem Blutdruck. Koriander senkt Studien zufolge vermutlich den Blutdruck, was sich positiv auswirken kann, wenn Bluthochdruck (Hypertonie) besteht. Liegt niedriger Blutdruck (Hypotonie) vor, verstärkt die Pflanze dieses Problem jedoch.

Ebenso liegen Hinweise vor, dass Koriander den Blutzuckerspiegel senkt. Das kann sich auf die Blutzuckerkontrolle vor, während und nach chirurgischen Eingriffen auswirken. Deswegen sollten Sie die Einnahme von Koriander zwei Wochen vor einer Operation einstellen.

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Koriander interagiert mäßig mit Arzneien gegen Diabetes. Klären Sie daher eine gleichzeitige Einnahme unbedingt im Vorhinein mit Ihrem Arzt/ihrer Ärztin ab. Diabetesarzneien senken den Blutzucker, Koriander vermutlich ebenfalls – deshalb kann es passieren, dass der Zuckerspiegel zu stark sinkt. Falls Sie beides verwenden, müssen Sie täglich ihren Blutzuckerlevel messen und möglicherweise die Dosis der Diabetes-Arzneien verringern.

Auch Blutdrucksenker können durch die gleichartige Wirkung von Koriander über das gewollte Maß hinaus verstärkt werden. In der Folge könnte der Blutdruck stärker absinken als gewollt. Koriander wirkt leicht sedativ, macht schläfrig und träge. Verbunden mit anderen Sedativa kann das zuviel des Guten sein. Sprechen Sie auch hier eine gleichzeitige Einnahme mit Ihrem Arzt/ihrer Ärztin ab.

Koriander richtig dosieren

Welche Menge an Koriander angemessen ist, hängt unter anderem vom Alter der Betroffenen, dem allgemeinen Gesundheitszustand, bestimmten Allergien oder Interaktionen mit anderen Medikamenten ab. Es gibt derzeit zu wenig wissenschaftliche Information über eine richtige Dosierung von Koriander. Sprechen Sie deshalb beim Gebrauch von Koriander und Korianderpräparaten mit Ihrem Arzt/ihrer Ärztin genau ab, wie Sie diese dosieren.

In einem Beet angebauter Koriander wird mit einer Gartenschere beschnitten.
Meist zahlt es sich aus, wenn Sie den Koriander im Frühling auf der Fensterbank vorziehen und die Jungpflanzen dann Mitte Mai ins Freilandbeet umsetzen. (Bild: Anne Stephenson/stock.adobe.com)

Koriander anpflanzen

Der einjährige Koriander lässt sich im Halbschatten pflanzen, wenn Sie die Blätter ernten wollen, oder in der Sonne, wenn es Ihnen um die Samen geht. Sie können die Samen direkt in ein mit reifem Kompost angereichertes Freilandbeet geben, sollten dies aber nicht vor Ende April tun. Nach circa zwei Wochen sprießen die ersten Keimlinge. Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn Sie den Koriander zeitig im Frühling auf der Fensterbank im Blumentopf vorziehen und die kleinen Pflanzen dann Mitte Mai in das Freilandbeet setzen.

Jungpflanzen müssen ständig einen leicht feuchten Boden haben, junger Koriander mag weder Trockenheit noch Staunässe. Ausgewachsene Pflanzen vertragen Trockenheit gut. Sie sollten hierzulande nur mäßig gießen, das heißt nach längeren Dürrephasen. Sorgen Sie für einen lockeren Boden, in dem das Wasser gut abfließt, bisweilen sollten Sie ein wenig Sand hinzugeben. Im August/September können Sie die Samenkörner ernten und als Gewürz verwenden. Das Kraut (die Blätter) können Sie vom Spätfrühling bis in den Herbst hinein ernten. (Dr. Utz Anhalt)

Autoren- und Quelleninformationen

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern und Medizinerinnen geprüft.

Autor:
Dr. phil. Utz Anhalt
Quellen:
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  • Aissaoui, Abderrahmane; Zizia, Soumia; Israili, Zafar H.; Lyoussi, Badiâa: Hypoglycemic and hypolipidemic effects of Coriandrum sativum L. in Meriones shawi rats, in: Journal of Ethnopharmacology, 137/1: 652-661, September 2011, ScienceDirect
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Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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