Herzrasen: Ursachen und Therapie von Tachykardie

Susanne Waschke
Herzrasen gehört zu den Herzrhythmusstörungen und wird in der medizinischen Fachsprache als Tachykardie bezeichnet. Diese ist ein zu schnelles Schlagen des Herzens, und zwar mit mehr als 100 Schlägen pro Minute. Je nach Ausprägung können Symptome, wie Schwindel, Kopfschmerzen, Schweißausbrüche, Kurzatmigkeit, Angstgefühle bis hin zu Benommenheit und Ohnmacht eine Tachykardie begleiten. Mit zunehmender Herzfrequenz kann nicht mehr ausreichend sauerstoffreiches Blut in den Körper gepumpt werden, da die Herzkammern nicht mehr genügend Zeit für deren Füll- und Erschlaffungszustand bekommen. Die Herzkontraktionen werden schwächer und das Herz beginnt unkontrolliert zu schlagen.

Inhaltverzeichnis:
Ursachen von Herzrasen
Behandlungsmöglichkeiten von Herzrasen
Naturheilkunde bei Herzrasen

Ursachen von Herzrasen

Die verschiedenen Formen des Herzrasens werden nach Entstehungsort, Entstehungsmechanismus und nach Dauer eingeteilt.

Mehr zum Thema:

1. Supraventrikuläre Tachykardien
Deren Entstehung findet im Bereich der Vorhöfe statt. (Ventrikel = Kammer, supra = über)

1.1.Sinusknotentachykardie
Hier ist der Sinusknoten Ort der Erregungsbildung, was auch bei Gesunden der Fall ist. Jedoch liegt bei der Sinusknotentachykardie die Frequenz bei 100 bis 160 Herzschlägen pro Minute. Dabei ist der Herzschlag meist regelmäßig. Ursachen für eine Sinusknotentachykardie sind psychische oder physische Belastungen, Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) und Fieber. Ebenso können zum Beispiel ein Aufenthalt in großer Höhe, Vergiftungen, eine Anämie, großer Blutverlust oder ein Herzinfarkt die Ursache für eine Sinusknotentachykardie sein. Die Einnahme bestimmter Medikamente, wie zum Beispiel Arzneimittel gegen Asthma, können ebenfalls zu den genannten Herzrhythmusstörungen führen.

Herzrasen-Tachykardie
EIn deutlich erhöhte Herzfrequenz wird als Tachykardie bezeichnet. (Bild: Michael Bührke / pixelio.de)

1.2. Paroxysmale supraventrikuläre Tachykardie (paroxysmal = anfallsartig)
Die betroffene Person bekommt plötzlich einsetzende Anfälle von Herzrasen mit einer Frequenz von 160 bis 200 Schlägen pro Minute, in Verbindung mit Schwindel und eventueller kurzzeitiger Synkope (Bewusstseinsverlust). Meist liegt hier eine organische Herzerkrankung zugrunde.

1.3. Vorhofflattern
Unter Vorhofflattern werden 250 bis 350 Vorhofkontraktionen pro Minute verstanden. Von diesen unkontrollierten, rasend schnellen Vorhofkontraktionen wird meist nur jede zweite oder gar dritte Kontraktion auf die Herzkammern übertragen. Die Frequenz der Kammer liegt hier zwischen 125 und 150 Schlägen pro Minute. Möglich ist aber auch, dass alle Vorhofkontraktionen auf die Herzkammern übertragen werden, was für den betroffenen Patienten eine akute Lebensgefahr bedeutet. Daraus kann sich sogenanntes Kammerflattern oder Kammerflimmern entwickeln. Meist ist die Ursache für Vorhofflattern ein bereits vorgeschädigtes Herz.

1.4. Vorhofflimmern
Vorhofflimmern ist die Steigerung von Vorhofflattern und hat eine Frequenz von 350 bis 600 Kontraktionen pro Minute. Diese Kontraktionen sind absolut unkontrolliert und üben demnach ebenso unkontrollierte Erregungen auf die Kammern aus. Auch hier gilt als Ursache ein vorgeschädigtes Herz, wie zum Beispiel bei einer Mitralklappenstenose. (Herzklappenfehler mit einer verengten Öffnung der Mitralklappe). Durch das unkontrollierte Schlagen des Herzens kann es im schlimmsten Falle zu einer Thrombenbildung kommen, was eine Embolie nach sich ziehen kann. Um dies zu verhindern sollten betroffene Personen rechtzeitig von einem Kardiologen behandelt werden.

2. Ventrikuläre Tachykardien
Bei den ventrikulären Tachykardien liegt das Bildungszentrum der Erregung in den Herzkammern. Eine Frequenz von einhundert Schlägen pro Minute wird meist massiv überschritten. Diese Art von Herzrhythmusstörung ist eine lebensbedrohliche Situation.

2.1. Kammerflattern, Kammerflimmern
Beide Arten gehören zu den ventrikulären Tachykardien, die zum plötzlichen Herztod führen können. Die Herzschlagfrequenz beim Kammerflattern beträgt zwischen 250 und 350 Schläge pro Minute, die Frequenz beim Kammerflimmern übersteigt 350 Schläge pro Minute. Auf Kammerflattern und Kammerflimmern folgt ein Herz-Kreislauf-Stillstand. Es muss reanimiert werden. Dabei wird der Defibrillator eingesetzt und der Patient anschließend intensivmedizinisch überwacht. Die Überlebenschance bei Kammerflattern und Kammerflimmern sind gering.

Behandlungsmöglichkeiten von Herzrasen

Die Therapie bei Herzrasen richtet sich nach Ausprägungsgrad, Entstehungsort der Tachykardie und nach dem Alter des Patienten. Entscheidend ist auch die Pumpleistung des Herzens, das heißt, inwieweit der Körper ausreichend mit Sauerstoff angereichertem Blut versorgt wird. Früher wurden vor allem Antiarrhythmika eingesetzt. Diese können jedoch selbst Tachykardien auslösen. Bei akuten Tachykardien mit Bewusstseinsverlust wird eine Defibrillation vorgenommen. Dabei werden dem Patienten Elektroden auf der Brust angebracht, über die Stromstöße abgegeben werden, um das Herz wieder in einen gesunden Rhythmus zu bringen. Meist ist danach eine intensivmedizinische Überwachung nötig. Bei nicht akuten, lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen kommen verschiedene Behandlungsmethoden zum Einsatz. Meist werden anfangs Medikamente eingesetzt, die den Herzrhythmus stabilisieren sollen, um eine ausreichende Sauerstoffversorgung für den Körper zu gewährleisten. Mit Hilfe einer sogenannten Herzkatheteruntersuchung kann sich der Arzt ein genaues Bild über die Leistung des Herzens machen. Die Katheteruntersuchung wird auch therapeutisch genutzt, wobei durch Strom bestimmte Areale ausgeschaltet (Ablation) werden, die Auslöser für die Tachykardien sind. Dieses Verfahren wird Katheterablation genannt.

Bei Tachykardien, die von der Herzkammer ausgehen, wird den Patienten häufig ein Mini-Defibrillator eingesetzt. Dieser bemerkt die Fehlleistungen des Herzens und kann bei stärkerer Abweichung einen Impuls abgeben, um den Herzrhythmus wieder zu normalisieren. Nicht immer ist eine Therapieform ausreichend. Häufig werden diese miteinander verknüpft.

Naturheilkunde bei Herzrasen

Wichtig ist, dass Patienten, die unter Herzrasen leiden, ihren Kaffeekonsum gering halten und auf Nikotin und Alkohol verzichten. Auch Drogen wie Kokain und der in Haschisch enthaltene Wirkstoff THC sind vielmals für schnellen Pulsschlag verantwortlich. Daher sollten Betroffene umgehend auf den Konsum verzichten.

Bei leichten Formen von Herzrasen werden in der Naturheilkunde unter anderem homöopathische Mittel, wie zum Beispiel Aconitum, Strophantus und Crataegus eingesetzt. Darüber hinaus kommen ausleitende Verfahren, wie Schröpfen und Baunscheidtieren, in Verbindung mit basischer Kost und pflanzlichen Mitteln, die die Entgiftungsleistung des Körpers anregen sollen, zum Einsatz, um mit ihrer Hilfe den Herzrhythmus zu stabilisieren. Sind Stress und Ängste die Ursache für das Herzrasen, so haben Pflanzen, wie Baldrian, Hopfen und Passionsblume beruhigende Eigenschaften und können sich somit positiv auf das Schlagverhalten des Herzens auswirken.
Um das Herz zu stärken, und für einen gesunden Rhythmus des Herzens zu sorgen, ist ein Ausdauertraining zu empfehlen. Dieses sollte jedoch niemals ohne vorherige Rücksprache mit dem behandelnden Arzt durchgeführt werden. Herzrasen ist eine Erkrankung, die grundsätzlich einer Abklärung von ärztlicher Seite bedarf. Von einer Selbstmedikation ist dringend abzuraten. Immer häufiger werden naturheilkundliche Therapien neben der Schulmedizin begleitend eingesetzt. (sw)