Stechen in der Brust: Bruststechen

Schmerzen in der Brust - schwarz wei
Jeanette Vinals Stein

Ursachen und Behandlung von Bruststechen

Ein Stechen in der Brust wird häufig mit einem Herzinfarkt oder Brustkrebs in Verbindung gebracht. Um kein Risiko einzugehen, sollten die Beschwerden daher immer vorsichshalber von einem Arzt abgeklärt werden. Häufig liegt die Ursache für durchgängig oder gelegentlich auftretende Stiche im Brustbereich jedoch in relativ harmlosen muskulären Verspannungen. Weitere mögliche Gründe sind beispielsweise alte Verletzungen oder psychische Belastungen, die sich körperlich durch das „Stechen“ bemerkbar machen. Neben konventionellen Konzepten bestehen in der Naturheilkunde alternative Ansätze zur Entstehung und Therapie insbesondere von funktionell bedingten Beschwerden.

Synonyme

Stechen in der Brust, Bruststechen, Stiche in der Brust, Bruststiche, Schmerzen in der Brust, Brustschmerzen, stechende Schmerzen in der Brust, Kontinuumdistorsion am Brustbein, Triggerband an der Brust, Entfaltung der mittleren BWS, nervöse Herzstiche, Brustschmerzen.

Schmerzen in der Brust - schwarz wei
Viele Betroffene denken bei einem Stechen in der Brust an einen Herzinfarkt, doch können auch weit harmlosere Ursachen hinter den Beschwerden stecken. (BIld: SENTELLO/fotolia.com)

Symptome Bruststechen

Das Stechen in der Brust tritt meist temporär auf. Da sich lebenswichtige Organe wie das Herz und die Lunge im Brustkorb befinden, sollten fachärztliche Untersuchungen Durchblutungsstörungen (Angina pectoris) und einen Herzinfarkt ausschließen.

Achtung: Dies gilt vor allem, wenn Panik, Angst, Ausstrahlungen in den linken Arm, Oberarmschmerzen, Atemnot übermäßiges Schwitzen, Übelkeit und Erbrechen oder ein Vernichtungsgefühl dazukommen. Ein weiteres wichtiges Alarmsignal ist es, wenn das Stechen in der Brust beim Atmen oder beim Husten auftritt oder parallel Verdickungen im Brustbereich spürbar sind.

Bei einigen Menschen treten die Stiche nur nachts oder im Liegen auf, andere spüren sie vor allem in starken Stresssituationen. Häufig zeigen sich die Beschwerden im Zuge körperlicher Belastung wie zum Beispiel während des Laufens oder Gewichthebens – oftmals beim Bankdrücken oder beim nach innen Drücken des Armes.

Die stechenden Missempfindungen bzw. Schmerzen können von Beschwerden im Bereich des Kopfes wie Ohrendruck oder Kopfschmerzen vom Hinterkopf ausstrahlend, begleitet werden. Ebenso ist es möglich, dass sie bis in den Rücken ziehen und/oder sich zu generellen Brustschmerzen ausweiten.

Oftmals klagen Frauen über Stechen in der Brust beim Stillen, die zusätzlich von Einschlafen der Hände (nachts) oder Unterarmschmerzen begleitet werden.

Ursachen von Stechen in der Brust

In erster Linie sollte natürlich ein sofortiger ärztlicher Ausschluss von Ursachen wie Herzinfarkt, Rippenbrüchen, Gefäßverengungen am Herzen und Erkrankungen der Lunge und ihrer umgebenden Strukturen ausgeschlossen werden. Sind parallel stark hervortretende Rippenknorpel sichtbar, ist an das Tietze- Syndrom zu denken.

Oft handelt es sich bei Stechenden Schmerzen um muskuläre Verspannungen. Vor allem wenn diese Bewegungsabhängig sind.
Oft handelt es sich bei stechenden Schmerzen um muskuläre Verspannungen. Vor allem wenn diese Bewegungsabhängig sind. (Bild: electrozebra/fotolia.com)

Konnten strukturelle Ursachen ausgeschlossen werden, handelt es sich aus funktioneller Sicht oft um Verspannungen oder Reizungen der Brustmuskulatur, die vom Brustbein bis zur Schulter ziehen. Gerade an den Ansätzen am Brustbein klagen viele Menschen über das mechanisch auslösbare Stechen.

Da die Rippen vom Brustbein bis nach hinten in den Rücken ziehen, ist es gut nachvollziehbar, dass sich auch eine verspannte Rückenmuskulatur oder Festigkeit an den Rippen- Wirbel- Gelenken nach vorne übertragen und die Beschwerden auslösen können.

Stiche in der Brust durch alte Verletzungen und Entzündungen

Nach Auffassung von Körpertherapien wie dem Rolfing oder der Osteopathie, sind alte Verletzungen oder durch Entzündungen bedingte Verklebungen des Lungenfells eine weitere mögliche Ursache. Denn diese können Bewegungseinschränkungen hervorrufen und in der Folge zu einem Stechen führen.

Möglich ist aber auch eine Herzmuskelentzündung. Vor allem dann, wenn Kreislaufprobleme hinzu kommen. Im Zweifel immer einen Arzt konsultieren.
Möglich ist auch eine Herzmuskelentzündung. Vor allem dann, wenn Kreislaufprobleme hinzu kommen. Im Zweifel daher immer einen Arzt konsultieren. (Bild: Henrie/fotolia.com)

Bei YouTube existiert ein interessantes Video des Rolfing-Therapeuten Gil Headley, der an einem frischen Präparat künstlich Luft in die Atemwege pumpt. Anhand diese Beispiels lässt sich gut beobachten, wie stark sich die Lungen aufblähen und sich das Herz sowie umgebende Strukturen, wie das gleitende Bindegewebe (Faszien), mitbewegen müssen.

Denkbar ist, dass Menschen mit viel sitzenden Lese- und Computertätigkeiten hier zusätzlich Festigkeit in die Brustregion bringen. Der österreichische Philosoph Professor Otto Julius Hartmann (1895- 1989) legt in seinem Buch „Dynamische Morphologie“ die Logik nahe, dass das Prinzip unseres Hirnschädels, dass durch Festigkeit und eine massive Nicht- Dynamik gekennzeichnet ist, bei Menschen die viel Kopfarbeiten machen, sich im restlichen Körper fortsetzt und diese Beschwerden hervorrufen kann.

Bruststechen beim Stillen

Stechen in der Brust beim Stillen kann durch die nach vorne geneigte Haltung entstehen. Gleichzeitig auftretende eingeschlafene Hände und/oder Unterarmschmerzen können dadurch bedingt sein, dass durch die hohe Spannung der Brustmuskeln Gefäße abgeklemmt werden, die zu den Armen verlaufen. Sicherlich spielen in diesem Fall nicht nur mechanische, sondern auch hormonelle Faktoren eine Rolle.

Nervöses und psychosomatisches Stechen in der Brust

Nervöse Herzbeschwerden gehen vor allem mit beschleunigter Herztätigkeit einher, doch zu den weiteren typischen Symptomen zählen Herzbeklemmungen, Druckgefühl und Bruststechen. Dahinter steckt keine Leistungsschwäche des Herzens, sondern eher eine gesteigerte Erregbarkeit. Das Herz wird in seiner Funktion maßgeblich vom vegetativen Nervensystem mitgesteuert und reagiert dadurch fein auf die Dysbalancen, die sich im Zusammenspiel zwischen Körper und Seele ergeben.

Häufig bestehen in diesem Fall weitere vegetative Symptome wie innere Unruhe, Schlafstörungen, Blasendruck oder Reizdarmsyndrom.

Alle Situationen und Konflikte, die individuell Stress auslösen können (z.B. berufliche Überforderung, zwischenmenschliche Belastungen oder innere Konflikte) kommen als Verstärker der Beschwerden in Frage. Bleibt ein innerlich bestehender Konflikt auf unbewusster Ebene dauerhaft bestehen, kann sich dieser – im Sinne der Psychosomatik – auf körperlicher Ebene, z.B. als „Stechen in der Brust“ ausdrücken.

Ein ungelöster seelischer Konflikt kann sich auf körperlicher Ebene durch ein Stechen in der Brust zeigen. (Bild: Dan Race/fotolia.com)
Ein ungelöster seelischer Konflikt kann sich auf körperlicher Ebene durch ein Stechen in der Brust zeigen. (Bild: Dan Race/fotolia.com)

Bei den Betroffenen, die das Stechen körperlich empfinden, dauert es in der Regel sehr lange, bis sie diese Erklärung für sich annehmen können. Diese Form der Abwehr ist unter dem Aspekt des sich selbst organisierenden Organismus nachvollziehbar, welcher das Symptom vorzuziehen scheint, das mit weniger Angst besetzt ist und deshalb eher in den Vordergrund treten darf. In diesem Sinne haben die Beschwerden eine Schutzfunktion, die nicht vorschnell aufgegeben werden darf.

Therapeuten, die in ihrer Arbeit organbezogene Deutungen heranziehen, gehen davon aus, dass ein Bruststechen mit Angst um das eigene Herz bei jedem Betroffenen ähnliche Hintergründe haben müsse. Beim Herzen liegt in diesem Sinne der Bezug zum eigenen Lebensrhythmus, der Wahrnehmung und des Auslebens der eigenen Gefühle, das Erfahren von Verletzungen (z.B. Trauer, Liebeskummer) nahe.

So hilfreich diese Aspekte auch sein können, besteht bei einer allzu starrer Anwendung immer die Gefahr, dem Betroffenen eine Erklärung überzustülpen. Dies kann unter Umständen zu Widerständen gegen die Heilung führen.

Behandlung mit manuellen Verfahren

Aus mechanischer Sicht muss die Bewegung im Brustbereich verbessert werden. Methoden wie die eingangs erwähnte Osteopathie und das Rolfing beziehen hierfür den gesamten Körper und seine Statik in die Untersuchung und Therapie mit ein. Hier erfolgen unter anderem Tests der Atembewegung und der Beweglichkeit des Brustkorbes sowie eine Behandlung vorhandener Bewegungseinschränkungen.

Des weiteren werden der Brustkorb und seine Strukturen in Beziehung zum Rest des Körpers gesetzt und die generelle Spannungsverteilung im Organismus untersucht sowie gegebenenfalls behandelt. Aus diesem Grund ist es für einen Osteopathen interessant, ob die Betroffenen zusätzlich zum Stechen in der Brust beispielsweise über Kiefergelenksbeschwerden, Rückenschmerzen, Fußschmerzen oder einen Kloß im Hals klagen.

Direkter wird bei dem Konzept nach dem Fasziendistorsionsmodell (FDM) vorgegangen. Bei dieser (manuellen) Behandlung werden direkt jene Punkte und Areale getestet, die dem Patienten Schmerzen bereiten und im Anschluss behandelt. Liegt ein punktuelles Stechen in der Brust vor, handelt es sich nach dem FDM um Störungen im Knochen- Band-Übergang oder Knochen-Sehnen-Übergang am Brustbein. Diese Punkte werden durch Daumendruck behandelt und sofort erneut getestet.

Bewährte Naturheilverfahren bei Stechen in der Brust

Nervös bedingtes Bruststechen spricht gut auf eine regelmäßige Anwendung von Heilpflanzenrezepturen an, die einerseits das vegetative Nervensystem beruhigen, andererseits herzkräftigende Wirkung haben. Ein Kräutertee aus Weißdornblüten, Baldrianwurzel, Melisse, Rosmarinblättern und Arnikablüten erfüllt diesen Anspruch und sorgt als Ritual zu festgelegten Zeiten zusätzlich für eine Pause, in der das Nervensystem auf Ruhe umschalten kann.

Ähnliche Wirkstoffe werden auch in Salben für die äußerliche Anwendung genutzt. Hier kann bereits das regelmäßige Einreiben der eigenen Brust (durch Zuwendung und Ruhe) eine therapeutische Wirkung haben. Homöopathische Mittel, die in niedrigen Potenzen eingesetzt werden, sind zum Beispiel Coffea (Kaffee), Convallaria (Maiglöckchen) oder Valeriana (Baldrian).

Eine Behandlung mit Biofeedback hilft vielfach, die nervösen Beschwerden eigenständig günstig zu beeinflussen, etwa durch Atemtechnik, Imagination, Meditation oder inneren Suggestionen.

Entspannungstechniken wie Yoga sind ein sehr guter Ansatz, um gegen stressbedingtes Bruststechen anzugehen. (Bild: WavebreakmediaMicro/fotolia.com)
Entspannungstechniken wie Yoga sind ein sehr guter Ansatz, um gegen stressbedingtes Bruststechen anzugehen. (Bild: WavebreakmediaMicro/fotolia.com)

Entspannungstechniken bei nervösem Bruststechen

Um Anspannungen und innere Unruhe zu minimieren, bieten sich spezielle Übungen und Verfahren zum Stressabbau an. Angebote wie Yoga, autogenes Training oder die progressive Muskelrelaxation sind eine gute Möglichkeit, um Stress und Spannung abzubauen und die Fähigkeit zur Entspannung zu erlernen. Dadurch wird es möglich, auch mit Belastungen und unangenehmen Situationen klarzukommen und das seelische Gleichgewicht zu bewahren.

Werden tieferliegende Probleme vermutet, können diese z.B. durch moderne Hypnotherapie aufgearbeitet und dabei mit entspannenden und stärkenden Bildern kombiniert werden. Alternativ oder zusätzlich sind die systemische Therapie oder tiefenpsychologische Verfahren zu empfehlen.

Aromatherapie

Bei unangenehmen bzw. schmerzenden Stichen infolge von Verspannungen hat sich die Aromatherapie bewährt. Hintergrund ist, dass bestimmte Düfte das vegetative Nervensystem beeinflussen und dadurch die Muskulatur entspannen. Zu den besonders geeigneten Düften zählen Kamille, Majoran und Lavendel.

Für die Anwendung in der Duftlampe geben Sie zunächst etwas Wasser in das Schälchen und träufeln dann bis zu 15 Tropfen ätherisches Öl hinzu. Je nach Belieben können die verschiedenen Düfte gemischt werden, indem z.B. von den drei erwähnten Ölen je fünf Tropfen verwendet werden.

Alternativ kann bei verspannungsbedingtem Bruststechen ein entspannendes Bad sehr wohltuend sein, um den Stress und die Hektik des Alltags „abzuschütteln“. Für eine Verstärkung der Wirkung eignet sich zum Beispiel Lavendelöl sehr gut, indem es durch seinen frischen und wohltuenden Duft hilft, die innere Ruhe zurückzugewinnen. Weitere ätherische Öle, die je nach Belieben in das Badewasser gegeben werden können, sind Rosmarin, Pfefferminze, Eukalyptus und Wacholder.

Anleitung für ein Eukalyptus-Lavendel-Bad:

  1. Füllen Sie die Wanne mit 36 bis 39 Grad warmem Wasser
  2. Geben Sie 3 Tropfen Eukalyptusöl und 6 Tropfen Lavendelöl in 3 Esslöffel Sahne
  3. Vermischen Sie die Zutaten gut miteinander
  4. Gießen Sie die Mischung in das Badewasser
  5. Bleiben Sie etwa 15 lang in der Wanne liegen
  6. Anschließend sollten Sie noch eine halbe Stunde lang ruhen

Wichtig bei einem Aromabad:

  • Geben sie die ätherischen Öle erst hinzu, wenn die Wanne voll gelaufen ist, damit diese nicht zu Beginn des Bades bereits verdunstet sind
  • Das Wasser sollte nicht zu heiß sein, sondern am besten eine Temperatur von 36 bis 39 Grad haben
  • Da die Öle Hautreizungen verursachen können und außerdem schlecht wasserlöslich sind, ist die Vermischung mit einer Trägerlösung ratsam. Geeignet sind hierfür z.B. neutrale Seife oder zwei bis drei Esslöffel Sahne bzw. fettes pflanzliches Öl (Oliven-, Mandel-, Jojoba-Öl etc.)
  • Generell sind für ein Vollbad acht bis zehn Tropfen ätherisches Öl ausreichend
    (jvs, nr; zuletzt aktualisiert am 27.10.2016)

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