Kaiserschnitt: Netzwerke zur Nachsorgung wachsen

Heilpraxisnet

Kaiserschnitt: Netzwerke zur Nachsorgung und Aufklärung wachsen: Ein Kaiserschnitt stellt für die betroffenen Frauen nicht nur einen operativen Eingriff im Rahmen einer Geburt dar. Für viele Mütter ist der Kaiserschnitt ein tiefgreifendes psychosomatisches Erlebnis, dass sie lange nach Abschluss des Geburtsvorganges beschäftigt.

Seit 1995 ist laut dem Statistischen Bundesamt die Zahl der Kaiserschnittentbindungen von 18 Prozent auf fast 30 Prozent gestiegen. Das bedeutet, dass es in Deutschland mittlerweile jährlich fast 200 000 Kaiserschnitte geben dürfte. Trotz der steigenden Zahl und der immer professionelleren Vorgehensweise in der Durchführung bei Kaiserschnitten, bemängeln Beobachter, dass die Aufklärung der betroffenen Frauen über den Eingriff oftmals noch recht intransparent und unzureichend ist.

Medizinisch wird in einen primären und einen sekundären Kaiserschnitt unterteilt. Der primäre Kaiserschnitt wird noch vor Blasensprung und Wehen eingesetzt. Hier kann es sich als Indikation um absehbare Komplikationen, wie beispielsweise lebensbedrohliche Situationen für Mutter und/oder Kind oder um einen sogenannten „Wunschkaiserschnitt“ handeln. Der sekundäre Kaiserschnitt wird nach Blasensprung oder dem Einsetzen der Wehen unter der Geburt durchgeführt, wenn absehbar ist, dass die Geburt über den Gebärmutterausgang nicht mehr durchführbar ist. In den letzten Jahren haben sich die Narkose- und Operationsverfahren im Bereich der Kaiserschnitte im Sinne einer schonenderen und nebenwirkungsärmeren Vorgehensweise weiterentwickelt. Deswegen gilt das Verfahren als medizinischer Eingriff heute als recht harmlos und ungefährlich. Doch auch wenn die körperlichen Auswirkungen des Eingriffs selbst gemildert wurden, sind die Folgen des Erlebnisses und Umgangs für viele Mütter ganz unterschiedlich.

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Eine 2006 veröffentlichte GEK- Kaiserschnittstudie von Prof. Petra Kolip, von der Fakultät für Gesundheitswissenschaften an der Universität Bielefeld und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) zeigte, dass viele Mütter nach dem Kaiserschnitt angaben, im Vorfeld nicht genügend aufgeklärt worden zu sein. Nur etwa die Hälfte der befragten Frauen fühlten sich in die Entscheidung miteinbezogen.

Auch beim Kind kann der Kaiserschnitt Folgen haben wie z. B. Unruhezustände oder Symmetriestörungen. Das körperliche Handicap der Mutter in den ersten Tagen und die nicht erlebte natürliche Geburt können zu verzögertem Aufbau der Mutter-Kind-Beziehung führen.

Neue Initiative in Hannover
Um dieser individuellen Problematik Rechnung zu tragen, gründen sich bundesweit immer mehr Initiativen, um Mütter vor und nach einem Kaiserschnitt zu beraten. Die Kaiserschnittstelle in Hannover zum Beispiel, hat es sich zum Ziel gemacht, Mütter und Kinder nach oder vor einer Sectio caesarea zu begleiten.

Ursula Hedermann, Heilpraktikerin mit Schwerpunkt Osteopathie und Mitbegründerin der Kaiserschnittstelle Hannover beschreibt gegenüber Heilpraxisnet die Hintergründe für die Initiative: „Durch eigene Erfahrungen und Erfahrungen mit unseren Patientinnen ist uns bewusst geworden, dass Frauen nach einem Kaiserschnitt häufig das Bedürfnis nach einer individuellen Behandlung haben. Aus diesem Grund war es uns ein Anliegen ein Netzwerk, eine „Schnittstelle“ verschiedener Fachleute aus verschiedenen Fachrichtungen aufzubauen. So haben Frauen eine zentrale Anlaufstelle und können nach ihrem individuellen Bedürfnis Ansprechpartner finden. Zusätzlich möchten wir das Thema Kaiserschnitt thematisieren und mit Vorträgen und Fortbildungen für Fachleute auf evtl. auftretende Probleme nach einem Kaiserschnitt aufmerksam machen.“

Eine Vorreiterin und Inspiration für Andere auf diesem Gebiet ist die Ärztin Karin Mikolitch aus Düsseldorf. Sie ist Gründerin des Kaiserschnittnetzwerkes und gibt bundesweit Seminare, um vor allem in diesem Bereich tätige Berufsgruppen zu sensibilisieren und zu schulen. (Thorsten Fischer, Heilpraktiker Osteopathie, 07.03.2010)