Kardiologen warnen: Tiefe Beinschmerzen ein Hinweis für baldigen Herzinfarkt

Alfred Domke
Beinschmerzen können vor Herzinfarkt warnen
Bestimmte Arten von Beinschmerzen können ein erhöhtes Herzinfarkt-Risiko anzeigen. Darauf weist die Deutsche Herzstiftung hin. Die Experten erklären auch, was man machen kann, um die erhöhte Gefahr für einen Infarkt deutlich zu senken.

Vorsicht bei Schmerzen in den Waden
Wenn man beim Gehen Schmerzen in den Beinen verspürt, die beim Stehenbleiben schnell wieder nachlassen, kann dies ein Hinweis auf ein erhöhtes Herzinfarkt-Risiko sein. Darauf weist die Deutsche Herzstiftung auf ihrer Webseite hin. Laut den Experten müsse man vor allem bei Wadenschmerzen wachsam sein.

Wenn man beim Gehen Schmerzen in den Waden verspürt, die beim Stehenbleiben schnell wieder nachlassen, kann dies ein Hinweis auf ein erhöhtes Herzinfarkt-Risiko sein. (Bild: /fotolia.com)

Gefäßablagerungen in den Beinen
Hellhörig sollte man auch werden, wenn es im Liegen zu Schmerzen in der Zehengegend kommt, insbesondere wenn sich durch Aufstehen Linderung erreichen lässt.

„Beide Symptomatiken können ein typischer Hinweis auf eine Arteriosklerose sein“, so die Stiftung.

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Dabei kommt es zu Ablagerungen an verschiedenen Stellen des Körpers die wiederum zu Durchblutungsstörungen führen, so Prof. Dr. Eike Sebastian Debus von der Klinik für Gefäßmedizin am Universitären Herzzentrum Hamburg in einem Newsletter der Herzstiftung.

„Auch wenn die Schmerzen bei einer Arterienverkalkung in den Beinen am häufigsten in den Waden auftreten, können auch andere Beinabschnitte betroffen sein“, erklärte der Mediziner.

„Je nachdem wo die Gefäßablagerungen den Blutfluss blockieren, sind z. B. auch Beschwerden in den Oberschenkeln oder im Gesäß möglich.“

Betroffene müssen beim Gehen immer wieder stehen bleiben
Wenn die zuführenden Blutgefäße der Beine von einer Durchblutungsstörung betroffen sind, nennt man das Krankheitsbild „periphere arterielle Verschlusskrankheit“ (pAVK), die in Deutschland bei etwa einer Million Menschen für Schmerzen in den Beinen verantwortlich ist.

Bei der pAVK, die im Volksmund auch als Raucherbein bezeichnet wird, schmerzen die Beine bereits bei mäßiger Belastung so stark, dass die Betroffenen immer wieder stehenbleiben müssen – daher ist auch von der sogenannten Schaufensterkrankheit die Rede.

Sind dagegen die Herzkranzgefäße befallen, die den Herzmuskel mit Sauerstoff versorgen, spricht man von einer Koronaren Herzkrankheit (KHK), also derjenigen gefährlichen Grunderkrankung des Herzens, bei der die Durchblutungsstörungen zu einem Herzinfarkt, Rhythmusstörungen oder einer Herzschwäche führen können.

Ernsthafte Herzinfarkt-Gefahr
Eine Arteriosklerose bleibt meist nicht auf eine Stelle im Körper beschränkt, sondern tritt im Verlauf in weiteren Regionen auf, wobei die Beine im Vergleich zum Herzen häufig erst relativ spät betroffen sind.

Findet sich in den Beinen eine Arteriosklerose, besteht oft schon eine deutliche Verkalkung der Herzkranzgefäße. Aus diesem Grund sollte man laut der Herzstiftung bei Arteriosklerose bedingten Schmerzen in den Beinen auch immer das Herz untersuchen lassen.

Wie ernst die Herzinfarkt-Gefahr zu nehmen ist, unterstreichen statistische Berechnungen, wonach 75 Prozent der Betroffenen irgendwann einem Herzinfarkt erliegen, was weit über den Bundesdurchschnitt hinausgeht.

Kein unveränderlicher Bestandteil des Älterwerdens
Die Experten der Deutschen Herzstiftung weisen darauf hin, dass Patienten, die unter Arteriosklerose bedingten Schmerzen in den Beinen leiden, die Beschwerden unbedingt in der Sprechstunde erwähnen und auf keinen Fall als unveränderlichen Bestandteil des Älterwerdens ansehen sollten.

Um sich vor einer Gefäßverkalkung zu schützen, sollte man sich regelmäßig bewegen. „Empfehlenswert ist z. B. Ausdauersport, mit dem sich die Entwicklung einer Arteriosklerose typischerweise deutlich bremsen lässt“, schreiben die Experten auf ihrer Webseite.

Sinnvoll ist zudem, das Rauchen aufzugeben. Wer die Finger von Zigaretten lässt, kann das Risiko einer Arterienverkalkung und damit auch das Herzinfarktrisiko enorm senken.

Studien haben gezeigt, dass sich bereits 24 Monate nach der letzten Zigarette die Gefahr für weitere Gefäßverkalkungen nicht mehr von der gesunden Normalbevölkerung unterscheidet.

Wie man sich vor Gefäßverkalkung schützt
Auch eine gesunde Ernährung fördert gesunde Gefäße. Experten raten hier meist zur mediterranen Ernährung mit viel pflanzlichen Ölen, Gemüse und Fisch und wenig tierischen Fetten aus Fleisch oder Butter.

Übergewicht sollte vermieden werden, es begünstigt Gefäßverkalkungen in den Beinen.

Des Weiteren sollte man „Druck aus den Adern nehmen“. Damit ist die dauerhafte Senkung des Blutdrucks gemeint, soweit ein Bluthochdruck vorliegt. Erhöhte Blutdruckwerte können die Blutgefäße der Beine massiv beschädigen.

Doch wie hoch dürfen die Blutdruckwerte sein? Während bis vor kurzem noch weitgehende Einigkeit unter Medizinern bestand, dass erst bei einem systolischen Blutdruck von mehr als 140 mmHg eine Blutdrucksenkung erforderlich ist, kommen verschiedene Studien zu dem Schluss, dass 120 statt 140 das neue Blutdruckziel sein sollte.

Wenn zur Vorbeugung von Arteriosklerose Medikamente eingenommen werden, um die Risikofaktoren abzumildern, sollten Fehler bei der Einnahme unbedingt vermieden werden, warnt die Deutsche Herzstiftung.

„Oft werden die Tabletten z. B. nicht regelmäßig genug eingenommen, teilweise weil die Einnahme schlicht vergessen wird, teilweise aber auch aufgrund unangenehmer Nebenwirkungen“, schreiben die Experten.

Kommt es zu Nebenwirkungen, sollte man die Arznei nicht selbständig absetzen, sondern mit dem Arzt klären, ob vielleicht auch andere Wirkstoffe zur Verfügung stehen. (ad)